Gefährdung durch Meningokokken?

20. Mai 2020

Guten Tag,

Wir wohnen in Sachsen und hier wird die Meningokokken-Impfung bereits mit zwei Monaten empfohlen, die die Stiko jedoch mit 12 Monaten vorsieht.

Nun frage ich mich, in wie fern ist mein nun 3 Monate alter Sohn durch Verwandte und Freunde gefährdet, solange er noch nicht geimpft wurde? Ich würde gern der Empfehlung der Stiko folgen.

Einige Verwandte verreisen auch viel ins Ausland, sind diese Personen eine Gefahrenquelle und könnten Sie die Bakterien trotz Impfung weiter geben?

Wenn ca jeder Zehnte diese Bakterien in sich trägt, wie kommt es dann aber, dass trotzdem so wenig Krankheitsfälle auftreten? Verursachen die Bakterien also nur selten bzw. nur bei immunschwachen Kindern / Menschen die Krankheit?

Vielen Dank im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen

Meningokokken werden in verschiedene Untergruppen (Serogruppen) unterteilt, die mit Buchstaben gekennzeichnet werden. Die Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursachen fast alle Meningokokken-Erkrankungen weltweit.

Die Sächsische Impfkommission empfiehlt ab dem Alter von zwei Monaten sowohl die Impfung gegen Meningokokken C bzw. ACWY als auch gegen B. Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken C ab dem Alter von 12 Monaten, die Impfung mit Meningokokken ACWY-Impfstoff sowie Meningokokken-B-Impfstoff dagegen nur für Risikogruppen (gesundes-kind.de/…/).

Einer der Gründe, warum die STIKO die Impfung gegen Meningokokken C erst ab dem Alter von einem Jahr empfiehlt, ist, dass dann eine einmalige Impfung zusammen mit einem Catch-up-Programm ausreicht. Bei Säuglingen unter einem Jahr dagegen muss zweimal gegen Meningokokken C geimpft werden und eine weitere Auffrischimpfung ist notwendig. Daher wäre auch bei einer Impfung gegen Meningokokken C entsprechend der Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission ein Säugling im Alter von drei Monaten noch nicht ausreichend geschützt.

Warum die STIKO die Impfung gegen Meningokokken B bislang nicht als Standardimpfung für alle Kinder empfiehlt, können Sie nachlesen unter rki.de/…/faq_ges.html;jsessionid=111F255635400B55FA092279BACCDF5A.internet081.

Wie Sie richtig schreiben, sind bei etwa 10 Prozent der Bevölkerung Meningokokken im Nasen-Rachen-Raum nachweisbar, ohne dass es zu Krankheitszeichen kommt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts handelt sich bei den meisten Proben, die von solchen Trägern untersucht wurden, um harmlose Meningokokken, die nicht krank machen (rki.de/…/Ratgeber_Meningokokken.html#UmK). Auch eine Infektion mit Meningokokken, die krank machen können, verläuft oft ohne Beschwerden, da der Erreger begrenzt nur den Nasen-Rachen-Raum besiedelt. Wird jedoch die Schleimhautbarriere durchbrochen und breitet sich der Erreger auf dem Blutweg aus, so es kann zu verschiedenen invasiven Erkrankungen wie einer Hirnhautentzündung oder zu einer Blutvergiftung kommen, die innerhalb weniger Stunden zum Tode führen kann.

An einer Meningokokken-Infektion kann jeder erkranken. Ein erhöhtes Risiko haben zum Beispiel Menschen mit einer Immunstörung, aber auch eine vorangegangene Virus-Infektion der Atemwege kann die Empfänglichkeit für eine Meningokokken-Infektion erhöhen. Weiterhin geht man von einer genetisch bedingten „Empfänglichkeit“ für schwere Infektionen durch Veränderungen der angeborenen Immunität aus. Diese spielt insbesondere bei Säuglingen eine Rolle. Dass invasive Erkrankungen an Meningokokken C so selten geworden sind, ist nicht zuletzt der Impfung zu verdanken.

Eine Übertragung von Meningokokken erfolgt bei engem Kontakt durch Tröpfcheninfektion über die Sekrete des Nasen-Rachen-Raums eines Keimträgers oder eines Erkrankten, wenn die Erreger beispielsweise beim Husten, Niesen oder auch beim Küssen an die Atemwegsschleimhaut eines anderen gelangen. Das höchste Risiko für eine Ansteckung besteht bei engen Kontakten mit Haushaltsangehörigen oder anderen Bezugspersonen. Außerhalb des Körpers sterben die Bakterien schnell ab.

Wie hoch das Infektionsrisiko auf Reisen ist, hängt unter anderem von der Region ab, da das Vorkommen von Meningokokken regional sehr unterschiedlich ist, aber auch vom Verhalten des Reisenden, insbesondere ob es zu engen Kontakten kommt.

Ob eine Impfung vor einer Besiedlung durch Meningokokken schützt, ist nicht sicher. Möglicherweise können auch Menschen, die gegen Meningokokken geimpft sind, die Erreger unter Umständen übertragen.

Bitte lassen Sie sich von Ihrem Kinderarzt / Ihrer Kinderärztin individuell beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.