Ab welchem Alter sind Impfungen sinnvoll?

23. November 2020

Guten Tag,

wir bekommen demnächst ein Kind und wollen es natürlich impfen lassen. Dabei setzte ich mich mit den Vorteilen und Risiken der Impfungen auseinander. Eine Sache macht jedoch für mich keinen Sinn und ich kann hierzu auch nichts im Internet finden.

Wieso soll man Babies vor der 4ten Woche Impfen. Laut [Internet...]
haben Kinder erst eine kindliche Immunabwehr etwa im 4. Monat über Kontakte mit den Erregern z.B. durch eine Infektion. Ärzte sprechen dabei vom „immunologischen Gedächtnis", dem Erinnerungsvermögen des Immunsystems. Davor werden sie über die Muttermilch geschützt. Also wieso soll man bereits laut STIKO im zweiten Monat impfen?

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Beste Grüße

Leider sind nicht alle Informationen, die im Internet zu finden sind, korrekt, manches ist auch missverständlich. So ist es nicht richtig, dass Säuglinge grundsätzlich über mütterliche Antikörper, die während der Schwangerschaft oder beim Stillen übertragen werden, in den ersten Lebensmonaten ausreichend gegen alle Infektionskrankheiten geschützt sind, gegen die Impfungen zur Verfügung stehen.

Das Robert Koch-Institut (RKI), ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -vorbeugung, sowie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, erklären zum Thema Nestschutz durch mütterliche Abwehrstoffe: „Tatsächlich überträgt bereits eine Schwangere über den Blutkreislauf Antikörper zum Schutz gegen bestimmte Infektionen auf ihr ungeborenes Kind. Mit der Muttermilch erhält der Säugling dann weitere Abwehrstoffe. Dieser sogenannte Nestschutz ist jedoch nur in den ersten Lebensmonaten eine Stütze für das sich entwickelnde kindliche Immunsystem; zudem erstreckt er sich nur auf bestimmte Infektionskrankheiten. Die Mutter kann Antikörper nur gegen solche Krankheiten weitergeben, die sie selbst durchgemacht hat oder gegen die sie geimpft wurde – und auch nur dann, wenn bei ihr die Konzentration der Antikörper gegen den betreffenden Erreger noch ausreichend hoch ist“ (rki.de/…/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html).

Das Beispiel Keuchhusten (Pertussis) zeigt, dass eine Übertragung von Antikörpern in der Schwangerschaft eine frühzeitige Impfung des Säuglings nicht ersetzt ( rki.de/…/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html ): Da eine durchgemachte Erkrankung nicht zu einer anhaltenden Immunität führt und auch nach einer Impfung die Antikörper wieder abnehmen, können die meisten Mütter Antikörper gegen Keuchhusten nicht oder nur unzureichend auf ihr Baby übertragen. Keuchhusten kann jedoch gerade im Säuglingsalter einen schweren, lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Daher wird empfohlen, dass sich werdende Mütter in jeder Schwangerschaft gegen Keuchhusten impfen lassen. Dadurch kann der Säugling für eine gewisse Zeit nach der Geburt vor Keuchhusten geschützt werden. Zudem sollten auch enge Kontaktpersonen von Säuglingen gegen Keuchhusten geimpft sein.

Die Effektivität der mütterlichen Impfung, in den ersten 2 bis 3 Lebensmonaten den Säugling vor Keuchhusten zu schützen, liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Studien bei ca. 90 Prozent (rki.de/…/FAQ-Liste_Pertussis_Impfen.html). Da dieser Schutz jedoch zeitlich sehr begrenzt ist, aber eine einzelne Impfung des Säuglings nicht ausreicht, um einen ausreichenden eigenen Impfschutz aufzubauen, sollte auch beim Säugling möglichst frühzeitig mit der Impfserie begonnen werden. Dies wird ab dem Alter von zwei Monaten (das heißt ab dem dritten Lebensmonat) empfohlen und erfolgt in der Regel mit Sechsfach-Impfstoff, der auch gegen Tetanus, Diphtherie, Hib, Polio (Kinderlähmung) und Hepatitis B schützt. Hib ist ein gutes Beispiel, dass sich Nestschutz und Schutzimpfung ergänzen: Nach einer Impfung gegen Hib bilden gestillte Kinder nach Angaben des Robert Koch-Instituts mehr Antikörper gegen den Erreger.

Vor der 4. Lebenswoche, wie von Ihnen angeführt, erfolgen keine Standardimpfungen und auch im zweiten Lebensmonat wird routinemäßig lediglich gegen Rotaviren geimpft (ab dem Alter von sechs Wochen). Welche Impfungen in welchem Alter empfohlen werden, können Sie dem Impfkalender entnehmen (gesundes-kind.de/…/), Informationen zu allen Impfungen finden Sie unter https://www.gesundes-kind.de/impfungen/.

Ihr Kinderarzt / Ihre Kinderärztin wird Sie über die anstehenden Impfungen ausführlich und individuell beraten und aufklären.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

*Die in den Antworten gegebenen Informationen entsprechen dem wissenschaftlichen Stand zum Zeitpunkt der Erstellung.
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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.