Impfung gegen Meningokokken B sinnvoll?

11. Dezember 2019

Hallo, ist es Sinnvoll mein Kind gegen Meningokokken B zu impfen. Meine Kinderärztin will sich da irgendwie nicht eindeutig äußern. Ich habe gelesen, dass die Impfung von den Kindern sehr schlecht vertagen wird und die Immunisierung nur kurzzeitig vorhanden ist. Entspricht dies der Wahrheit? Ich will mein Kind optimal schützen und bin grundsätzlich für Impfen ich wäre auch bereit die Kosten für die Impfung zu übernehmen, nur wenn die nicht sinnvoll ist will ich natürlich mein Kind nicht dem Risiko aussetzen. Seit wann gibt es den Impfstoff für Meningokokken B, ist der sicher oder werden noch Nebenwirkungen erwartet?

Nur die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C, nicht aber die Impfung gegen Meningokokken B zählt zu den von der Ständigen Impfkommission STIKO allgemein empfohlenen Standardimpfungen (siehe Impfkalender gesundes-kind.de/…/). Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung bei erhöhtem Risiko: Insbesondere gesundheitlich gefährdete Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigung des Immunsystems sollten gegen Meningokokken B sowie mit Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y geimpft werden. Gefährdetes Laborpersonal sollte ebenfalls geimpft sein. Auch auf Reisen kann eine Impfung gegen Meningokokken sinnvoll sein. Nach engem Kontakt mit Personen, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt sind, sollte eine postexpositionelle Impfung gegen die ursächliche Serogruppe erfolgen.

Der Grund, warum die STIKO die Impfung gegen Meningokokken B bislang nicht als Standardimpfung, sondern nur für Risikogruppen empfiehlt, ist, dass noch wichtige Daten fehlen, beispielsweise zur klinischen Impfeffektivität nach vollständiger Grundimmunisierung. Auch die längerfristige Impfwirksamkeit ist nicht bekannt. Außerdem weiß man noch nicht, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit Meningokokken B schützt; dies wäre für den Gemeinschaftsschutz wichtig. Angesichts der niedrigen und rückläufigen Erkrankungszahlen an invasiven Meningokokken-B-Infektionen in Deutschland wird die STIKO die Entscheidung, ob eine Meningokokken-B-Impfung nicht nur Risikogruppen, sondern darüber hinaus als Standardimpfung empfohlen werden sollte, erst fällen, wenn weitere robuste Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit vorliegen.

Die Empfehlungen der STIKO gelten in Deutschland als medizinischer Standard, an dem sich impfende Ärztinnen und Ärzte in der Regel orientieren. Eine fehlende Empfehlung hindert den Arzt / die Ärztin im individuellen Fall aber nicht an einer begründeten Impfung gegen Meningokokken B auch von Personen, die nicht zu den oben genannten Risikogruppen zählen.

Ein Impfstoff gegen Meningokokken B, der ab dem Alter von zwei Monaten verwendet werden kann, ist seit dem Jahr 2013 zugelassen. Ein Meningokokken-B-Impfstoff ab dem Alter von 10 Jahren ist seit 2017 zugelassen.

Die Sicherheit der Meningokokken-B-Impfstoffe wurde – wie bei allen in Deutschland verfügbaren Impfstoffen – vor der Zulassung streng überprüft und auch nach der Markteinführung wird diese kontinuierlich überwacht. Wie bei allen Impfstoffen kann es zu Nebenwirkungen kommen. Diese klingen in der Regel nach wenigen Tagen von selbst wieder ab. Sehr häufige (das heißt bei mehr als 1 von 10 Patienten beobachtete) Nebenwirkungen des Meningokokken-B-Impfstoffs, der bereits ab dem Alter von zwei Monaten zugelassen ist, sind laut EPAR (European Public Assessment Report) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA bei Kindern bis 10 Jahren Essstörungen, Schläfrigkeit, ungewöhnliches Weinen, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Ausschlag, Arthralgie (Gelenkschmerzen), Fieber und Reizbarkeit sowie Schmerzempfindlichkeit, Schwellung, Verhärtung und Rötung der Haut an der Injektionsstelle.

Weitere Informationen zur Schutzimpfung gegen Meningokokken können Sie auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts nachlesen unter rki.de/…/faq_ges.html?nn=2375548.
Die Informationen der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zu den verfügbaren Meningokokken-B-Impfstoffen mit einer detaillierten Auflistung der Nebenwirkungen finden Sie auf den Internetseiten des Paul-Ehrlich-Instituts unter pei.de/…/meningokokken-node.html (Link zu EPAR in der rechten Spalte anklicken).

Die Frage, ob die Impfung gegen Meningokokken B für ein Kind sinnvoll ist, lässt sich nicht generell beantworten. Die Entscheidung sollte individuell unter Abwägung der Nutzen-Risiko-Faktoren von den Eltern gemeinsam mit einem Kinderarzt / einer Kinderärztin ihres Vertrauens getroffen werden.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuelle Impfempfehlung geben können und lassen Sie sich von Ihrem Kinderarzt/Ihrer Kinderärztin persönlich beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

prof.knuf.jpg

Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.