Pneumokokken
Impfstoff
Der 23-valente Pneumokokken-Kapselpolysaccharid-Impfstoff (PPSV23):
Dieser Impfstoff für ältere Kinder und Erwachsene enthält Bestandteile der äußeren Kapsel ("Polysaccharidhülle"), mit der sich manche Bakterien umgeben. Es gibt rund 90 verschiedene Kapseltypen von Streptococcus pneumoniae, der Impfstoff enthält 23 davon. Diese 23 Typen sind für mehr als 90% aller durch Pneumokokken verursachten Infektionskrankheiten verantwortlich. Aufgrund der Besonderheit des kindlichen Immunsystems kann dieser Impfstoff (PPSV23) vor dem zweiten Geburtstag aber keinen verlässlichen Immunschutz bewirken.
Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe
Für Säuglinge und Kleinkinder stehen so genannte Konjugatimpfstoffe zur Verfügung. In diesen Impfstoffen sind die Kapsel-Zuckermoleküle der Pneumokokken-Typen an eines oder mehrere Eiweiße gebunden. Durch diese "Kopplung" von Zucker- und Eiweißmolekül werden die Bakterienkapseln auch schon im frühen Kindesalter als "fremd" erkannt und ein Immunschutz kann aufgebaut werden. Je nach Anzahl der in den Impfstoff aufgenommenen Pneumokokken-Typen unterscheidet man 10-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV10) und 13-valenten (PCV13).
PCV10 ist für Säuglinge und Kleinkinder ab einem Alter von sechs Wochen bis zum Geburtstag zugelassen. Er enthält die Serotypen 4, 6B, 9V, 14, 18C, 19F und 23F sowie zusätzlich 1, 5 und 7F. Diese 10 Typen sind nach einer aktuellen Studie für etwa 56% aller in Deutschland durch Pneumokokken verursachten schweren (invasiven) Infektionskrankheiten bei Kindern unter zwei Jahren verantwortlich.
PCV13 ist für Säuglinge und Kleinkinder ab einem Alter von sechs Wochen bis 5 Jahren zugelassen. Er enthält die Serotypen 4, 6B, 9V, 14, 18C, 19F und 23F sowie zusätzlich 1, 3, 5, 6A, 7F und 19A. Diese 13 Typen sind nach einer aktuellen Studie für etwa 74% aller in Deutschland durch Pneumokokken verursachten schweren (invasiven) Infektionskrankheiten bei Kindern unter zwei Jahren verantwortlich.
Anwendung des Impfstoffs:
Die vier Impfstoffe werden in die Muskulatur injiziert. Polysaccharid-Impfstoff und PCV13-Impfstoff können auch unter die Haut gespritzt werden.
Zur Grundimmunisierung mit dem Impfstoff für ältere Kinder und Erwachsene mit 23-valentem Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23) ist eine Impfung ausreichend.
Auffrischimpfungen mit diesem Impfstoff sollten je nach Ansteckungsrisiko durchgeführt werden. Bei fortdauernder Gefährdung, z.B. für Patienten mit gestörtem Immunsystem oder chronischen Nierenerkrankungen, sollte nach fünf Jahren erneut geimpft werden. Kinder unter zehn Jahren mit hohem Krankheitsrisiko sollten nach mindestens drei Jahren eine Auffrischimpfung erhalten.
Zur Grundimmunisierung mit dem 10-valentem Konjugatimpfstoff (PCV10) erhalten Säuglinge und Kinder je nach Alter zwei bis vier Impfdosen, einschließlich einer Auffrischimpfung:
| Alter des ungeimpften Säuglings in vollendeten Monaten | Impfschema |
| 1,5 bzw. 2 bis 6 | 3 Impfungen im Abstand von jeweils 1 Monat (oder 2 Impfungen im Abstand von 2 Monaten), gefolgt von einer weiteren Impfung im 2. Lebensjahr |
| 7 bis 11 | 2 Impfungen im Abstand von 1 Monat, gefolgt von einer 3. Impfung im 2. Lebensjahr mindestens 2 Monate nach der letzten Dosis. |
| 12 bis 23 | 2 Impfungen im Abstand von 2 Monaten; ob eine Auffrischimpfung im 2. Lebensjahr benötigt wird, ist noch nicht untersucht. |
| 24 bis 5 Jahre | 2 Impfungen im Abstand von 2 Monaten |
Für einen optimalen Impfschutz ist es sinnvoll, die Impfserie möglichst früh im dritten Lebensmonat zu beginnen.
