Warum gibt es Kombinationsimpfstoffe?

7. März 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

warum wurden die Einzelimpfungen durch sogenannte 6-in-1 oder 3-in-1 Impfungen ersetzt? Ist es möglich anstelle der Kombinationsimpfungen, die Einzelimpfungen für das Kind zu bekommen?

Laut dem PEI pei.de/…/impfstoffe-fuer-den-menschen-daten-pharmakovigilanz-tabelle.html sind seit 2009 mehr Fälle bezüglich Nebenwirkungen durch Impfungen gemeldet worden. Woran liegt das?

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

Mit freundlichen Grüßen

Kombinationsimpfstoffe werden, wenn möglich, bevorzugt, da sich damit gegenüber Einzelimpfstoffen die Zahl der erforderlichen Spritzen zum Aufbau des Impfschutzes deutlich senken lässt. Gäbe es beispielsweise keinen Sechsfach-Kombinationsimpfstoff und müsste mit Einzelimpfstoffen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Hib, Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Hepatitis B geimpft werden, wären statt einer Injektion sechs Spritzen erforderlich. Durch die Reduktion der notwendigen Injektionen soll die Akzeptanz und Umsetzung der Impfempfehlungen gefördert werden. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO explizit, Kombinationsimpfstoffe gegenüber Einzelimpfstoffen vorzuziehen (weitere Infos unter rki.de/…/FAQ01.html?nn=2391120 sowie unter gesundes-kind.de/…/).

Nur einige der Komponenten des Sechsfach-Kombinationsimpfstoffs stehen als Einzelimpfstoffe zur Verfügung: Gegen Tetanus, Kinderlähmung und Hepatitis B sind Einzelimpfstoffe erhältlich. Einzelimpfstoff gegen Hib wäre ggf. über eine internationale Apotheke zu beziehen. Gegen Diphtherie und Keuchhusten ist kein Einzelimpfstoff verfügbar. Um den empfohlenen Impfschutz gegen diese Infektionskrankheiten im Säuglingsalter (siehe Impfkalender gesundes-kind.de/…/) aufzubauen, ist die Anwendung von Sechsfach-Impfstoff am einfachsten. Die Auffrischimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten im Alter von fünf bis sechs Jahren ist nur mit dem entsprechenden Dreifach-Kombinationsimpfstoff möglich.

Zu Ihrer Frage bezüglich der gemeldeten Nebenwirkungen von Impfungen: Bitte beachten Sie, dass es sich dabei um Verdachtsfälle handelt. Wie Sie den von Ihnen angeführten Publikationen des PEI zur Überwachung der Arzneimittelsicherheit (Pharmakovigilanz) von Impfstoffen entnehmen können, war in manchen der ausgewerteten Jahre 2009 bis 2016 eine Zunahme der Zahl der Meldungen eines Verdachts auf Nebenwirkungen im Vergleich zu Vorjahren zu verzeichnen, in anderen Jahren ein Rückgang. Die Gründe, die das PEI für den Anstieg gemeldeter Verdachtsfälle nennt, können Sie in der Zusammenfassung in der jeweiligen Publikation nachlesen (pei.de/…/impfstoffe-fuer-den-menschen-daten-pharmakovigilanz-tabelle.html). Dazu zählen beispielsweise Erweiterungen des Impfprogramms oder die Vorgabe für Zulassungsinhaber, zusätzlich zu schwerwiegenden Meldungen auch alle nicht schwerwiegenden Meldungen anzuzeigen.

Bester Ansprechpartner für Eltern bei Fragen rund um Impfungen für ihr Kind ist der Kinderarzt / die Kinderärztin. In der Kinderarztpraxis erhalten Eltern eine individuelle Beratung über das empfohlene Impfprogramm und eine umfassende Aufklärung über Nutzen, Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen der Kinderimpfungen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.