Impfung gegen Meningokokken Serogruppe B

18. Februar 2020

Die Gruppe b verursacht die häufigsten Infektionen. Warum gibt es keinen Meningitis b-c-komiimpfstoff? Warum empfiehlt die Stiko nicht die b-Impfung? Vielen Dank für die Information!

In Deutschland zählt die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C, nicht aber die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B zu den von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlenen Standardimpfungen. Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung aber bei erhöhtem Risiko: Insbesondere gesundheitlich gefährdete Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigung des Immunsystems sollten zusätzlich zur Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y auch gegen Meningokokken B geimpft werden. Bei regional gehäuftem Auftreten oder Ausbrüchen kann die Impfung von den Gesundheitsbehörden empfohlen werden. Nach engem Kontakt mit Personen, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt sind, sollte eine postexpositionelle Impfung gegen die ursächliche Serogruppe erfolgen. Auch eine Reiseimpfung gegen Meningokokken kann sinnvoll sein. Gefährdetes Laborpersonal sollte ebenfalls geimpft sein.

Meningokokken sind Bakterien, die schwere, lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen können (weitere Infos unter gesundes-kind.de/…/). Meningokokken B sind in Deutschland am häufigsten für invasive Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich (im Jahr 2018 für 58,6 Prozent / 139 von den 237 gemeldeten Fällen, bei denen Angaben zur Serogruppe vorlagen), während Meningokokken C dank der allgemeinen Impfempfehlung nur noch für einen kleinen Teil verantwortlich sind (im Jahr 2018 für 13,1 Prozent / 31 von 237 Fällen). Weitere Erkrankungen werden durch Meningokokken Y (14,3 Prozent im Jahr 2018) und W (12,7 Prozent im Jahr 2018) hervorgerufen. Invasive Infektionen mit Meningokokken C gingen in Deutschland zwischen 2006 und 2018 in der Altersgruppe der ein- bis elfjährigen Kinder um 98 Prozent zurück, invasive Meningokokken-B-Infektionen um 67 Prozent.

Insgesamt ist nach Einschätzung der STIKO das Risiko für invasive Meningokokken-B-Erkrankungen in Deutschland sehr niedrig. In den Jahren 2013 bis 2016 traten jährlich weniger als drei Erkrankungen pro einer Million Einwohner auf; am höchsten war das Risiko bei Säuglingen mit 46 Erkrankungen pro einer Million und bei Kleinkindern mit 16 pro einer Million.

Nach Angaben der STIKO ist grundsätzlich anzunehmen, dass eine Meningokokken-B-Impfung vor invasiven Erkrankungen durch einen Großteil der in Deutschland zirkulierenden Meningokokken-B-Stämme schützen kann. Für eine Empfehlung als Standardimpfung fehlen der STIKO zufolge jedoch noch wichtige Daten, insbesondere zur klinischen Impfeffektivität nach vollständiger Grundimmunisierung und zur längerfristigen Impfwirksamkeit. Außerdem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit Meningokokken B schützt; dies wäre für den Gemeinschaftsschutz wichtig. Angesichts der niedrigen und rückläufigen Erkrankungszahlen an invasiven Meningokokken-B-Infektionen in Deutschland wird die STIKO die Entscheidung, ob eine Meningokokken-B-Impfung nicht nur Risikogruppen, sondern darüber hinaus als Standardimpfung empfohlen werden sollte, erst fällen, wenn weitere robuste Daten zu diesen Aspekten vorliegen.

Die ausführliche Stellungnahme der STIKO zur Impfung gegen Meningokokken B können Sie nachlesen unter rki.de/…/Art_01.html?nn=2375548.
Antworten auf häufige Fragen zur Schutzimpfung gegen Meningokokken finden Sie unter rki.de/…/faq_ges.html.

Zur Impfung gegen Meningokokken B sind in Deutschland Einzelimpfstoffe zugelassen. Welche Einzel- oder Kombinationsimpfstoffe Hersteller entwickeln und für welche Impfstoffe sie in Deutschland eine Zulassung beantragen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Bedarf auf dem Markt und den technischen Produktionsmöglichkeiten.

Eine fehlende STIKO-Empfehlung hindert den Arzt / die Ärztin im individuellen Fall nicht an einer begründeten Impfung gegen Meningokokken B auch von Personen, die nicht zu den oben genannten Risikogruppen zählen.

Für eine individuelle Impfberatung wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt / Ihre Ärztin.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.