Gegen Meningokokken ACWY impfen?

25. Juli 2019

Mein Kind ist 17 Monate alt und soll noch gegen meningokokken geimpft werden. Ich wollte gegen AWCY impfen lassen, da es -soweit ich richtig recherchiert habe- auch nur ein „pieks“ ist und zudem ohne Aluminium als Wirkverstärker auskommt. Ich also mit einer Impfung gleich 4 Stämme abdecken würde. Mir wurde nun gesagt, dass das unnötig wäre und die menC lebenslangen Schutz vermitteln würde. Die AWCY dagegen nicht. Ist das so korrekt? Ich habe es bei meinen eigenen Recherchen eher so verstanden, dass einzelne Komponenten eher besser wirken in der Kombination als beim Monoimpfstoffund dass es grundsätzlich zu einem schnellen Abstieg der Antikörper kommt/kommen kann. In Österreich wird daher wohl im Jugendalter nochmals geimpft? Ist der Impfstoff menC Mono besser verträglich als der AWCY Impfstoff? Vielen Dank!

Für die Impfung gegen Meningokokken der Serumgruppe A, C, W und Y stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, so dass die Impfung gegen alle vier Serogruppen in einer Spritze erfolgt. Einer der Meningokokken ACWY-Kombinationsimpfstoffe ist für Kinder ab dem Alter von sechs Wochen, der andere ab dem Alter von zwei Jahren zugelassen.

Meningokokken ACWY-Kombinationsimpfstoffe enthalten im Gegensatz zu den Monoimpfstoffen gegen Meningokokken C kein Aluminium. Doch bei allen in Europa zugelassenen Impfstoffen, die Aluminium enthalten, liegt der Gehalt im Bereich von 0,125 bis 0,82 mg pro Dosis und damit deutlich unter dem im Europäischen Arzneibuch angegebenen Grenzwert von 1,25 mg pro Dosis. Eine ausführliche Sicherheitsbewertung durch das Paul-Ehrlich-Instituts zu Aluminium in Impfstoffen können Sie nachlesen unter pei.de/…/sicherheitsbewertung-aluminium-in-impfstoffen.html.

Wir orientieren uns bei unseren Informationen zum Impfen an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO, die in Deutschland als medizinischer Standard gelten. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Impfempfehlungen anderer Länder nicht erörtern können. Einzelheiten zu den Impfempfehlungen in Österreich können Sie nachlesen unter sozialministerium.at/…/.

In Deutschland empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Meningokokken C als Standardimpfung für alle Kinder ab dem Alter von 12 Monaten (siehe Impfkalender gesundes-kind.de/…/). Die Meningokokken ACWY-Impfung wird – neben der Impfung gegen Meningokokken B - für gesundheitlich gefährdete Personen mit bestimmten Formen einer angeborenen oder erworbenen Immundefizienz empfohlen. Außerdem werden diese Impfungen bei regionalen Häufungen oder Ausbrüchen, je nach Zielregion und Art des Aufenthalts vor Reisen bzw. Langzeit-Auslandsaufenthalten von Schülern oder Studenten sowie für gefährdetes Laborpersonal empfohlen.

Eine Meningokokken ACWY- oder Meningokokken-B-Impfung kann im Einzelfall aber auch über diese Empfehlungen hinaus für Kinder sinnvoll sein, bei denen solche Risikofaktoren nicht vorliegen. Eine fehlende STIKO-Empfehlung hindert den Arzt/die Ärztin nicht an einer begründeten Impfung. Solche Impfentscheidungen sollten eingehend mit dem Kinderarzt / der Kinderärztin besprochen werden.

In Deutschland nehmen unter den gemeldeten invasiven Meningokokken-Erkrankungen Infektionen mit Meningokokken der Serogruppen A, W und Y jeweils einen geringeren Anteil ein als Infektionen durch Meningokokken C sowie Meningokokken B: Im Jahr 2017 betrug bei den Fällen, für die Angaben zur Serogruppe vorlagen, der Anteil von Infektionen durch Meningokokken B 59,2 Prozent (135 Fälle), durch Meningokokken C 17,1 Prozent (39 Fälle), durch Serogruppe Y 14,5 Prozent (33 Fälle), durch Serogruppe W 8,8 Prozent (20 Fälle) und durch Serogruppe A 0,4 Prozent (1 Fall). Seit Einführung der Empfehlung einer Impfung aller Kinder gegen Meningokokken C im Jahr 2006 ging die Zahl der Meningokokken C-Fälle bei den ein- bis elfjährigen Kindern um 95 Prozent zurück.

Bei einer Impfung mit Monoimpfstoff gegen Meningokokken C ab dem Alter von zwölf Monaten, wie von der STIKO empfohlen, sind keine Auffrischimpfungen vorgesehen. Den Fachinformationen zufolge wurde die Notwendigkeit einer solchen Auffrischimpfung bislang nicht nachgewiesen. Studiendaten zu der Frage, ob der Schutz lebenslang anhält, liegen allerdings nicht vor. Werden jüngere Kinder geimpft, wird eine Auffrischimpfung empfohlen.

Für Meningokokken ACWY-Impfstoff, der bereits ab dem Säuglingsalter zugelassen ist, wurde eine Abnahme der Antikörpertiter über die Zeit beobachtet. Die klinische Relevanz dieser Beobachtung ist jedoch nicht bekannt, denn der Impfschutz wird nicht nur über Antikörper, sondern auch über eine zelluläre Immunreaktion vermittelt. Bei einer Impfung im Alter unter einem Jahr wird in der Fachinformation generell eine Auffrischimpfung empfohlen. Bei Personen, die im Kleinkindalter geimpft wurden und die weiterhin einem hohen Risiko für eine Erkrankung durch Meningokokken A, C, W oder Y ausgesetzt sind, wird empfohlen, eine Auffrischimpfung in Betracht zu ziehen.

Eine wissenschaftliche Grundlage zu der Aussage, dass einzelne Komponenten eher besser wirken in der Kombination als bei Monoimpfstoff, ist uns nicht bekannt. Seriöse Quellen zum Thema Impfen sind beispielsweise die Internetseiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die allgemeinverständliche Infos bieten (www.impfen-info.de), die Internetseiten des Robert Koch-Instituts (rki.de/…/impfen_node.html ) sowie die Gebrauchsinformationen bzw. Informationen für die Öffentlichkeit und die Fachinformationen zu den einzelnen Impfstoffen, zu denen Sie über die Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts gelangen (pei.de/…/meningokokken-node.html, jeweils Link in der rechten Spalte der Tabelle anklicken).

In den Fachinformationen sind auch detaillierte Angaben zu Spektrum und Häufigkeit von Nebenwirkungen zu finden. Das Nebenwirkungsprofil der verschiedenen Meningokokken C- und ACWY-Impfstoffe ist ähnlich. Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen (beobachtet bei mehr als 1 von 10 Geimpften) zählen Schwellung, Schmerzen und Rötung an der Impfstelle, Fieber, Müdigkeit, Reizbarkeit, Appetitverlust, Erbrechen und Durchfall.

Ihr Kinderarzt / Ihre Kinderärztin wird Sie bei der Auswahl eines geeigneten Impfstoffes für Ihr Kind individuell beraten und vor einer Impfung umfassend über Nutzen und mögliche Risiken aufklären.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.