Schon mit neun Monaten gegen MMR impfen?

23. Juli 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

Gern würden wir unseren Sohn bereits mit neun Monaten gegen MMR impfen lassen. Nun liest man immer wieder, dass die Antikörper der Mutter die Wirksamkeit der Impfung in diesem Alter verhindern können. Ich wurde gegen MMR das zweite mal geimpft, als der Sohn drei Monate alt war. Sind dadurch die Antikörper wahrscheinlicher? Kann man per Titerbestimmung sehen, ob die Impfung ‚erfolgreich‘ war?

Vielen Dank für Ihre Mühen

Die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) wird von der Ständigen Impfkommission STIKO standardmäßig ab dem Alter von elf Monaten empfohlen. Eine Impfung für Säuglinge schon im Alter von neun bis zehn Monaten wird in bestimmten Situationen empfohlen, beispielsweise bei Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung oder nach möglichem Kontakt zu einem Masern-Kranken. Wird vor dem Alter von elf Monaten geimpft, empfiehlt die STIKO, die zweite Impfung bereits zu Beginn des zweiten Lebensjahrs durchzuführen, da eventuell noch vorhandene mütterliche Masern-Antikörper im ersten Lebensjahr die Impfviren neutralisieren können (rki.de/…/FAQ-Liste_Masern_Impfen.html).

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist ein Kind einer gegen Masern immunen Mutter bis zu sechs Monate nach der Geburt vor Masern geschützt. Dieser Nestschutz wird durch mütterliche Antikörper aufgebaut, die während der Schwangerschaft nach und nach über die Plazenta auf das Kind übertragen werden. Stillen bewirkt keinen Schutz gegen Masern beim Säugling (rki.de/…/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html;jsessionid=D87C3ADB4515A6E5CE1F7C5C98A096AA.1_cid363). Es ist nicht davon auszugehen, dass Antikörper gegen Masern, die eine stillende Mutter nach einer Impfung aufbaut, sich ungünstig auf das gestillte Kind auswirken. In der Stillzeit können sowohl die Mutter als auch das Baby alle von der STIKO empfohlenen Impfungen erhalten (rki.de/…/FAQ-Liste_Masern_Impfen.html).

Nach zwei dokumentierten MMR-Impfungen entsprechend den Empfehlungen der STIKO ist eine Bestimmung der Titer zur Überprüfung des Impferfolgs nicht erforderlich und wird nicht empfohlen. Durch die Bestimmung von Antikörper-Spiegeln können im Einzelfall keine zuverlässigen Aussagen über den bestehenden Impfschutz gegen Masern und Mumps getroffen werden. Darüber hinaus belasten Blutentnahmen zur Antikörper-Bestimmung das Kind (weitere Infos zu diesem Thema finden Sie unter rki.de/…/faq_node.html).

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine medizinische Einzelfallberatung leisten können und lassen Sie sich von Ihrem Kinderarzt / Ihrer Kinderärztin individuell beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.