Impfung gegen Meningokokken C und B?

19. November 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe eine Frage zur Meningokokken- B Impfung, wieso ist die C Impfung Standard laut RKI und die Meningokokken B Impfung bisher noch immer nicht obwohl die Häufigkeit an B zu erkranken doch deutlich höher ist?

Desweiteren wie lang hält der Impfschutz für beide Impfungen Meningokokken B und Meningokokken C? Sind die Nebenwirkungen der B Impfung schlimmer als bei C? Kann man auch im Winterhalbjahr dagegen impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission STIKO berücksichtigt bei ihren Impfempfehlungen sowohl den Nutzen für den Geimpften als auch für die gesamte Bevölkerung. Neben Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe werden das individuelle Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Impfempfehlung, aber auch die Effekte von Impfstrategien für Deutschland analysiert. Auf Basis der Impfempfehlungen der STIKO entscheidet auch der Gemeinsame Bundeausschuss (G-BA), ob eine Impfung in die Schutzimpfungsrichtlinie aufgenommen und damit zur Pflichtleistung der Gesetzlichen Krankenkassen wird und somit die Gemeinschaft der Beitragszahler für die Kosten dieser vorbeugenden Maßnahme aufkommt (rki.de/…/methoden_node.html).

Ziel der STIKO-Empfehlung für die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C ist es, die Krankheitslast durch schwere (invasive) Meningokokken-Erkrankungen und die Folgen wie Krankenhausaufenthalte, schwere Komplikationen, Behinderung und Tod zu reduzieren. Die Impfung wird möglichst zu Beginn des zweiten Lebensjahrs empfohlen. Dies berücksichtigt eine Altersgruppe mit hoher Krankheitslast. Ab dem Alter von einem Jahr ist zudem zum Aufbau des Impfschutzes nur eine Impfung notwendig und die Impfstrategie ist der STIKO zufolge somit gut umzusetzen und kostengünstig. Nach Einschätzung der STIKO ist nach der Impfung von einer lang dauernden Immunität auszugehen (rki.de/…/31_06.html).

Anwendungsbeobachtungen aus Großbritannien erbrachten Hinweise, dass es bei einer Grundimmunisierung gegen Meningokokken C im Säuglingsalter mehr als ein Jahr später zu einer Abnahme des Impfschutzes kommt. Deshalb wird in der Fachinformation zu den Meningokokken-C-Impfstoffen eine Auffrischimpfung empfohlen, wenn die Grundimmunisierung im Säuglingsalter erfolgte.

Bei einer Impfung gegen Meningokokken C im Alter von ein bis 18 Jahren, die mit einer Impfstoffdosis erfolgt, zeigte sich während des Beobachtungszeitraums von einem Jahr nach der Impfung keine signifikante Abnahme der Wirksamkeit. Die Notwendigkeit von Auffrischungsimpfungen bei Personen, die die Grundimmunisierung im Alter von 12 Monaten oder älter erhalten haben, ist laut Fachinformationen noch nicht nachgewiesen.

Wie Sie angemerkt haben, sind heute Meningokokken B in Deutschland häufiger die Ursache invasiver Infektionen als Meningokokken C. Im Jahr 2016 wurden 338 Fälle von invasiven Meningokokken-Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen (Meningitis) und/oder Sepsis (Blutvergiftung) gemeldet. Für 280 dieser Fälle lagen Angaben zum Serotyp vor: Serogruppe B verursachte 58 Prozent, Serogruppe C 21 Prozent der invasiven Meningokokken-Erkrankungen. Die Serogruppen Y (11 Prozent), W (9,3 Prozent) und A haben einen geringeren Anteil an dieser Krankheitslast. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die 2006 eingeführte Impfung gegen Meningokokken C zu einem deutlichen Rückgang dieser Infektion führte. Bei den 1- bis 9-Jährigen ging die Anzahl der Fälle, die durch Meningokokken der Serogruppe C hervorgerufen wurden, bis 2016 um 90 Prozent zurück. Diese Daten sprechen für eine hohe Wirksamkeit der Impfung (Infektionsepidemiologisch Jahrbuch 2016, rki.de/…/2016.html?nn=2374622).

