In China lebendes Kind in USA oder Deutschland impfen?

26. Juli 2018

Hallo,
Ich lebe zur Zeit in Shanghai, China. Ende Mai 2018 wurde mein Sohn geboren und im Rahmen der aktuellen Impfskandale in China mache ich mir nun Gedanken, wie ich meinen Sohn impfen lassen kann.

Bisher hat mein Sohn am Tag der Geburt und mit einem Monat jeweils eine Impfung Hepatitis B bekommen. Hier wurde ein sogenannter Joint-Venture-Impfstoff benutzt, also von einer auslaendischen Firma, die mit einem chinesischen Partner arbeitet (GloxoSmithKline). Nun hat uns unsere chinesische Aerztin informiert, dass der 5in1 Impfstoff DTap-Polio-HIB bis auf weiteres nicht als „Joint-Venture-Impfstoff“ in China verfuegbar ist und wir daher nur den lokalen Impfstoff bekommen koennen, der eine 4in1 Impfung ist. Zusaetzlich wuerde dann noch eine einzelne Impfung fuer die fehlende Krankheit geimpft werden. Als Alternative hat sie gesagt, wir koennten unseren Sohn im Ausland impfen lassen. Ein mitbringen von Impfstoff nach China ist verboten.

Der chinesische Impfplan wuerde mit jeweils 2, 4 und 6 Monaten je eine Impfung mit Rotavirus, 5in1 DTAp-Polio-HIB und Pneumococcal 7 vorsehen.
Wir werden ab Mitte September 2018 dreieinhalb Wochen Urlaub in den USA machen und mein Sohn wird von Ende November 2018 bis Anfang Januar 2019 in Deutschland sein. Danach sind wir dann bis Juni 2019 in China.

Nun folgende Frage:
Besteht eine sinnvolle Moeglichkeit die Impfungen zu verschieben und aussschliesslich in den USA und Deutschland zu impfen?

Ich waere fuer eine Beratung sehr dankbar.

Soweit von unserer Seite den Medien zu entnehmen ist, betrifft der derzeitige Impfstoffskandal in China vor allem den Tollwutimpfstoff eines bestimmten chinesischen Herstellers sowie Impfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten für Kinder (weitere Infos unter aerztezeitung.de/…/international-impfskandal-erschuettert-china.html, merkur.de/…/impfskandal-erschuettert-china-zr-10055834.html, bbc.co.uk/news/world-asia-china-44920193, business.medicaldialogues.in/…/).

Zu Ihrem Plan, Ihr Kind in den USA oder in Deutschland impfen zu lassen: In der Regel kann man Impfungen später geben als vorgesehen. Allerdings ist ein später geimpftes Kind auch später geschützt. Gerade der Schutz gegen Keuchhusten, Hib und Rotaviren ist besonders für die jungen Säuglinge wichtig, weil sie daran nicht selten sehr schwer erkranken.

Wenn Sie die Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Polio) und Hib dennoch nicht in China durchführen lassen möchten, könnten Sie die Impfserie mit Fünffach-Impfstoff während Reisen in die USA und nach Deutschland beginnen und nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland im Juni 2019 abschließen. Dabei – wie bei allen Impfungen – ist es wichtig, dass die in der jeweiligen Fachinformation angegebenen Mindestabstände zwischen zwei Impfdosen einer Serie nicht unterschritten werden. Eine Überschreitung der Abstände ist in der Regel nicht problematisch, verzögert aber den Aufbau des Impfschutzes (rki.de/…/FAQ04.html?nn=2391120).

Nach Ihren Angaben zu den Reisedaten wäre bei Ihrem Sohn eine Fünffach-Impfung nach dem 3+1-Schema, wie es in Deutschland empfohlen wird, oder mit einem der Impfstoffe gemäß Fachinformation auch nach dem 2+1-Schema möglich. Dabei sollten zwischen den ersten drei bzw. zwei Impfungen mindestens vier Wochen und dann bis zur letzten Impfung mindestens sechs Monate liegen.

Die dritte Hepatitis-B-Impfung könnte Ihr Sohn in Deutschland bekommen.

Bei der Impfung gegen Rotaviren ist zu beachten, dass diese bereits im Alter von 16 bzw. 22 Wochen (je nach Impfstoff) abgeschlossen sein sollte, da mit zunehmendem Alter das (insgesamt sehr geringe) Risiko von Komplikationen (Darmeinstülpung) zunimmt. Die Impfserie muss bis zum Alter von 24 bzw. 32 Wochen beendet sein (siehe auch gesundes-kind.de/…/, rki.de/…/FAQ-Liste_Rotavirus_Impfen.html).

Zur Grundimmunisierung gegen Pneumokokken im Säuglingsalter wird in Deutschland je eine Impfung mit Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV10 oder PCV13) im Alter von zwei und vier Monaten sowie mindestens sechs Monate später im Alter von elf bis 14 Monaten empfohlen (Frühgeborene erhalten eine weitere Impfdosis im Alter von drei Monaten). Wird in einem anderen Alter geimpft, sind die Angaben in den Impfstoff-Fachinformationen zu den dann geltenden Impfschemata zu beachten. Dies sollte individuell mit dem impfenden Arzt/der Ärztin besprochen werden.

Bitte beachten Sie auch die Empfehlungen für Reiseimpfungen des Auswärtigen Amtes für China (auswaertiges-amt.de/…/200466 ) sowie für die USA (auswaertiges-amt.de/…/201382). Detaillierte Informationen finden Sie auch beim Centrum für Reisemedizin CRM (crm.de/…/laender.asp). Das CRM empfiehlt beispielsweise bei engerem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung für China und für die USA eine Impfung gegen Meningokokken ACWY, für Reisende in die USA unter 25 Jahren auch gegen Meningokokken B.

Wenn Sie dann ab Juni 2019 wieder in Deutschland sind, können bei Ihrem Sohn die weiteren Impfungen (Meningokokken C, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) gemäß deutschem Impfkalender zeitgerecht durchgeführt werden (gesundes-kind.de/…/).

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus der Ferne keine individuelle Beratung geben können. Bester Ansprechpartner für Ihre Frage ist die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.