Impfung gegen Meningokokken B ratsam?

7. Oktober 2018

Die Meningokokken Impfung gegen den Typen B wird von der Stiko nicht für alle Kinder/Kleinkinder empfohlen. Welche Begründung wird angeführt, denn der Typ B scheint in Deutschland am häufigsten vorzukommen?

Ist es ratsam, unseren Sohn (3 Jahre und 3 Monate) gegen Meningokokken B zu impfen? Die Impfung gegen Meningokokken C wurde nach Impfkalender durchgeführt.

Wie Sie angemerkt haben, zählt die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B nicht zu den von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlenen Standardimpfungen. Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung aber bei erhöhtem Risiko: Insbesondere gesundheitlich gefährdete Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigung des Immunsystems sollten gegen Meningokokken B sowie mit ACWY-Impfstoff geimpft werden. Gefährdetes Laborpersonal sollte ebenfalls geimpft sein. Auch auf Reisen kann eine Impfung gegen Meningokokken sinnvoll sein. Nach engem Kontakt mit Personen, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt sind, sollte eine postexpositionelle Impfung gegen die ursächliche Serogruppe erfolgen (rki.de/…/34_18.html).

Aufgrund der vorliegenden Daten zur Immunogenität und erster Daten zur Impfeffektivität aus England ist nach Einschätzung der STIKO grundsätzlich anzunehmen, dass eine Meningokokken-B-Impfung vor invasiven Erkrankungen durch einen Großteil der in Deutschland zirkulierenden Meningokokken-B-Stämme schützen kann. Für eine Empfehlung als Standardimpfung fehlen der STIKO zufolge jedoch noch wichtige Daten, insbesondere zur klinischen Impfeffektivität nach vollständiger Grundimmunisierung und zur längerfristigen Impfwirksamkeit. Außerdem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit Meningokokken B schützt; dies wäre für den Gemeinschaftsschutz wichtig.

Angesichts der derzeit niedrigen und rückläufigen Erkrankungszahlen in Deutschland wird die STIKO die Entscheidung, ob eine Meningokokken-B-Impfung nicht nur Risikogruppen, sondern darüber hinaus als Standardimpfung empfohlen werden sollte, erst fällen, wenn weitere robuste Daten zu diesen Aspekten vorliegen.

In Deutschland erkrankten in den Jahren 2013 bis 2016 im Mittel jährlich 315 Personen an invasiven Meningokokken-Infektionen, davon 211 (67 Prozent) an Infektionen durch Erreger der Serogruppe B. Von 2001 bis 2005 lag die Zahl der Meningokokken-B-Fälle noch zwischen 400 und 570 pro Jahr. Bei den Meningokokken-C-Infektionen kam es infolge der Meningokokken-C-Impfung zu einem noch wesentlich deutlicheren Rückgang: Bei den 1- bis 9-Jährigen ging die Anzahl der gemeldeten invasiven Infektionen mit Meningokokken C von 2006 bis 2016 um 90 Prozent zurück.

Die ausführliche Stellungnahme der STIKO zur Impfung gegen Meningokokken B können Sie nachlesen unter rki.de/…/03_18.html, weitere Informationen zur Meningokokken-Impfung finden Sie unter rki.de/…/faq_ges.html?nn=2375548.

Die STIKO weist explizit darauf hin, dass für den Einzelnen Impfungen über die allgemeinen Empfehlungen hinaus sinnvoll sein können. Eine fehlende STIKO-Empfehlung hindert den Arzt/die Ärztin im individuellen Fall nicht an einer begründeten Impfung. Die STIKO rät Eltern, die ihr Kind gegen Meningokokken B impfen lassen möchten, zu beachten, dass die Krankheitslast in den ersten beiden Lebensjahren am höchsten ist. Daher ist es sinnvoll, die Impfung gegen Meningokokken B so früh wie möglich zu verabreichen, das heißt bei Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nur allgemeine Hinweise geben, für den Einzelfall aber keine Aussage treffen können, ob eine Impfung gegen Meningokokken B ratsam ist. Lassen Sie sich am besten bei Ihrem Kinderarzt/Ihrer Kinderärztin individuell beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.