Überdosierung bei Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken?

22. August 2019

Liebe Experten, wir haben unseren Sohn bei der U6 gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen impfen lassen. Es wurden ihm hierfür 2 Spritzen verabreicht. Parallel wurde ich als Mutter ebenfalls mit nur einer Spritze gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen geimpft. Leider vertauschte die Sprechstundenhilfe bei der zweiten Spritze und stach zuerst „meine“ Spritze in den Arm meines Sohnes, zog sie aber direkt wieder raus. Jetzt haben wir bedenken, dass er möglicherweise eine Überdosis erhalten haben könnte und bereits etwas Impfstoff in den Körper gelangt sein könnte.

Wie würde sich das bei ihm bemerkbar machen? Worauf müssen wir achten und ist es lebensbedrohlich?

Vielen Dank und liebe Grüße

Durch eine geeignete Organisation in der Arztpraxis ist sicherzustellen, dass Impfungen korrekt durchgeführt werden. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus der Ferne nicht beurteilen können, ob Ihr Sohn tatsächlich Impfstoff aus der fälschlichen zweiten Spritze erhalten hat. Besprechen Sie Ihre Sorge am besten in einem persönlichen Gespräch mit Ihrem Kinderarzt / Ihrer Kinderärztin. Der Arzt / die Ärztin trägt die Haftung für eine Impfung, auch wenn eine Sprechstundenhilfe den Impfstoff verabreicht hat.

In bekannt gewordenen Fällen, in denen es dazu kam, dass eine höhere Impfstoffdosis gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfstoff) verabreicht wurde als empfohlen – darunter auch Fälle mit bis zu zweifacher Impfdosis – waren nach Angaben in den Fachinformationen zu diesen Impfstoffen die Nebenwirkungen vergleichbar mit denen nach einer Impfung mit der korrekten Dosis bzw. es traten keine Nebenwirkungen auf, die mit der Überdosierung in Verbindung gebracht wurden. In einigen Fällen, in denen versehentlich mehr Windpocken (Varizellen)-Einzelimpfstoff verabreicht wurde als empfohlen, kam es den Fachinformationen zufolge je nach Impfstoff zu Lethargie und Krampanfällen bzw. zu Rötung an der Injektionsstelle, Schmerzhaftigkeit und Entzündung, Reizbarkeit, Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen und Durchfall, Husten und Virusinfektion, die ohne Spätfolgen blieben. Fälle einer Überdosierung von MMRV-Impfstoffen, die zusätzliche eine Komponente gegen Varizellen enthalten, sind laut Fachinformationen nicht bekannt. Zur versehentlichen Verabreichung von MMR- oder Varizellen-Einzelimpfstoff plus MMRV-Impfstoff liegen keine Angaben vor.

Wie bei jeder Impfung könnten auch bei Ihrem Sohn Nebenwirkungen nach der Impfung auftreten. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden Ihres Kindes an Ihre Kinderarztpraxis. Bei Verdacht auf Nebenwirkungen, die über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinaus gehen, wäre der Arzt / die Ärztin verpflichtet, eine Meldung an das Gesundheitsamt bzw. das Paul-Ehrlich-Institut vorzunehmen.

Bitte klären Sie mit der Kinderarztpraxis außerdem, welche Impfungen Ihrem Kind – und Ihnen – gemäß Impfpass verabreicht wurden und welche noch ausstehen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.