Impfungen für Säugling vor Reise nach Australien?

16. Februar 2019

Hallo, wir planen, im Oktober für 8 Wochen mit unserem dann 10 Monate alten Kind (geboren Mitte Dezember) über Dubai nach Australien zu reisen. Unser Kinderarzt möchte vor unserer Abreise allerdings noch nicht gegen Masern-Mumps-Röteln impfen. Im Impfzentrum wurde uns geraten, bereits vor der Abreise impfen zu lassen. Gleiches gilt für Meningokokken. Sehen Sie die Reise aus medizinischer Sicht kritisch und würden Sie die beiden genannten Impfungen vor der Abreise empfehlen - abgesehen von den Belastungen durch den langen Flug?
Vielen Dank bereits im Voraus

Generell sollte vor Reisen der Impfschutz gemäß Impfkalender der Ständigen Impfkommission STIKO (gesundes-kind.de/…/) komplett sein.

Dazu zählt auch der Impfschutz gegen Masern. Das Auswärtige Amt empfiehlt in den Reise- und Sicherheitshinweisen für Australien dringend, den Impfschutz gegen Masern für Erwachsene und Kinder spätestens bei den Reisevorbereitungen zu überprüfen und ggf. zu ergänzen.

Die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) erfolgt in Deutschland standardmäßig im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite Dosis im Alter von 15 bis 23 Monaten. In den Impfempfehlungen der STIKO werden zudem besondere Situationen genannt, in denen die Impfung bereits ab dem Alter von 9 Monaten erfolgen kann - beispielsweise bei Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung oder Kontakt zu Masern-Kranken; dann sollte die zweite Dosis zu Beginn des zweiten Lebensjahres gegeben werden. Neben diesen Situationen wird in den Fachinformationen zu den MMR-Impfstoffen auch eine Reise in eine Region mit häufigem Vorkommen von Masern als Anlass genannt, bereits ab dem Alter von 9 Monaten zu impfen. Für eine MMR-Impfung von Säuglingen unter 9 Monaten fehlen umfassende Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit.

Als Reiseimpfungen für Australien empfiehlt das Auswärtige Amt bei besonderen Risiken die Impfungen gegen Hepatitis A und B sowie gegen Meningokokken A, C, W und Y. Die Impfung mit Meningokokken-ACWY-Vierfachimpfstoff ist insbesondere bei engem Kontakt zur lokalen Bevölkerung ratsam. Das Centrum für Reisemedizin (CRM) empfiehlt für Reisende unter 25 Jahren außerdem, die Impfung gegen Meningokokken B zu erwägen.

Die Impfung gegen Hepatitis A und B wird vom CRM insbesondere bei Langzeitaufenthalt, engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung und einfachen Reisebedingungen empfohlen. Allerdings ist Impfstoff gegen Hepatitis A erst ab dem Alter von einem Jahr zugelassen.

Das Auswärtige Amt weist außerdem darauf hin, dass es auf den Inseln der Torres-Straße auch zu Infektionen mit Japanischer Enzephalitis kommen kann. Hier ist eine vorbeugende Schutzimpfung zu erwägen. Bei Reisen in diese Region ist ein sorgfältiger Mückenschutz besonders wichtig, um Japanischer Enzephalitis und auch Dengue-Fieber vorzubeugen, das zudem in Nord-Queensland auftritt.

Bitte beachten Sie auch die weiteren Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Australien unter auswaertiges-amt.de/…/213920#content_5.
Weitere Einzelheiten zu Reiseimpfungen für Australien können Sie beim CRM nachlesen unter crm.de/transform.asp.

Bei der Planung von Fernreisen insbesondere mit einem Baby oder Kleinkind sollten mögliche Risiken sorgfältig abgewogen werden. Wie kritisch eine Reise nach Australien – abgesehen von der Belastung durch den langen Flug - für Ihren Säugling zu sehen ist, hängt unter anderem von den konkreten Reisplänen ab, beispielsweise welche Regionen Sie bereisen und welche Art der Reise und welche Unterkunft vorgesehen ist, sowie auch von persönlichen gesundheitlichen Risikofaktoren. Neben den Infektionsrisiken spielen gerade für Säuglinge und Kleinkinder die in Australien sehr intensive UV-Belastung sowie die möglicherweise hohen Temperaturen eine wichtige Rolle. Ein Schutz vor Sonne und Hitze ist unerlässlich, außerdem ist auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme zu achten – dies gilt auch für ältere Kinder und Erwachsene. Das Auswärtige Amt warnt, dass es beispielsweise bei Wanderungen im Outback schon zu Todesfällen durch Flüssigkeitsmangel und Hitzeschlag gekommen ist und rät dringend, Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser mitzunehmen.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir über allgemeine Hinweise hinaus keine individuelle Einschätzung des medizinischen Risikos für Ihr Kind und keine individuellen Impfempfehlungen geben können.

Besprechen Sie Ihre Reisepläne und mögliche gesundheitliche Risiken für Ihr Kind am besten mit Ihrem Kinderarzt. Eine reisemedizinische Beratung und Reiseimpfungen erhalten Sie auch bei einem reisemedizinisch tätigen Arzt / einer Ärztin bzw. beim Gesundheitsamt (Arztsuche zum Beispiel unter fit-for-travel.de/…/).

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.