Wann gegen Meningokokken impfen?

9. Januar 2019

Wir haben in 3 Wochen unseren U6 Termin. Da wird meine Tochter 11 Monate alt sein. Nun überlege ich, ob wir sie bei diesem Termin gegen Meningokkoken C impfen lassen. Geht das oder sollte das Kind wirklich über 12 Monate alt sein. Gibt es eigentlich einen Kombi-Impfstoff gegen Meningokkoken B UND C? Und warum ist B immer noch nicht in die Impfempfehlungen der STIKO aufgenommen worden? Würden Sie es trotzdem empfehlen?
Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus.

Im Alter von 11 Monaten stehen folgende Impfungen an, sofern bislang zeitgerecht entsprechend dem Impfkalender der Ständigen Impfkommission STIKO (gesundes-kind.de/…/) geimpft wurde:
• vierte Impfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitits), Haemophilus influenzae (Hib) und Hepatitis B (Sechsfach-Impfung),
• dritte Impfung (bei Frühgeborenen vierte Impfung) gegen Pneumokokken,
• erste Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) sowie gegen Windpocken (Varizellen).

Diese Impfungen erfolgen häufig im Rahmen der U6.

Die Impfung gegen Meningokokken C wird von der STIKO ab dem Alter von 12 Monaten empfohlen. Grundsätzlich könnte gegen Meningokokken C auch im Alter von 11 Monaten sowie ggf. zeitgleich mit den anderen Kinderimpfungen geimpft werden. Impfstoff gegen Meningokokken C ist ab dem Alter von zwei Monaten zugelassen. Erfolgt die Grundimmunisierung jedoch vor dem ersten Geburtstag, wird eine Auffrischimpfung erforderlich.

Die Impfung gegen Meningokokken B wird von der STIKO bei erhöhtem Erkrankungsrisiko zusätzlich zur Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y empfohlen. Dazu zählen vor allem Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigung des Immunsystems.

Wie Sie angemerkt haben, hat die STIKO die Meningokokken-B-Impfung bislang nicht in das Standardimpfprogramm aufgenommen. Der STIKO zufolge liegen für die Meningokokken-B-Impfung noch keine ausreichenden Daten zur klinischen Impfeffektivität nach vollständiger Grundimmunisierung und zur längerfristigen Impfwirksamkeit vor. Außerdem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit Meningokokken B schützt; dies wäre für den Gemeinschaftsschutz wichtig.

Da die Krankheitslast in Deutschland sehr niedrig (jährlich weniger als drei Erkrankungen pro 1 Million Einwohner in den Jahren 2013 bis 2016) und rückläufig ist, hat die STIKO beschlossen, die Entscheidung, ob die Meningokokken-B-Impfung als Standardimpfung allgemein empfohlen wird, erst zu treffen, wenn weitere Daten zur Effektivität, Schutzdauer und zum Effekt auf das Meningokokken-Trägertum vorliegen.

Die STIKO weist aber darauf hin, dass für den Einzelnen Impfungen über die allgemeinen Empfehlungen hinaus sinnvoll sein können. Eine fehlende STIKO-Empfehlung hindert den Arzt/die Ärztin im individuellen Fall nicht an einer begründeten Impfung. Die STIKO rät Eltern, die ihr Kind gegen Meningokokken B impfen möchten, die Impfung so früh wie möglich verabreichen zu lassen. Impfstoff gegen Meningokokken B ist zugelassen ab dem Alter von zwei Monaten. Es ist zu beachten, dass bei Verabreichung der Meningokokken-B-Impfung zeitgleich mit dem Sechsfach- und dem Pneumokokken-Impfstoff häufiger Nebenwirkungen auftreten, insbesondere Fieber.

Weitere Infos zur Meningokokken-Impfung finden Sie unter rki.de/…/faq_ges.html, die aktuelle Stellungnahme der STIKO zur Meningokokken-B-Impfung ist nachzulesen im Epidemiologischen Bulletin 3/2018 unter rki.de/…/Art_01.html).

Gegen Meningokokken B stehen nur Einzelimpfstoffe, jedoch keine Kombinationsimpfstoffe mit Meningokokken-C-Komponente zur Verfügung.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nur allgemeine Hinweise, aber keine individuellen Impfempfehlungen geben können und lassen Sie sich von Ihrem Kinderarzt / Ihrer Kinderärztin ausführlich beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes Kind Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.