Bei möglicher Ansteckung gegen Windpocken impfen?

19. Februar 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hatte als Baby (wenige Wochen alt) die Windpocken, allerdings nur eine sehr leichte Form. In meinem Impfpass steht 1999 eine MMR-Vax-Impfung vermerkt, allerdings nur einmalig. Im Jahr 2015 hatte ich auch eine leichte Form von Gürtelrose. Bin ich immun gegen Windpocken? Könnte ich mich nochmal impfen lassen? Meine beiden Töchter (12,10) sind beide nicht geimpft und im Freundeskreis kursieren gerade die Windpocken. Können diese evtl. noch schnell geimpft werden trotz evtl. Ansteckung?

Die von Ihnen genannte MMR-Impfung richtet sich gegen Masern, Mumps und Röteln. Im Alter ab 11 Monaten bzw. bei Nachholimpfungen bei älteren Kindern und Jugendlichen wird eine zweimalige MMR-Impfung empfohlen. Nach 1970 geborene Erwachsene ohne Impfung gegen Masern, mit nur einer Impfung in der Kindheit oder mit unklarem Impfstatus sollten einmalig mit MMR-Impfstoff geimpft werden.

Ein Impfschutz gegen Windpocken (Varizellen) wird mit der MMR-Impfung nicht aufgebaut.

Für die Impfung gegen Windpocken stehen Einzelimpfstoffe sowie Kombinationsimpfstoffe mit Varizellen- und MMR-Komponenten (MMRV-Impfstoffe) zur Verfügung. Zum Aufbau des Impfschutzes sind zwei Teilimpfungen notwendig, die im Alter von 11 bis 14 sowie 15 bis 23 Monaten empfohlen werden. Versäumte Impfungen sollten im Kindes- und Jugendalter sobald wie möglich nachgeholt werden.

Im Erwachsenenalter wird für bestimmte Personengruppen eine Impfung gegen Windpocken empfohlen, wobei der Immunstatus ggf. durch eine Bestimmung der Antikörper im Blut überprüft wird:
• Seronegative Frauen - das heißt ohne entsprechende Antikörper im Blut - mit Kinderwunsch
• Seronegative Personen vor Organtransplantation oder vor geplanter Therapie, welche die Immunabwehr unterdrückt
• Empfängliche Personen – das heißt ohne Impfung, ohne durchgemachte Erkrankung oder ohne Nachweis entsprechender Antikörper im Blut – mit schwerer Neurodermitis
• Empfängliche Personen mit Kontakt zu den beiden letztgenannten Gruppen
• Seronegatives Personal im Gesundheitsdienst sowie bei Neueinstellungen in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter.

Bei Kontakt zu an Windpocken Erkrankten ist eine umgehende Nachholimpfung für Kinder und Jugendliche besonders wichtig. Um den Ausbruch der Windpocken möglichst zu verhindern, sollte eine postexpositionelle Impfung innerhalb von fünf Tagen nach möglicher Ansteckung erfolgen.

Eine solche postexpositionelle Impfung nach möglicher Ansteckung wird auch Erwachsenen ohne Impfschutz und ohne früher durchgemachte Windpocken-Erkrankung empfohlen, wenn sie Kontakt zu besonders gefährdeten Personen wie ungeschützten Schwangeren oder Neugeborenen haben. Könnten sich Risikopersonen wie ungeschützte Schwangere oder Neugeborene angesteckt haben, erhalten diese Antikörper (Immunglobulin), um den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern oder zumindest abzuschwächen.

Eine durchgemachte Erkrankung an Windpocken führt zu lebenslanger Immunität. Bei Kontakt mit Windpocken-Viren (Varizella-Zoster-Virus) kommt es nicht erneut zu einer Erkrankung. Eine Gürtelrose ist aber jederzeit möglich und kann wiederholt auftreten, da diese durch Windpocken-Viren hervorgerufen wird, die von einer früheren Windpocken-Infektion noch im Körper vorhanden sind und auch Jahrzehnte später wieder aktiv werden können.

Nach sicher durchgemachten Windpocken und entsprechendem Immunstatus ist eine Windpocken-Impfung nicht erforderlich. Für Personen ab 60 Jahren sowie bestimmte Risikogruppen ab 50 Jahren wird aber eine Impfung gegen Gürtelrose (Herpes zoster) empfohlen.

Bitte lassen Sie sich von Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin bzw. dem Kinderarzt / der Kinderärztin Ihrer Töchter individuell beraten. In der Arztpraxis sollte auch anhand der Impfpässe überprüft werden, ob der Impfschutz ansonsten komplett ist.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.