Welche Nebenwirkungen kann die FSME-Impfung haben?

3. Dezember 2019

Gefährliche Nebenwirkungen Fsme / Zecken Imfpung? Wir überlegen, ob wir Urlaub in Tirol oder Schweiz machen im Sommer. Aber davor wollten wir uns impfen lassen gegen die FSME von infizierten Zecken in Risikogebieten. Jetzt jedoch habe ich durch Zufall gelesen, daß diese Impfung sehr gefährliche Nebenwirkungen hat in Bezug auf das Nervensystem, teilweise irreversibel, z.B. Multiple Sklerose (steht genauso im Beipackzettel) oder entzündliche Erkrankungen des Gehirns, Anfälle, Hirnhautentzündung (der Schichten, die das Gehirn umgeben) oder neurologische Symptome wie Gesichtslähmungen, vollständige Lähmungen etc. Es gibt auch Berichte von Alopecia areata. Ich bin erschrocken über diese Anzahl an gefährlichen Nebenwirkungen, denn ich dachte, daß diese Impfung in den letzten Jahren verbessert worden ist. Jetzt überlegen wir, ob wir lieber wo anders Urlaub machen. Meine Frage: wo ist das Risiko größer: diese FSME-Impfung machen mit 2 schulpflichtigen Kindern oder ohne Impfung nach Tirol und aufpassen? Schließlich kann man auch vermeiden, quer in den Wald zu gehen an Sträuchern vorbei und nicht jede Zecke ist ansteckend.
Viele Grüße!

Vor Reisen sollte allgemein darauf geachtet werden, dass bei Kindern wie Erwachsenen die Standardimpfungen gemäß deutschem Impfkalender auf dem aktuellen Stand sind (gesundes-kind.de/…/).

Für die Schweiz empfiehlt das Auswärtige Amt als Reiseimpfung bei zu erwartender Exposition gegenüber Zecken, zum Beispiel beim Wanderurlaub, in den ausgewiesenen Infektionsgebieten auch eine Schutzimpfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) (siehe auswaertiges-amt.de/…/206208#content_4, Merkblatt mit einer Karte zu den Risikogebieten in der Schweiz unter
auswaertiges-amt.de/…/fsme-merkblatt-schweiz-data.pdf). In Österreich ist der Impfschutz gegen FSME öffentlich empfohlen (siehe auswaertiges-amt.de/…/210962#content_4).

Übrigens wird auch in Deutschland für Risikogebiete die FSME-Impfung empfohlen. Informationen zum Krankheitsbild FSME und zur Impfung sowie eine Karte mit den Risikogebieten in Deutschland finden Sie auf unseren Internetseiten unter gesundes-kind.de/impfungen/fsme-impfung/.

Die Sicherheit der FSME-Impfstoffe wurde – wie bei allen in Deutschland verfügbaren Impfstoffen – vor der Zulassung streng überprüft und auch nach der Markteinführung wird diese kontinuierlich überwacht. Wie bei jeder Impfung kann es zu Nebenwirkungen kommen. Übliche Impfreaktionen, die sich bei sehr vielen Geimpften bemerkbar machen, sind Schmerzen und Rötungen an der Einstichstelle. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts treten innerhalb der ersten ein bis vier Tage – vor allem nach der ersten FSME-Impfung – außerdem häufig Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden auf. Sehr selten werden Missempfindungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln beobachtet. Häufig treten vorübergehende Gelenk- und Muskelschmerzen auf; im Nackenbereich können diese mit Anzeichen einer Meningitis (Hirnhautentzündung) verwechselt werden. In der Regel klingen diese Lokal- und Allgemeinreaktionen rasch und folgenlos wieder ab. Dem Robert Koch-Institut zufolge wurden weder in verschiedenen Zulassungsstudien noch in der Surveillance nach der Markteinführung schwerwiegende oder lebensbedrohliche Nebenwirkungen der FSME-Impfung beschrieben (rki.de/…/FSME-Impfung.html).

Die von Ihnen genannte Multiple Sklerose und auch die Alopecia areata zählen nicht zu den Nebenwirkungen der FSME-Impfstoffe und werden in keinem der Beipackzettel und in keiner Fachinformation aufgeführt.

Zu den Fach- und Gebrauchsinformationen aller FSME-Impfstoffe gelangen Sie über die Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts unter pei.de/…/fsme-node.html (Link in der rechten Spalte anklicken). Dort können Sie auch Informationen über die Nebenwirkungen nachlesen.

Laut Fachinformationen zu den FSME-Impfstoffen wurden an Nebenwirkungen, die das Nervensystem betreffen, in klinischen Prüfungen häufig bis sehr häufig Kopfschmerzen gefunden, auch Schläfrigkeit, Wahrnehmungsstörungen oder Benommenheit traten je nach Impfstoff unterschiedlich häufig auf. Nach der Markteinführung der Impfstoffe wurde über verschiedene gesundheitliche Beeinträchtigungen des Nervensystems nach der Impfung berichtet. Dazu zählen Schwindel, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen, Krämpfe sowie Hirn- und Hirnhautentzündung.

Treten nach einer Impfung gesundheitliche Beeinträchtigungen auf, die über übliche Impfreaktionen hinausgehen, und besteht der Verdacht, dass diese durch den Impfstoff hervorgerufen wurden, muss der impfende Arzt/die Ärztin dies an das Gesundheitsamt bzw. das Paul Ehrlich-Institut melden. Die Gesundheitsbehörden prüfen dann einen möglichen ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung.

Generell ist davon auszugehen, dass die Gefahren durch eine FSME-Erkrankung in einem FSME-Risikogebiet die Risiken einer Impfung bei weitem überwiegen.

Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass in FSME-Risikogebieten im Mittel 0,1 bis 5 Prozent der Zecken FSME-Viren in sich tragen. Hieraus lässt sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts jedoch kein Erkrankungsrisiko nach einem einzelnen Zeckenstich ableiten (weitere Informationen unter rki.de/…/Zecken.html).

Generell sollten Ungeimpfte und auch Geimpfte nicht nur in FSME-Risikogebieten darauf achten, dass sie Zeckenstiche möglichst vermeiden. Denn Zecken können auch andere Erkrankungen übertragen, insbesondere die Borreliose, gegen die es keine Impfung gibt. Um sich vor Zeckenstichen zu schützen, sollten bei einem Aufenthalt im Wald oder auf Wiesen geschlossene Schuhe, langärmlige Hemden und lange Hosen getragen werden. Zecken-abweisende Mittel (Repellentien) bieten einen zusätzlichen, jedoch zeitlich begrenzten Schutz. Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte der Körper gründlich nach Zecken abgesucht werden. Weitere Informationen zu FSME und Borreliose sowie Tipps zum Schutz vor Zecken finden Sie auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter infektionsschutz.de/…/ und infektionsschutz.de/…/.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuelle Impfempfehlung geben können und lassen Sie sich bei Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.