Langzeitfolgen nach falscher Impfung?

19. November 2020

Hallo liebes Experten Team.

Ich habe eine Frage, die mich immer noch beschäftigt, obwohl der Vorfall bereits 2017 passiert ist. Mein Sohn, damals 4 Monate alt, sollte geimpft werden (Rota und 6 Fach Impfung). Rota wurde ihm gespritzt und danach statt der 6 Fach Impfung versehentlich die HPV Impfung (Gardasil). Die Impfungen hat er gut vertragen, ohne Nebenwirkungen, jedoch frage ich mich, ob es später zu Langzeitschäden kommen kann. Es wird doch sicherlich ein Grund haben, weshalb die HPV Impfung bei Jungen erst ab 9 Jahren gegeben werden sollten oder täusche ich mich? Bisher konnte mir leider niemand etwas darüber sagen. Die Fehlimpfung wurde im Impfpass eingetragen und die KK hat das ganze dokumentiert, falls später etwas sein sollte.

Ich bedanke mich vorab schonmal recht herzlich. Viele Grüße

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) im Alter von neun bis 14 Jahren. Der Grund, warum die Impfung in dieser Altersgruppe empfohlen wird, ist, dass die Impfserie vor den ersten sexuellen Kontakten abgeschlossen sein sollte. Nach Beginn der sexuellen Aktivität kann es rasch zu HPV-Infektionen kommen und bei schon bestehender Infektion kann die Impfung nicht mehr vor Erkrankung mit diesem HPV-Typ schützen (weitere Infos finden Sie unter gesundes-kind.de/…/).

Der von Ihnen genannte HPV-Impfstoff ist ab dem Alter von neun Jahren zugelassen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass eine fälschliche Anwendung in einem jüngeren Alter zu gesundheitlichen Schäden führt. Vielmehr sind laut Fachinformation die Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern unter neuen Jahren nicht erwiesen, es liegen hierzu keine Daten vor (ema.europa.eu/…/gardasil bzw. ema.europa.eu/…/gardasil-9).

Mögliche Nebenwirkungen einer HPV-Impfung, die aus Studien bekannt sind, können Sie ebenfalls in den Fachinformationen nachlesen. Diese treten in der Regel in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung auf. Falls es zu Nebenwirkungen oder Komplikationen kommt, ist es wichtig, dass die falsche Anwendung des Impfstoffs dokumentiert ist. Der Fall sollte unbedingt der Pharmakovigilanz des Herstellers bzw. dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden (pei.de/…/meldeformulare-online-meldung-node.html;jsessionid=736A1804819FB1966ED1852097972CFA.2_cid319). Langzeitschäden nach mehreren Jahren bzw. Folgen einer zu frühen HPV-Impfung sind in den Fachinformationen nicht dokumentiert und sind uns nicht bekannt.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus der Ferne keine individuelle Beratung leisten können. Besprechen Sie Ihre Sorge am besten mit Ihrem Kinderarzt / Ihrer Kinderärztin, der / die sich ggf. beim Impfstoffhersteller nach weiteren Informationen erkundigen könnte.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.