Impfen trotz immunsupprimierender Therapie der Mutter?

25. Oktober 2019

Hallo. Ich habe vor der Schwangerschaft, während und jetzt nach der Schwangerschaft das Medikament Azathioprin wegen einer Autoimmunhepatitis genommen. Jetzt stille ich mein Baby. Kann ich es trotzdem Impfen lassen?

Zu der Frage, welche Auswirkungen eine Therapie mit Immunsuppressiva während der Schwangerschaft auf die späteren Impfungen des Säuglings hat, liegen nur in begrenztem Umfang Studiendaten vor. Für einige Immunsuppressiva ist bekannt, dass sie über die Plazenta übertragen werden und auch noch nach der Geburt beim Säugling nachweisbar sind. Dies kann zu Einschränkungen der Sicherheit und des Erfolgs von Impfungen des Säuglings führen. Für Totimpfstoffe wie beispielsweise die Sechsfach-Kombinationsimpfstoffe bestehen keine Sicherheitsbedenken, je nach Grad der Immunsuppression kann aber der Impferfolg beeinträchtigt sein. Bei der Verabreichung von Lebendimpfstoffen wie der Rotavirus-Impfung ist bei den betroffenen Säuglingen in den ersten sechs Lebensmonaten besondere Vorsicht geboten. In den Fachinformationen einiger Immunsuppressiva finden sich konkrete Angaben zu Impfungen von Säuglingen, deren Mütter in der Schwangerschaft Immunsuppressiva erhielten (Wagner N et al., Bundesgesundheitsblatt 2019, 62: 494–515, rki.de/…/Tabelle_Immundefizienz.html).

In den Fachinformationen zu Azathioprin werden zwar Informationen zu Impfungen von Patientinnen und Patienten unter Therapie gegeben. Hinweise zur Impfung von Säuglingen, deren Mütter während der Schwangerschaft oder Stillzeit das Medikament erhielten bzw. erhalten, finden sich dort jedoch nicht. Laut Fachinformationen darf während der Therapie mit Azathioprin nicht gestillt werden, da in der Muttermilch Mercaptopurin nachweisbar ist, das bei der Verstoffwechselung von Azathioprin gebildet wird.

Allerdings wurden allenfalls geringe Konzentrationen von 6-Mercaptopurin in der Muttermilch gefunden. Krankheitszeichen bei voll gestillten Säuglingen, deren Mütter mit Azathioprin behandelt wurden, traten in der Regel nicht auf. Daher schließen sich nach Angaben des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie an der Charité Berlin eine Azathioprin-Therapie und volles Stillen nicht aus. Bei entsprechenden Verdachtsmomenten sollte eine Blutbildkontrolle beim Kind vorgenommen werden (embryotox.de/…/). Gegebenenfalls könnte eine solche Blutbildkontrolle auch hinsichtlich Ihrer Frage zu den Impfungen für Ihr Baby sinnvoll sein.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nur allgemeine Hinweise, aber keine individuelle Impfempfehlung geben können. Besprechen Sie Ihr Anliegen mit Ihrem behandelnden Arzt / Ihrer Ärztin und lassen Sie sich auch bei Ihrem Kinderarzt / Ihre Kinderärztin individuell beraten, der/die über Ihre Azathioprin-Therapie informiert sein sollte.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.