Trotz Allergie auf Hühnerei gegen Windpocken impfen?

5. Januar 2018

Sehr geehrte Damen und Herren, meine 1jährige Tochter muss bald eine Impfung gegen Windpocken bekommen, vor einer Woche hat sie erstes mal gekochtes Ei gegessen und nach 15 Minuten haben wir Notfall angerufen. Sie reagierte gar nicht, atmete kaum, war blass und den Körper rot und pickelvoll total und das ganze auf einmal.... Nach der Blutuntersuchung ist klar: Sie hat Eigelballergie. Jetzt die Frage: Darf sie geimpft sein wenn die Impfung Eibasis hat wie unser Kinderarzt uns erklärt hat? Wir sollen für Sicherheit in Krankenhaus 3 Tage bleiben, dort unter Kontrolle soll meine Tochter geimpft sein.... Wir sind in einem unbestimmten Zustand und haben Angst dass es lebensgefährlich sein kann. Was meinen Sie denn darf das Kind Impfung gegen Windpocken bekommen, wenn sie Eigelballergie hat? Danke im Voraus

Bei einer Allergie gegen Hühnerei können verschiedene Proteine (Eiweiße), die vor allem im Eiklar, teilweise auch im Eigelb vorkommen, allergische Sofortreaktionen wie Hautausschlag (Nesselsucht), Schwellungen der Schleimhäute, Übelkeit und Erbrechen, Atemnot und Kreislaufbeschwerden (anaphylaktische Reaktion) auslösen oder verzögert nur zu Hautreaktionen führen.

Eine Allergie gegen Hühnerei zählt nicht zu den Gründen, die bei einer Impfung gegen Windpocken mit Einzelimpfstoff besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordern würden. Nach Angaben in den Fachinformationen werden die in den Impfstoffen gegen Windpocken enthaltenen Impf-Viren in Zellkulturen gezüchtet, deren Zellen ursprünglich vom Menschen stammen (humane diploide Zellen).

Soll außer gegen Windpocken (Varizellen) auch gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft werden, wie dies ab dem Alter von 11 Monaten empfohlen wird (siehe Impfkalender gesundes-kind.de/…/), ist zu beachten, dass die Masern- und Mumps-Komponenten in den hierfür zur Verfügung stehenden Kombinationsimpfstoffen (MMR- und MMRV-Impfstoffe) unter Verwendung von Hühnerembryozellen hergestellt werden und Spuren von Hühnereiweiß enthalten können. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts können auch Kinder mit bekannter Allergie gegen Hühnereiweiß gefahrlos gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft werden. Bei Menschen, die nach dem Verzehr von Hühnerei schon einmal Überempfindlichkeitsreaktionen vom Soforttyp wie Nesselsucht, Schwellungen im Mund- und Rachenraum, Atembeschwerden, Blutdruckabfall oder Schock gezeigt haben, besteht jedoch möglicherweise ein erhöhtes Risiko für eine Überempfindlichkeitsreaktion nach einer Impfung, die Mumps- und Masern-Komponenten enthält. Das Robert Koch-Institut rät, bei Kindern mit einer sehr schweren Hühnereiweißallergie, wenn es beispielsweise nach Genuss von geringsten Mengen von Hühnereiweiß zu einem anaphylaktischen Schock gekommen ist, Impfungen mit Masern- und Mumps-Komponenten unter besonderen Schutzmaßnahmen und anschließender medizinischer Beobachtung (ggf. im Krankenhaus) durchzuführen (rki.de/…/FAQ-Liste_Masern_Impfen.html). Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) empfiehlt in diesen Fällen eine Überwachungszeit von mindestens 2 Stunden nach der Impfung (gpau.de/…/Paed_Allergologie_Sonderheft_Allergie_Impfen_2015.pdf). Für den Fall einer anaphylaktischen Reaktion sollten sofort geeignete Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung stehen.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus der Ferne nur allgemeine Hinweise, aber keine individuellen Impfempfehlungen geben können. Lassen Sie sich von Ihrem Kinderarzt bzw. Allergologen erläutern, um welche Art der Allergie es sich bei Ihrer Tochter handelt und welche Vorsichtsmaßnahmen bei welchen Impfungen erforderlich sind. Darüber hinaus ist auch eine Beratung wichtig, worauf aufgrund der Allergie gegen Hühnerei bei der Ernährung Ihres Kindes zu achten ist.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

prof.knuf.jpg

Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.