Kleinkind gegen Meningokokken B impfen?

25. Februar 2019

Sehr geehrte Damen und Herren, mein Kinderarzt hat mir empfohlen, meinen fast 2jährigen Sohn gegen Meningokokken B impfen zu lassen (keine Risikofaktoren). Ist die Impfung weiterhin nicht von der Stiko empfohlen. Wie sicher ist sie (hoher Impfschutz)? Nebenwirkungen?

Die Ständige Impfkommission STIKO hat bislang keine allgemeine Empfehlung für die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B ausgesprochen. Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung für Risikogruppen zusätzlich zur Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y. Dazu zählen insbesondere gesundheitlich gefährdete Personen mit beeinträchtigtem Immunsystem. Eine weitere Risikogruppe ist gefährdetes Laborpersonal. Bei einem Ausbruch oder regional gehäuftem Auftreten kann eine vorbeugende Impfung gegen die ursächliche Serogruppe empfohlen werden. Nach engem Kontakt mit Personen, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt sind, sollte eine postexpositionelle Impfung erfolgen. Auch auf Reisen kann eine Impfung gegen Meningokokken empfehlenswert sein.

Nach Einschätzung der STIKO ist anzunehmen, dass eine Meningokokken-B-Impfung vor invasiven Erkrankungen durch einen Großteil der in Deutschland zirkulierenden Meningokokken-B-Stämme schützen kann.

In Studien zu einem der Meningokokken B-Impfstoffe, der ab dem Alter von zwei Monaten zugelassen ist, wurde gezeigt, dass 84 bis 100 Prozent der geimpften Säuglinge Antikörper bilden, die als Korrelat für den Schutz vor der Erkrankung gelten. Gemäß ersten Daten aus England nach Einführung eines Impfprogramms für Säuglinge liegt dort die klinische Effektivität gegen Meningokokken-B-Erkrankungen nach 2 Impfstoffdosen bei 82,9 Prozent.

Laut Fachinfo sind sehr häufige Nebenwirkungen dieses Impfstoffs bei Kindern bis 10 Jahren (beobachtet bei mehr als 1 von 10 Patienten) Fieber sowie Schmerzempfindlichkeit, Schwellung, Verhärtung und Rötung an der Injektionsstelle, außerdem Essstörungen, Schläfrigkeit, ungewöhnliches Weinen, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Ausschlag, Gelenkschmerzen und Reizbarkeit.

Der STIKO zufolge fehlen noch wichtige Daten, insbesondere zur klinischen Impfeffektivität nach vollständiger Grundimmunisierung und zur längerfristigen Impfwirksamkeit. Außerdem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit Meningokokken B schützt; dies wäre für den Gemeinschaftsschutz wichtig. Die STIKO wird weitere Daten zu diesen Fragen abwarten, bevor über eine Empfehlung der Meningokokken-B-Impfung als Standardimpfung entschieden wird.

Die STIKO weist aber explizit darauf hin, dass für den Einzelnen Impfungen über die allgemeinen Empfehlungen hinaus sinnvoll sein können. Eine fehlende STIKO-Empfehlung hindert den Arzt/die Ärztin im individuellen Fall nicht an einer begründeten Impfung. Die STIKO rät Eltern, die ihr Kind gegen Meningokokken B impfen lassen möchten, zu beachten, dass die Krankheitslast in den ersten beiden Lebensjahren am höchsten ist. Daher ist es sinnvoll, die Impfung gegen Meningokokken B so früh wie möglich zu verabreichen.

Weitere Infos zur Meningokokken-Impfung finden Sie unter rki.de/…/faq_ges.html. Eine ausführliche Analyse der Wirksamkeit und möglicher Nebenwirkungen der Impfung gegen Meningokokken B ist in einer Stellungnahme der STIKO nachzulesen unter rki.de/…/Art_01.html. (Fach)-Infos zum Meningokokken B-Impfstoff, der für Kinder ab zwei Monaten zugelassen ist, sind zusammengestellt unter ema.europa.eu/…/bexsero.

Besprechen Sie am besten mit Ihrem Kinderarzt die Gründe, warum er die Meningokokken-B-Impfung für Ihren Sohn empfiehlt und lassen Sie sich individuell über Nutzen und Risiken aufklären.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.