Welche Impfungen sind vor einer Schwangerschaft sinnvoll?

20. Oktober 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte gerne schwanger werden und habe deshalb einige Fragen bezüglich meines Impfschutzes.
Infos: Ich hatte als Kind Röteln und Windpocken und bin deshalb gegen keines der beiden geimpft worden. Außerdem habe ich im Babyalter einmalig eine Mumps & Masernimpfung bekommen. Können Sie mir sagen, ob dieser Impfschutz ausreicht oder ob ich mich vor einer Schwangerschaft noch impfen lassen muss. Wenn ja, wie lange muss ich dann mit ungeschütztem Verkehr warten?

Freundliche Grüsse

Silke

Sehr geehrte Silke,

vor einer geplanten Schwangerschaft sollte überprüft werden, ob die Standardimpfungen entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO (gesundes-kind.de/…/) komplett sind.

Ein vollständige Grundimmunisierung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizellen) erfolgt im Kindesalter durch jeweils zwei Impfdosen. Wurde in der Kindheit nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft oder ist der Impfstatus unklar, sollten Frauen mit Kinderwunsch – wie dies die STIKO für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen empfiehlt – eine einmalige Impfung erhalten. Hierfür wird Kombinationsimpfstoff verwendet, mit dem gleichzeitig gegen Mumps und Röteln geimpft wird (MMR-Impfstoff).

Außerdem sollten Frauen im gebärfähigen Alter – ebenso wie der Vater, Geschwister und andere, die später Kontakt mit dem Neugeborenen haben werden – gegen Keuchhusten (Pertussis) geimpft werden, wenn sie in den letzten 10 Jahren keine solche Impfung erhalten haben. Durch Kombinationsimpfstoffe werden gleichzeitig eventuelle Impflücken gegen Tetanus, Diphtherie und Polio geschlossen.

Bei Frauen mit Kinderwunsch ist auch der Schutz gegen Röteln sowie gegen Windpocken besonders wichtig (detaillierte Infos sind zu finden beim Robert Koch-Institut unter rki.de/…/FAQ-Liste_AllgFr_Impfen.html). Die STIKO empfiehlt allen Frauen im gebärfähigen Alter, die gegen Röteln nicht geimpft sind oder bei denen der Impfstatus unklar ist, eine zweimalige Impfung gegen Röteln. Wurde bisher einmal gegen Röteln geimpft, sollte eine weitere Impfung erfolgen. Eine Überprüfung der Röteln-Antikörper wird weder vor noch nach der Impfung routinemäßig durchgeführt. Für die Impfung wird MMR-Impfstoff verwendet, Einzelimpfstoffe gegen Röteln stehen nicht mehr zur Verfügung. Der Abstand zwischen zwei Gaben des MMR-Impfstoffs beträgt mindestens einen Monat. Die kombinierte Impfung führt nicht zu vermehrten unerwünschten Wirkungen, auch wenn bereits eine Teilimmunität gegen andere im Impfstoff enthaltene Komponenten vorliegt.

Eine Röteln-Infektion führt zwar zu wahrscheinlich lebenslanger Immunität gegen das Virus. Hautausschläge bei anderen Infektionskrankheiten können jedoch leicht mit den Röteln verwechselt werden. Ist eine frühere Röteln-Erkrankung nicht ärztlich dokumentiert, sollten unvollständig geimpfte Frauen im gebärfähigen Alter daher geimpft werden. Durch Bestimmung der Antikörper im Blut kann festgestellt werden, ob die Röteln tatsächlich durchgemacht wurden. Bei positivem Röteln-IgG kann von einer Immunität ausgegangen werden, Impfungen gegen Röteln sind dann nicht notwendig.

Ist unsicher, ob eine Frau mit Kinderwunsch die Windpocken durchgemacht hat bzw. ob sie vollständig gegen Windpocken geimpft ist, sollte eine Bestimmung von Varizellen-Antikörpern erfolgen. Seronegative Frauen mit Kinderwunsch zählen zu den Personengruppen, denen im Erwachsenenalter eine zweimalige Impfung gegen Windpocken empfohlen wird.

Nach Lebendimpfungen, zu denen auch die Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen zählen, wird empfohlen, eine Schwangerschaft für einen Monat zu verhüten.

Weitere Hinweise zu Impfungen bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft finden Sie auf unseren Internetseiten unter gesundes-kind.de/…/ sowie beim Robert Koch-Institut unter rki.de/…/FAQ09.html?nn=2391120.

Bitte lassen Sie sich bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt individuell beraten, welche Schutzimpfungen für Sie sinnvoll sind.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.