Zur Grundimmunisierung mit dem 13-valentem Konjugatimpfstoff (PCV13) erhalten Säuglinge und Kinder je nach Alter zwei bis vier Impfdosen, einschließlich einer Auffrischimpfung:
| Alter des ungeimpften Säuglings in vollendeten Monaten | Impfschema |
| 1,5 bis 6 | 3 Impfungen im Abstand von jeweils 1 Monat (oder 2 Impfungen im Abstand von 2 Monaten), gefolgt von einer weiteren Impfung im 2. Lebensjahr |
| 7 bis 11 | 2 Impfungen im Abstand von 1 Monat, gefolgt von einer 3. Impfung im 2. Lebensjahr |
| 12 bis 23 | 2 Impfungen im Abstand von 2 Monaten |
| 24 bis 5 Jahre | 1 Impfung |
Für einen optimalen Impfschutz ist es sinnvoll, die Impfserie möglichst früh im dritten Lebensmonat zu beginnen.
Die Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe PCV10, PCV13 können zusammen mit den üblichen Kinderimpfstoffen gegeben werden (z.B. Sechsfach-Impfstoff, Masern-Mumps-Röteln-(Windpocken-)Impfstoff, Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff, Impfstoff gegen Rotaviren).
Soll der Impfschutz aufgrund einer fortbestehenden Gefährdung aufrechterhalten werden, können Kinder, die zuvor mit PCV10- oder PCV13-Impfstoff geimpft wurden, ab dem dritten Geburtstag PPSV23-Impfstoff erhalten. Der Abstand zwischen einer vorangegangenen Impfung mit Pneumokokken-Konjugatimpfstoff und der ersten Impfung mit PPSV23-Impfstoff sollte dann mindestens acht Wochen betragen.
Wirksamkeit des Impfstoffs:
Bei älteren und chronisch kranken Patienten können durch die Impfung mit dem Impfstoff für ältere Kinder und Erwachsene (PPSV23) 60% bis 70% der schweren Krankheitsfälle vermieden werden.
Bei Kleinkindern unter zwei Jahren bietet der PPSV23-Impfstoff keinen ausreichenden Schutz.
PCV10 deckt, je nach örtlicher Verbreitung der Pneumokokken-Typen, in Europa 56-90% der Serotypen ab, die schwere (invasive) Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren verursachen. Bisherige Studien mit einem Vorläuferimpfstoff lassen erwarten, dass etwa ein Drittel aller akuten Mittelohrentzündungen durch diesen Impfstoff verhindert werden könnten.
PCV13 deckt, je nach örtlicher Verbreitung der Pneumokokken-Typen, in Europa 73-100% der Serotypen ab, die schwere (invasive) Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren verursachen. Nach den bisherigen Daten kann dieser Impfstoff 7% aller akuten Mittelohrentzündungen verhindern.
Wer geimpft sein sollte
Die Pneumokokken-Impfung ist eine allgemein, öffentlich von den Gesundheitsbehörden empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von zwei Monaten und für alle Personen ab einem Alter von 60 Jahren. Die Grundimmunisierung im Kindesalter umfasst drei Impfungen im Abstand von mindestens vier Wochen sowie eine Auffrischimpfungen im zweiten Lebensjahr. Für Senioren besteht die Grundimmunisierung aus einer Impfdosis.
