Vor Reise nach Irland gegen Meningokokken impfen?

1. August 2017

Sehr geehrter Herr Prof Knuf,
der Kinderarzt empfiehlt meiner Tochter, die kommende Woche 18 wird, die Meningokokkenimpfung nachholen zu lassen. Sie fliegt aber nächste Woche nach Irland, um dort für 4 Wochen auf einer Farm zu arbeiten. Einerseits wird gerade für GB/Irland die MenC-Impfung bei Langzeitaufenthalten empfohlen. Andererseits könnten mögliche Impfreaktionen kurz vor Abflug problematisch werden, und soweit ich weiß sind Infektionen hauptsächlich im Winter/Frühjahr zu erwarten, und dann auch eher wenn man unter vielen Leuten ist - was gerade auf der Farm nicht der Fall sein wird. Was würden Sie empfehlen? Besten Dank für Ihren Rat!

Sehr geehrte Mutter, sehr geehrter Vater,

generell sollte vor Reisen darauf geachtet werden, dass der für Deutschland empfohlene Impfschutz gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO komplett ist (siehe Impfkalender rki.de/…/Impfkalender_Deutsch.pdf).
Die STIKO empfiehlt, eine versäumte Impfung gegen Meningokokken C bis zum 18. Geburtstag nachholen zu lassen. Darüber hinaus wird die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y sowie gegen Meningokokken B für Risikogruppen empfohlen (Epidemiologisches Bulletin 34/2016, rki.de/…/34_16.pdf).

Nach der Meningokokken-Impfung dauert es bis zur Entwicklung schützender Antikörper etwa 7 bis 10 Tage, der Wirkbeginn ist innerhalb eines Monats zu erwarten. Die Meningokokken-Impfstoffe sind im Allgemeinen gut verträglich, wie bei jeder Impfung kann es jedoch zu Nebenwirkungen kommen (weitere Informationen unter gesundes-kind.de/…/.)

Bei Reisen nach Irland empfiehlt das Auswärtige Amt die Meningokokken-Impfung für Kinder und Jugendliche bei Langzeitaufenthalt oder besonderer Exposition (Reise- und Sicherheitshinweise für Irland siehe auswaertiges-amt.de/…/IrlandSicherheit.html). Das Centrum für Reisemedizin Düsseldorf empfiehlt für Reisen nach Irland die ACWY-Impfung sowie die Impfung gegen Meningokokken B bis zum Alter von 25 Jahren bei engerem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, einfachen Reisebedingungen, Langzeitaufenthalten sowie bei Tätigkeiten im Gesundheits- oder Sozialwesen (crm.de/…/laender.asp).

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts treten in Europa und Nordamerika Meningokokken-Erkrankungen gehäuft im Winter und im Frühjahr auf. In den ersten drei Monaten des Jahres sind 30 bis 40 Prozent der Erkrankungen zu verzeichnen. Die Empfehlungen für Reiseimpfungen gegen Meningogkokken gelten jedoch unabhängig von der Reisezeit.

Bei der Impfentscheidung sind Nutzen und Risiken individuell abzuwägen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nur allgemeine Hinweise, aber keine Impfempfehlung für den Einzelfall geben können und lassen Sie sich bzw. Ihre Tochter persönlich bei einem Arzt/einer Ärztin oder beim Gesundheitsamt beraten, welches Vorgehen auch angesichts des kurzfristigen Reisetermins sinnvoll ist.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat um Prof. Dr. med. Markus Knuf vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.