Nachholimpfung bei Kindern mit Tdap-IPV?

30. November 2020

Liebes Expertenteam,

weil ich seit Jahren keinen Kinderarzt für meine Kinder bekommen konnte, ließ ich meine Tochter (9) und meinen Sohn (5) vor einiger Zeit von meiner Hausärztin gegen Tetanus, Diphterie, Pertussis und Poliomyelitis impfen. Nun, da ich eine Kinderärztin gefunden habe, erfuhr ich dass es sich aber bei dem verabreichten Impfstoff REPEVAX um eine Auffrischimpfung handelt. Eine Grundimmunisierung blieb also aus. Die Kinderärztin sagte daraufhin "jetzt könne man nur hoffen" und dass man jetzt jedes Jahr nachimpfen müsste. Das will ich aber meinen Kindern nicht antun.

1. Kann ich nicht einen Impftiter verlangen? und ist
2. die Grundimmunisierung nicht im Nachhinein nachzuholen?

Meine Kinder haben schon einen Horror vor den Spritzen. Ich möchte ihnen diese Tortur nicht unnötigerweise jedes Jahr erneut antun müssen. Und nur hoffen, dass sie sich nicht irgendwo infizieren ist, so finde ich, auch keine Lösung.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie einen Rat oder Erklärungen hätten.

Vielen Dank

Der von Ihnen genannte Impfstoff zählt zu den sogenannten Tdap-IPV-Impfstoffen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten) und Poliomyelitis (Kinderlähmung). Gemäß Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO soll ab dem Alter von fünf bzw. sechs Jahren (je nach Angaben der Impfstoffhersteller) ein Tdap- bzw. Tdap-IPV-Impfstoff mit reduziertem Gehalt an Diphtherietoxoid (d) und Pertussis-Antigen (p) verwendet werden. Diese Impfstoffe sind in Deutschland vorrangig zur Auffrischimpfung vorgesehen, die Erstimmunisierung ist von der Zulassung ab dem jugendlichen Alter (das bedeutet, ab 12 Jahren) abgedeckt. In Deutschland ist aktuell kein Tdap- bzw. Tdap-IPV-Impfstoff für die Erstimmunisierung bei jüngeren Kindern zugelassen. Daher schreibt die STIKO: „Für Kinder in dieser Altersgruppe muss mit einem der Impfstoffe, die ab 12 Jahren zugelassen sind, off label geimpft werden. Eine entsprechende Aufklärung und Dokumentation ist erforderlich“ (rki.de/…/Tabelle.html). „Off label“ bedeutet außerhalb der Zulassung und damit ohne, dass speziell für diese Altersgruppe Daten aus Zulassungsstudien vorliegen. Die Erstimmunisierung erfolgt mit einer Serie von drei Impfstoffdosen des Tdap- bzw. Tdap-IPV-Impfstoffs, wobei die zweite Dosis einen Monat nach der ersten und die dritte Dosis sechs Monate nach der ersten Impfung verabreicht wird (Schema 0-1-6).

Eine Kontrolle der Impftiter ist nicht vorgesehen. Im Falle von Pertussis beispielsweise könnte durch eine Bestimmung des Impftiters nicht festgestellt werden, ob ein Schutz besteht, da kein serologisches Korrelat (keine mittels Blutuntersuchung ermittelbare Entsprechung) für einen ausreichenden Impfschutz bekannt ist.

Eine Auffrischimpfung mit Tdap- bzw. Tdap-IPV-Impfstoff sollte frühestens fünf Jahre nach der letzten Dosis der Erstimmunisierung erfolgen. Für eine jährliche Auffrischimpfung gibt es keine Empfehlung. Bitte besprechen Sie dies nochmals mit Ihrer Kinderärztin, die ggf. auch beim Impfstoffhersteller weitere Informationen einholen kann.

Bitte lassen Sie anhand der Impfausweise Ihrer Kinder auch den Impfschutz gegen Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizellen), Meningokokken C sowie ab dem Alter von neun Jahren gegen HPV überprüfen und ggf. weitere Nachholimpfungen durchführen (siehe Impfkalender gesundes-kind.de/…/).

Ihre Kinderärztin wird Sie hierzu individuell beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

prof.knuf.jpg

Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.