Kann ein werdender Vater eine MMR-Impfung erhalten?

12. Dezember 2016

Sehr geehrter Herr Dr. Knuf,
mein Mann soll einmalig eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung zum Nachholen bekommen (1978 geboren).
Da wir derzeit Kinderwunsch haben, möchte ich gerne wissen ob es ein Problem ist, wenn mein Mann sich jetzt impfen lässt.
Ich habe bedenken, dass die Impfung vielleicht schlecht für die Zeugung / Spermien sein könnte bzw. vielleicht Schäden für das Kind entstehen können bei der Zeugung.
Sollte ich bereits schwanger sein, wäre es dann schädlich für das ungeborene Kind, wenn mein Mann sich jetzt impfen lässt bzw. kann mein Mann die Erkrankungen nach der Impfung auf irgend eine Art und Weise an mich übertragen?
Ich hoffe Sie können mir weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen
E. M.

Sehr geehrte Frau M.,
ein Impfschutz gegen Masern, Mumps und Röteln ist gerade bei Kinderwunsch besonders wichtig. Vor allem wenn die werdende Mutter in der Schwangerschaft an Röteln erkrankt, kann dies zu schweren Schäden beim ungeborenen Kind führen.
Eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) bei Ihrem Mann beeinträchtigt die Qualität der Spermien nicht und hat bei der Zeugung keine Auswirkungen auf das Kind. Für die Impfung werden zwar Lebendimpfstoffe verwendet, die in seltenen Fällen zu einer sogenannten Impfkrankheit führen können. Da die Impfviren jedoch abgeschwächt sind, verläuft diese wesentlich milder als eine Infektion mit den normalen Krankheitserregern und ist nicht ansteckend.
Schwangere selbst sollten allerdings keine MMR-Impfung erhalten. Frauen mit Kinderwunsch wird empfohlen, vorsorglich mindestens einen Monat Abstand zwischen Impfung und Schwangerschaft einzuhalten. In Fällen einer versehentlichen MMR-Impfung der werdenden Mutter, als die Schwangerschaft noch nicht bekannt war, sind aber bisher keine Schädigungen des Ungeborenen bekannt geworden.
Bei Kinderwunsch und generell bei allen Erwachsenen sollte neben dem Impfschutz gegen Masern, Mumps und Röteln auch der Schutz gegen Windpocken (Varizellen), Keuchhusten (Pertussis), Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung (Poliomyelitis) aktuell sein. Bei einer Schwangerschaft im Winter wird zudem eine Grippeimpfung empfohlen. Enge Kontaktpersonen von Neugeborenen wie der Vater, Geschwister oder Großeltern sollten ihren Impfschutz ebenfalls überprüfen lassen, insbesondere auch den gegen Keuchhusten. Dies dient nicht nur dem eigenen Schutz, sondern auch dem Schutz junger Säuglinge, die selbst noch nicht geimpft werden können. Bitte lassen Sie sich bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt über die Impfempfehlungen beraten.

Mit freundlichem Gruß
Ihr Gesundes-Kind Team

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Unser Expertenrat um Prof. Dr. med. Markus Knuf vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.