Bei Multipler Sklerose impfen?

5. Januar 2019

Lieber Expertenrat,

ich stehe kurz vor einer Auffrischung gegen Diphtherie-Tetanus und mache mir große Sorgen um mögliche Impfschäden.

Ich habe MS seit fast 10 Jahren und befinde mich in einem stabilen Zustand. Es ist allgemein kein Problem mich mit Totimpfstoffen impfen zu lassen. Jedoch habe ich Sorge, dass ich durch die Impfung ein Guillain-Barré-Syndrom bekomme oder eine andere Erkrankung des Nervensystems. Kennen Sie Zahlen und Fakten wie hoch die Wahrscheinlichkeit überhaupt ist durch Impfen eine derartige Erkrankung zu bekommen?

Vielen Dank!

Dem Robert Koch-Institut zufolge stellt eine Erkrankung an Multipler Sklerose (MS) keine Gegenanzeige dar, bei der nicht geimpft werden dürfte. Nach Impfungen von MS-Patienten gegen Tetanus oder auch Influenza sowie Hepatitis B wurde kein Unterschied im weiteren Krankheitsverlauf der MS zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften beobachtet. Durch Impfungen sind zwar Modulationen im Immunsystem möglich und theoretisch ist daher nicht auszuschließen, dass Impfungen einen Schub von Autoimmunerkrankungen oder anderen immunologischen Erkrankungen begünstigen. In Studien konnte bislang ein solcher Zusammenhang aber nicht belegt werden. Da Infektionen nachweislich ein Trigger für MS-Schübe sein können, erscheint der Nutzen von Impfungen mit Totimpfstoffen, zu denen auch die Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie zählen, grundsätzlich größer als dieses theoretische Risiko. Lebendimpfstoffe sollten aber nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung verabreicht werden. Die STIKO empfiehlt Patienten mit MS neben den Standardimpfungen ausdrücklich auch die Impfung gegen Influenza, wenn die Schübe ihrer MS-Erkrankung durch Infektionen getriggert werden (rki.de/…/FAQ04.html?nn=2391120).

Auch neurologische Fachgesellschaften empfehlen, Patienten mit Multipler Sklerose zu impfen. Impfungen sollten allerdings nicht während eines akuten Schubes oder einer Cortison-Behandlung erfolgen. Auch während einer Therapie mit Immunsuppressiva darf keine aktive Lebendimpfung zum Beispiel gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken vorgenommen werden (neurologen-und-psychiater-im-netz.org/…/).

Impfungen – insbesondere die Grippe-Impfung - werden immer wieder als Auslöser eines Guillain-Barré-Syndroms diskutiert. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts handelt es sich in der Regel um Einzelfallberichte, für die ein Ursachenzusammenhang schwer zu belegen ist. Sofern Grippe-Impfungen überhaupt ursächlich für ein Guillain-Barré-Syndrom sein können, wird das Risiko als sehr gering angesehen (etwa ein zusätzlicher Fall pro einer Millionen geimpfter Erwachsener) (pei.de/…/2009-sicherheit-impfstoffe.html).

Gemäß Fachinformation zu einem der Tetanus-Diphtherie-Impfstoffe zählt das Guillain-Barré-Syndrom zu den möglichen Nebenwirkungen. Die Häufigkeit ist jedoch nicht bekannt. Denn werden Verdachtsfälle auf Nebenwirkungen nach der Markteinführung gemeldet, kann die Häufigkeit in Relation zur nicht genau bekannten Anzahl verimpfter Dosen nicht zuverlässig abgeschätzt werden und es ist oft schwierig, einen Kausalzusammenhang zur Impfung herzustellen. Die Fachinformationen zum Tetanus-Diphtherie-Impfstoff enthalten keine Warnhinweise für Patienten mit Multipler Sklerose, dass bei ihnen das Risiko für ein Guillain-Barré-Syndrom erhöht wäre. Wenn nach einer früheren Verabreichung eines Tetanus-Impfstoffs jedoch ein Guillain-Barré-Syndrom oder eine Plexus brachialis-Neuritis aufgetreten ist, sollte vor der Verabreichung einer weiteren Dosis eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen (portal.dimdi.de/…/Gate;jsessionid=B914E95D22910700B0A49B19342BB9A5).

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nur allgemeine Hinweise geben, aber keine medizinische Einzelfallberatung leisten können und lassen Sie sich von Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin individuell beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes Kind Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.