Außerdem wird sie für Menschen mit bestimmten chronischen Grundleiden generell empfohlen. Zu diesen Krankheiten gehören unter anderem chronische Herz- und Lungenkrankheiten, Zuckerkrankheit (Diabetes) sowie Leber- oder Nierenkrankheiten oder Erkrankungen des Nervensystems wie z.B. ein Anfallsleiden. Ebenfalls impfen lassen sollten sich Patienten, die an Krankheiten der Milz oder des Knochenmarks leiden und Patienten mit Sichelzellanämie und anderen Krankheiten der roten Blutkörperchen (Hämoglobinopathien). Das gleiche gilt für Personen, denen die Milz entfernt wurde oder die von Geburt an keine Milz haben. Generell ist die Impfung allen Personen zu empfehlen, die ein geschwächtes Abwehrsystem aufweisen, sei es aufgrund einer HIV-Infektion, einer geplanten Organtransplantation oder aus anderen Gründen.
Wer nicht geimpft werden sollte
Bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen einen der Impfstoffbestandteile sollte die Impfung nicht durchgeführt werden.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Wann nicht impfen?".
Nebenwirkungen des Impfstoffs
Lokal- und Allgemeinreaktionen
PPSV23-Impfstoff: Häufig ist die Impfstelle nach Injektion rot, geschwollen und schmerzt, selten bildet sich eine kleine Verhärtung im Gewebe an der Impfstelle. Gelegentlich schwellen die Lymphknoten in der Nähe mit an. Selten treten Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen auf. Wird vorzeitig wiedergeimpft oder gelangt Impfstoff versehentlich in die Haut, fallen diese Impfreaktionen stärker aus.
PCV10-Impfstoff: Wie aus vergleichenden Studien hervorgeht, sind Lokal- und Allgemeinreaktionen sehr ähnlich denen nach Impfung mit einem älteren Impfstoff, der vor 7 Serotypen schützte: Bei diesem war die Impfstelle nach Injektion häufig rot, geschwollen und schmerzte. Selten - öfter nach der vierten Teilimpfung - bildete sich an der Impfstelle eine tastbare Verhärtung, die Impfstelle war druckempfindlich, was die Beweglichkeit stören konnte. Es konnte auch zu Allgemeinsymptomen wie Fieber ab 39 °C, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, unruhigem Schlaf oder Magen-Darm-Beschwerden kommen. Wird gleichzeitig Sechsfach-Impfstoff verabreicht, trat Fieber - meist unter 39 °C - etwas häufiger auf.
PCV13-Impfstoff: In den klinischen Zulassungsstudien waren die Nebenwirkungen des 13-valenten Pneumokokkenimpfstoffs mit denen des älteren 7-valenten Impfstoffs vergleichbar. Ältere Impflinge litten eher unter einer schmerzenden Einstichstelle als Säuglinge und bei nachfolgenden Impfdosen trat dies ebenfalls eher auf als bei der ersten.
Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.
Komplikation
PPSV23-Impfstoff: Selten kommt es zu einer allergischen Reaktion (z. B. Nesselsucht). Wie bei vielen Impfstoffen ist in sehr seltenen Einzelfällen eine allergische Sofortreaktion möglich. Sehr selten verringern sich vorübergehend die für die Gerinnungsfunktion des Blutes bedeutsamen Blutplättchen.
PCV10-Impfstoff: In den klinischen Zulassungsstudien waren die Nebenwirkungen des 10-valenten Pneumokokkenimpfstoffs mit denen älteren, 7-valenten Impfstoffs vergleichbar. Bei diesem kam es gelegentlich zu einer allergischen Reaktion (z. B. Nesselsucht). In sehr seltenen Einzelfällen konnte es im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) kommen. In Einzelfällen kam es zu einer hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE). Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück. Auch diese Kinder sollten vollständig geimpft werden.
PCV13-Impfstoff: In den klinischen Zulassungsstudien waren die Nebenwirkungen des 13-valenten Pneumokokkenimpfstoffs mit denen älteren, 7-valenten Impfstoffs vergleichbar. Wie bei vielen Impfstoffen muss auch bei diesem grundsätzlich in sehr seltenen Einzelfällen mit einer allergische Sofortreaktion gerechnet werden, auch wenn dies noch nicht beobachtet wurde.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Nebenwirkungen".
Letzte Aktualisierung: MK 10.12.2011















