Müssen Impfabstände bei Sechsfach-Impfungen eingehalten werden?

26. April 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Mutter von 7,5 Monate alten Zwillingen und wende mich auf Anraten des gsk-Kundenservice an Sie.

Wir haben bei unseren Kindern Ende des dritten Lebensmonats mit dem Impfstoff Infanrix hexa mit der Grundimmunisierung gegen die entsprechenden Krankheiten begonnen. Da wir ursprünglich vor hatten gemäß der deutschen Empfehlung nach dem 3+1-Schema impfen zu lassen, erhielten sie die zweite Dosis 6,5 Wochen später. Nun haben wir uns allerdings dazu entschieden nach dem 2+1-Schema zu impfen, wie es seit 2010 beispielsweise in Österreich empfohlen wird, vorzugehen. Sowohl die Fachinformation des Impfstoffs, als auch der österreichische Impfplan besagen, dass zwischen den einzelnen Dosen der Grundimmunisierung ein Zeitabstand von mindestens zwei Monaten einzuhalten ist. Das ist bei uns ja nun leider nicht der Fall. Ist dadurch eine Beeinträchtigung der Immunisierung zu erwarten? Oder fällt diese Zeitabweichung wenig oder gar nicht ins Gewicht? Sollten wir jetzt doch nach dem 3+1-Schema impfen lassen?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

MfG N. U.

Sehr geehrte Frau U.,

der von Ihnen genannte Sechsfach-Impfstoff zum Schutz gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B kann gemäß Fachinformation nach dem Impfschema 3+1 (drei Impfdosen in einem Abstand von mindestens einem Monat und eine vierte Dosis frühestens sechs Monate nach der dritten Dosis) oder 2+1 (zwei Impfdosen in einem Abstand von mindestens zwei Monaten und eine dritte Dosis frühestens sechs Monate nach der zweiten Dosis) angewendet werden.

Beide Impfschemata wurden in klinischen Studien überprüft. Die Immunogenität nach Verabreichung der kompletten Impfserie ist vergleichbar: Laut Fachinformation entwickelten bei einer Impfung nach dem 3+1-Schema nach drei Dosen mindestens 95,7 % der Kinder und nach der vierten Dosis mindestens 98,4 % der Kinder eine Serokonversion gegen jedes der Impfstoff-Antigene. Bei einer Impfung nach dem 2+1-Schema wiesen nach zwei Dosen mindestens 84,3 % der Kinder und nach der dritten Dosis mindestens 97,9 % der Kinder eine Serokonversion gegen jedes der Impfstoff-Antigene auf.

Laut Fachinformation sollte das Impfschema entsprechend den offiziellen Empfehlungen gewählt werden. Impfempfehlungen berücksichtigen nicht nur den Nutzen für den Geimpften, sondern auch Effekte von Impfstrategien für die gesamte Bevölkerung (siehe auch „Öffentliche Impfempfehlungen“, gesundes-kind.de/…/). Einen Impfschutz in einem möglichst frühen Alter zu erreichen, ist einer der Gründe, warum in Deutschland die Ständige Impfkommission STIKO das Impfschema 3+1 ab einem Alter von zwei Monaten empfiehlt. Der frühe Schutz durch eine zeitgerechte Impfung ist gerade im Hinblick auf Pertussis-Infektionen besonders wichtig (Epid. Bulletin 34/2016, rki.de/…/34_16.pdf).

In Impfplänen in Ländern wie Österreich, die das 2+1-Schema empfehlen, ist wie in der Fachinformation angegeben zwischen den ersten beiden Impfungen ein Abstand von mindestens zwei Monaten vorgesehen. Aus immunologischen Gründen sollten die empfohlenen Mindestabstände zwischen den Impfdosen eingehalten werden, damit ein ausreichender Immunschutz aufgebaut werden kann (siehe „Impfen und Immunsystem“, gesundes-kind.de/…/). Impfschemata sind Bestandteil der Zulassung eines Impfstoffes. Klinische Studien über Abweichungen vom festgelegten Impfschema liegen in der Regel nicht vor, so dass eine Modifikation des zugelassenen Impfschemas nicht anzuraten ist. Im Regelfall sollen die vom Hersteller im Beipackzettel empfohlenen Impfabstände nicht verändert werden. Wie das Robert Koch-Institut hervorhebt, ist es für den Aufbau eines langandauernden Impfschutzes im Rahmen der Grundimmunisierung besonders wichtig, dass der Mindestabstand zwischen vorletzter und letzter Impfung nicht unterschritten wird (siehe rki.de/…/faq_impfen_Impfschema_ges.html).

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nur allgemeine Hinweise, aber keine individuelle Impfempfehlung geben können. Bitte lassen Sie sich baldmöglichst bei Ihrem Kinderarzt bzw. Ihrer Kinderärztin beraten und den Impfschutz Ihrer Kinder vervollständigen.

Mit freundlichem Gruß
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat um Prof. Dr. med. Markus Knuf vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.