Warum ist die Impfung gegen Meningokokken B keine Standardimpfung?

19. März 2021

Guten Tag,

wenn doch die Serogruppe B zu den häufigsten Meningokokken-Erkrankungen zählt und es eine Impfung dagegen gibt - warum ist diese noch nicht in der Impfempfehlung der Stiko aufgenommen?

Mit freundlichen Grüßen

In Deutschland zählt die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C, nicht aber die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B zu den von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlenen Standardimpfungen. Die Impfung gegen Meningokokken B wird von der STIKO aber bei erhöhtem Risiko empfohlen: Insbesondere gesundheitlich gefährdete Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigung des Immunsystems sollten zusätzlich zur Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y auch gegen Meningokokken B geimpft werden. Bei regional gehäuftem Auftreten oder Ausbrüchen kann die Impfung von den Gesundheitsbehörden empfohlen werden. Nach engem Kontakt mit Personen, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt sind, sollte eine postexpositionelle Impfung gegen die ursächliche Serogruppe erfolgen. Auch eine Reiseimpfung gegen Meningokokken kann sinnvoll sein. Zudem gibt es Impfempfehlungen für das berufliche Umgeld.

Meningokokken können schwere, lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen (weitere Infos unter gesundes-kind.de/…/). Meningokokken B sind in Deutschland am häufigsten für solche invasiven Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich (im Jahr 2019 für 60,7 Prozent / 136 von den 224 gemeldeten Fällen, bei denen Angaben zur Serogruppe vorlagen). Meningokokken C verursachen dank der allgemeinen Impfempfehlung nur noch einen kleineren Teil der invasiven Meningokokken-Erkrankungen (im Jahr 2019 12,1 Prozent / 27 von 224 Fällen). Invasive Infektionen mit Meningokokken C gingen in Deutschland zwischen 2006 und 2019 in der Altersgruppe der ein- bis 13jährigen Kinder um 96 Prozent zurück, invasive Meningokokken-B-Infektionen um 63 Prozent.

Insgesamt ist nach Einschätzung der STIKO das Risiko für invasive Meningokokken-B-Erkrankungen in Deutschland sehr niedrig. In den Jahren 2013 bis 2016 traten jährlich weniger als drei Erkrankungen pro einer Million Einwohner auf; am höchsten war das Risiko bei Säuglingen mit 46 Erkrankungen pro einer Million und bei Kleinkindern mit 16 pro einer Million.

Nach Angaben der STIKO ist grundsätzlich anzunehmen, dass eine Meningokokken-B-Impfung vor invasiven Erkrankungen durch einen Großteil der in Deutschland zirkulierenden Meningokokken-B-Stämme schützen kann. Für eine Empfehlung als Standardimpfung fehlen der STIKO zufolge jedoch noch wichtige Daten, insbesondere zur klinischen Impfeffektivität nach vollständiger Grundimmunisierung und zur längerfristigen Impfwirksamkeit. Außerdem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit Meningokokken B schützt; dies wäre für den Gemeinschaftsschutz wichtig. Angesichts der niedrigen und rückläufigen Erkrankungszahlen an invasiven Meningokokken-B-Infektionen in Deutschland wird die STIKO die Entscheidung, ob eine Meningokokken-B-Impfung nicht nur Risikogruppen, sondern darüber hinaus als Standardimpfung empfohlen werden sollte, erst fällen, wenn weitere robuste Daten zu diesen Aspekten vorliegen.

Die ausführliche Stellungnahme der STIKO zur Impfung gegen Meningokokken B können Sie nachlesen unter rki.de/…/Art_01.html?nn=2375548. Antworten auf häufige Fragen zur Schutzimpfung gegen Meningokokken finden Sie unter rki.de/…/faq_ges.html.

Eine fehlende STIKO-Empfehlung hindert den Arzt oder die Ärztin im individuellen Fall jedoch nicht an einer begründeten Impfung gegen Meningokokken B auch von Personen, die nicht zu den oben genannten Risikogruppen zählen.

Für eine individuelle Impfberatung wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt / Ihre Ärztin.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

*Die in den Antworten gegebenen Informationen entsprechen dem wissenschaftlichen Stand zum Zeitpunkt der Erstellung.
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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.