16. November 2016

Guten Tag Herr Knuf,

Ich befasse mich seit längerem mit der Frage, ob ich mein Kind impfen lasse, und wenn ja, wogegen. Zuletzt nannte mir unser Kinderarzt den Impfstoff, den er in dem Fall verwenden würde (infanrix), Hersteller: glaxosmithkline. Ich wollte unter anderem wissen, was im Impfstoff enthalten ist und ob es Wirksamkeitsnachweise gibt, die über ein Vorhandensein von Antikörpern hinaus gehen (erkrankt ein geimpfter Mensch tatsächlich nicht?), fragte bei der Firma an, erhielt als Antwort, dass ich mich an Sie, als "unabhängigen Experten" wenden solle. Diese Seite, auf der Sie Ratschläge erteilen wird allerding von gsk betrieben, was mich in Bezug auf Ihre Unabhängigkeit misstrauisch macht, ich hoffe, das ist verständlich. Ich möchte wissen, inwiefern Sie sich als unabhängig bezeichnen und wäre desweiteren natürlich auch dankbar, wenn Sie meine o.g. Fragen beantworten würden. Und falls Sie mir die persönliche Frage erlauben, (denn das ist die Impffrage schließlich für jeden Elternteil), lassen Sie Ihr eigenes Kind impfen?

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Mühe und Aufklärungsarbeit. Mit freundlichen Grüßen,
Katharina N.

Sehr geehrte Frau N.,

ob und wogegen Eltern ihr Kind impfen lassen, ist eine persönliche Entscheidung. Wir möchten mit unserem Internetangebot www.gesundes-kind.de dazu beitragen, dass interessierte Eltern Impfentscheidungen gut informiert treffen können.

Ihre Frage nach der Unabhängigkeit unseres Internetangebots ist verständlich, und Transparenz ist uns ein Anliegen. Die finanziellen Mittel für unsere Seite werden von dem Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG bereit gestellt, dieser nimmt jedoch keinen Einfluss auf die medizinischen Inhalte. Unsere Website ist ein Projekt der Stiftung Kinder.Gesundheit.Mainz für das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Mainz (http://www.spp-gz.de/) und folgt strengen redaktionellen Grundsätzen (siehe https://www.gesundes-kind.de/home/ueberuns.jsp). Die Informationen basieren auf nachprüfbaren, wissenschaftlichen Quellen und orientieren sich an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (rki.de/…/Impfempfehlungen_node.html, rki.de/…/impfen_node.html). Die Qualität unseres Internetauftritts wird auch durch die HONCode- sowie die afgis-Zertifizierung bestätigt.

Vor diesem Hintergrund beantworten wir gerne Ihre Fragen zu Inhaltsstoffen und Wirksamkeit des Impfstoffs, den Ihnen Ihr Kinderarzt genannt hat: Dieser zählt zu den Kombinationsimpfstoffen, die zum gleichzeitigen Schutz vor mehreren Infektionskrankheiten verabreicht werden (Übersicht zugelassener Impfstoffe auf den Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts pei.de/…/informationen-zu-impfstoffen-impfungen-impfen.html). Infanrix hexa ist ein Sechsfach-Kombinationsimpfstoff, der zum Schutz gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Hepatitis B, Poliomyelitis (Kinderlähmung) und Erkrankungen durch Hib (Heamophilus influenzae Typ b) eingesetzt wird. Arzneilich wirksame Bestandteile sind Diphtherie-Toxioide, Tetanus-Toxioide, Bordetella pertussis-Antigene (Pertussis-Toxoid, Filamentöses Hämagglutinin, Pertactin), Hepatitis-B-Oberflächenantigen (Hbs), inaktivierte Polioviren und Polysaccharide aus dem Bakterium Haemophilus influenzae Typ b.
Grundsätzlich erhält ein Impfstoff nach geltendem Arzneimittelrecht nur dann eine Zulassung, wenn nachgewiesen ist, dass er auch wirksam bzw. immunogen und verträglich ist. Darüber hinaus werden auch nach der Zulassung von den Herstellern, aber auch von unabhängigen Forschungseinrichtungen Studien durchgeführt, in denen die Wirksamkeit und Sicherheit von Impfungen fortlaufend untersucht wird. Studienberichte finden Sie zum Beispiel im EU-Register für klinische Studien der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA (clinicaltrialsregister.eu/…/search), das öffentlich zugänglich ist.
Für den genannten Kombinationsimpfstoff konnte in Studien gezeigt werden, dass einen Monat nach der Grundimmunisierung 95 bis 100 Prozent der Kinder Antikörper gegen jedes der Impfstoff-Antigene gebildet hatten. Bezüglich Pertussis gibt es allerdings keine Grenzwerte, ab denen von einem Schutzwirkung ausgegangen werden kann. Studiendaten zu Ansteckungsraten zeigen jedoch eine - zeitlich begrenzte - Impfstoff-Wirksamkeit von knapp 89 Prozent.

Die Wirksamkeit ist damit gut, doch auch dieser Kombinationsimpfstoff bietet wie alle Impfstoffe keinen 100prozentigen Schutz. Eine Garantie, dass ein geimpfter Mensch tatsächlich nicht erkrankt, lässt sich nicht geben. Falls es jedoch trotz Impfung in seltenen Fällen zu einer Erkrankung kommt, verläuft diese in der Regel milder und komplikationsärmer als bei Ungeimpften.
Zudem reduzieren hohe Durchimpfungsraten das Auftreten einer Infektionskrankheit in der Bevölkerung und damit das Ansteckungsrisiko für den Einzelnen. So konnten konsequente Impfprogramme beispielsweise die Kinderlähmung in Deutschland und vielen anderen Ländern nahezu vollständig zurückdrängen. Da diese Erkrankung jedoch noch nicht weltweit ausgerottet ist, kann es bei sinkenden Impfquoten wieder zu Epidemien kommen, die Impfung wird daher weiterhin empfohlen. Gegen die Pocken, die weltweit ausgerottet sind, wird nicht mehr geimpft.
Um auch Ihre persönliche Frage zu beantworten: Die Kinder der Mitglieder unseres Redaktionsteams werden entsprechend den STIKO-Empfehlungen geimpft.

Individuelle Impfempfehlungen für Ihr Kind können wir Ihnen aus der Ferne nicht geben. Bitte wenden Sie sich für eine individuelle Beratung an Ihren Kinderarzt/Ihre Kinderärztin.

Mit freundlichem Gruß
Ihr Gesundes-Kind Team

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Unser Expertenrat um Prof. Dr. med. Markus Knuf vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.