Sind Impfungen im ersten Lebensjahr verzichtbar?

3. Februar 2016

Guten Tag,

die Pro-Impfung-Argumentationen auf dieser Platform sind wenig überzeugend wie die von Impfgegnern.

Was meinen Sie?
Ist es ausreichend, wenn mein Baby nach 12 Monaten die erste Impfung erhält (Masern, Hepatitis B, denn das Immunsystem braucht 12 Monate bis es ausgereift ist.

Mit freundlichen Grüßen
Sandra

Sehr geehrte Sandra,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir bedauern, dass wir Sie bisher nicht überzeugen konnten.

Psychologische Forschung gibt Ihnen grundsätzlich Recht: Da auf Impfgegnerseiten häufig Beschreibungen von einzelnen Eltern und deren Kindern vorgestellt werden, bleiben diese Informationen deutlich stärker im Gedächtnis haften als eine Statistik, die über Tausende von Eltern-Kind-Paaren berichtet.
So eindrucksvoll solche Einzelschicksale auf Gefühlsebene auch sind, aus naturwissenschaftlicher Sicht blenden sie eine Tatsache aus: Ein zeitlicher Zusammenhang bedeutet nicht automatisch einen ursächlichen. Sonst würde z.B. zwischen dem Rückgang der Störche und dem Rückgang der Geburtenraten in den vergangenen Jahrzehnten auch ein Zusammenhang bestehen. Impfstoffe werden seit Jahrzehnten überwacht und von wenigen Ausnahmen abgesehen, die dann korrigiert wurden, haben sie sich immer als sehr sicher erweisen. Unbedingt sicherer als das Risiko der Erkrankung.

Psychologisch scheint Impfen für die Eltern auch mit "Schuld" behaftet zu sein. Eine Infektionskrankheit durch unterlassene Impfung scheint demgegenüber Schicksal zu sein. Eventuell möchten Sie für sich auch über diesen Aspekt nachdenken. Würden Sie in Zukunft bereuen, wenn Ihr Kind schwer krank würde durch eine Infektion, die die Impfung verhindert hätte?

Wir folgen mit Überzeugung den Vorgaben der Ständigen Impfkommission. Das bedeutet, dass in Deutschland auch schon Kinder im ersten Lebensjahr durch Impfungen geschützt werden sollten. Bitte beziehen Sie in Ihre Überlegungen mit ein, dass es einige Wochen dauert, bis ein vollständiger Impfschutz aufgebaut wird. Bei einer Reihe von Krankheiten (z.B. Keuchhusten, Pneumokokken, Haemophilus-influenzae-b-Erkrankungen) erkranken wegen des gegen diese Bakterienart noch nicht voll arbeitenden Immunsystems junge Säuglinge im ersten Lebensjahr besonders schwer,
teilweise sogar lebensbedrohlich. Solche Fälle sehen wir auch in unserer Klinik immer wieder. Insbesondere bei Säuglingen, die zu jung sind, um schon vollständig geimpft zu sein.
Weder der Nestschutz noch "Fernhalten" (außer Isolationszelt) kann solche Infektionen sicher verhindern. Konjugatimpfstoffe gegen diese Bakterien enthalten sozusagen eine rote Fahne, die das Immunsystem auch schon in diesem Alter auf die Erreger aufmerksam macht.

Sie wollen sicher nur das Beste für Ihr Kind. Letztendlich ist die Frage, wem Sie vertrauen, an welches Weltbild Sie "glauben". Vielleicht unterziehen Sie naturwissenschaftliche Erkenntnisse und bevölkerungsweite Statistiken nach unseren Ausführungen zumindest einer zweiten Prüfung bevor Sie sich entscheiden. Das würde uns freuen. Informationen von offizieller Seite finden Sie z.B. unter
www.impfen-info.de, www.pei.de oder www.rki.de

Mit freundlichem Gruß
Ihr Gesundes-Kind Team

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Unser Expertenrat um Prof. Dr. med. Markus Knuf vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.