Häufiges Stillen in der Nacht

7. Juli 2016

Sehr geehrter Herr Knuf,
mein Sohn ist nun vier Monate alt und wurde die ersten drei Monate voll gestillt. Inzwischen bekommt er jedoch morgens und abends vor dem Schlafengehen die Flasche (Beba pre). Dabei trinkt er abends ca. 200 ml.
Anschließend lege ich ihn in seine Wiege und er schläft recht zügig ein. Nach drei bis vier Stunden, zwischen 23 und 24 Uhr, ist er dann das erste Mal wach und möchte gestillt werden. Er lässt sich weder mit einem Schnuller, noch auf eine andere Art beruhigen. Ab diesem Zeitpunkt kommt er dann etwa stündlich (zwischen 30-120 Minuten von "Mahlzeit" zu "Mahlzeit"), bis wir um 7 Uhr wieder aufstehen. Er trinkt dann allerdings je nur ca. 4-5 Minuten. Da ich sonst gar keinen Schlaf mehr bekomme, hole ich ihn so gegen 24 Uhr in mein Bett, so dass ich ihn liegend, im Halbschlaf stillen kann. Er schläft dann sofort weiter.
Tagsüber trinkt er nach der Flasche erst nach vier Stunden wieder, nach dem Stillen nach ca. 2 Stunden.
Es war nachts schon mal etwas besser und er kam nur ca. drei Mal. In den letzten zwei Wochen ist es aber ganz extrem geworden....
Wie kann ich ihm dieses ständige Trinken nachts abgewöhnen?
Wie kann ich seine 5-6 "Mahlzeiten" nachts wenigstens auf 2-3 reduzieren?
Kann er ernsthaft so häufig nachts Hunger haben?
Kann es sein, dass er ständig aufwacht ohne wirklich Hunger zu haben und dann nur zur Beruhigung trinkt?

Mit freundlichen Grüßen
Anna

Sehr geehrte Anna,

Säuglinge benötigen einige Monate, bis sie zu einem Tag-Nacht-Rhythmus und regelmäßigen Essens- und Schlafenszeiten finden. Das ist für die Eltern oft sehr anstrengend und erfordert viel Geduld.
Dass Ihr Sohn abends zügig in seiner Wiege einschläft und dann drei bis vier Stunden schläft, ist bereits ein erster Schritt zum selbständigen Ein- und Durchschlafen. Die meisten Babys schlafen frühestens mit sechs Monaten durch, das heißt sechs bis acht Stunden am Stück.
Im Alter Ihres Sohnes benötigen Säuglinge in der Regel noch eine bis mehrere nächtliche Mahlzeiten. Sicherlich hat Ihr Sohn daher beim erstmaligen Aufwachen in der Nacht Hunger. Warum Ihr Sohn nach dem nächtlichen Stillen in kurzen Abständen erneut aufwacht, kann verschiedene Gründe haben. Möglicherweise sättigt ihn die Stillmahlzeit nicht ausreichend, weil er beispielsweise einen Wachstumsschub hat oder weil die Milchbildung durch das seltenere Anlegen infolge der Flaschenfütterung zurückgeht. Häufiges, auch kurzes Stillen regt die Milchbildung an, so dass sich ein natürliches Gleichgewicht einstellt und die Stillabstände wieder länger werden. Wenn Ihr Sohn eher nuckelt als trinkt, könnte dies darauf hinweisen, dass er körperliche Nähe sucht, die für Kinder in diesem Alter sehr wichtig ist, um zur Ruhe zu kommen. Alternativ zum Stillen hilft dann elterliche Geborgenheit in einem ruhigen, entspannten Umfeld, das Durchschlafen zu lernen. Weitere Gründe für das häufige Aufwachen könnten auch organische Ursachen wie Blähungen und Bauchschmerzen sein.
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus der Ferne keine weitergehende Beratung leisten können.Ihr Kinderarzt/Ihre Kinderärztin kann die Gesundheit und Entwicklung Ihres Kindes am besten beurteilen und begleiten und wird Sie sicherlich auch bei Ihrem Anliegen unterstützen.

Mit freundlichem Gruß
Ihr Gesundes-Kind Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.