Aber auch die Zahl der gemeldeten invasiven Erkrankungen an Meningokokken B geht seit 2005 zurück, allerdings weniger stark als die durch Meningokokken C. Das Risiko für eine Meningokokken-B-Erkrankung war in den Jahren 2013 bis 2016 mit weniger als 3 Erkrankungen / 1 Million Einwohner pro Jahr sehr niedrig. Das höchste Risiko haben Säuglinge mit rund 46 Erkrankungen / 1 Million Säuglinge pro Jahr und Kleinkinder mit rund 16 Erkrankungen / 1 Million Kleinkinder pro Jahr. Ein weiterer Häufigkeitsgipfel betrifft Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren mit jährlich rund 8 Erkrankungen / 1 Million (rki.de/…/faq_ges.html). Im Herbst 2017 zeichnete sich ein weiterer Rückgang der Meningokokken-B-Erkrankungen insgesamt wie auch bei Säuglingen um nochmals mehr als 25 Prozent im Vergleich zu den drei Vorjahreszeiträumen ab. Die Gründe dafür sind nicht bekannt (Epidemiologisches Bulletin 3/2018, rki.de/…/03_18.html).

Nach Einschätzung der STIKO kann die Impfung gegen Meningokokken B vor invasiven Erkrankungen durch einen Großteil der in Deutschland zirkulierenden Meningokokken-B-Stämme schützen. Der STIKO zufolge fehlen jedoch noch ausreichende Angaben zur klinischen Impfeffektivität nach vollständiger Grundimmunisierung und zur Dauer des Impfschutzes. Außerdem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit Meningokokken B schützt; dies wäre für den Gemeinschaftsschutz wichtig.

Zur klinischen Wirksamkeit der Impfung gegen Meningokokken B und zur Dauer des Impfschutzes Impfung liegen nur begrenzte Daten vor. Als Korrelat für den Schutz vor Meningokokken-B-Erkrankungen gilt der Nachweis von Impfantikörpern, die diverse Meningokokken-B-Stämme neutralisieren. Nach Abschluss der Impfserie bilden bis zu 100 Prozent der Geimpften schützende Antikörper. Daten aus verschiedenen Studien, in denen die Antikörper 12, 36 oder 48 Monate später bestimmt wurden, zeigen, dass es zu einer deutlichen Abnahme des Anteils Geimpfter mit schützenden Antikörpertitern kommt. In Studien mit Meningokokken-B-Impfstoff, der ab dem Alter von zwei Monaten zugelassen ist, sank der Anteil der Geimpften, die schützende Antikörper aufwiesen, nach 12 Monaten auf 15 bis 82 Prozent und nach drei Jahren auf 11 Prozent. In einer Studie mit Meningokokken-B-Impfstoff, der ab dem Alter von 10 Jahren zugelassen ist, wurden nach 12 Monaten bei 29 Prozent und nach 48 Monaten bei 19 Prozent der Geimpften schützende Antikörpertiter nachgewiesen (weitere Informationen im Epidemiologischen Bulletin 3/2018, rki.de/…/03_18.html). Wie lange der Impfschutz individuell bei einem Geimpften vorhält, lässt sich daraus nicht ableiten.

Angesichts der niedrigen und rückläufigen Erkrankungszahlen hat die STIKO daher aufgrund der derzeitigen Datenlage die Impfung gegen Meningokokken B bislang nicht als Standardimpfung eingeführt, sondern empfiehlt diese nur für besonders gefährdete Risikogruppen.

Die STIKO weist aber darauf hin, dass für den Einzelnen Impfungen über die allgemeinen Empfehlungen hinaus sinnvoll sein können. Eine fehlende STIKO-Empfehlung hindert den Arzt/die Ärztin im individuellen Fall nicht an einer begründeten Impfung. Die STIKO rät Eltern, die ihr Kind gegen Meningokokken B impfen lassen möchten, zu beachten, dass die Krankheitslast in den ersten beiden Lebensjahren am höchsten ist. Daher ist es sinnvoll, die Impfung gegen Meningokokken B so früh wie möglich zu verabreichen, das heißt bei Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten (rki.de/…/faq_ges.html).

Eine Impfung gegen Meningokokken C oder B ist ganzjährig möglich.

Die Nebenwirkungen der verschiedenen Meningokokken-Impfstoffe sind ähnlich (gesundes-kind.de/…/). Eine detaillierte Übersicht über die Nebenwirkungen der einzelnen Impfstoffe finden Sie in den Gebrauchs- und Fachinformationen (unter pei.de/…/meningokokken-node.html, dort rechte Spalte „Weitere Informationen“ anklicken).

Bitte lassen Sie sich zu den Impfungen gegen Meningokokken C und B von Ihrem Kinderarzt/Ihrer Kinderärztin individuell beraten und über Nutzen und mögliche Nebenwirkungen ausführlich aufklären.

Mit freundlichem Gruß
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.