Welche Nebenwirkungen können nach Impfungen auftreten?

2. Oktober 2015

Sehr geehrter Herr Knuf,

mein Sohn ist 24 Wochen alt. Im Alter von 7 Wochen bekam er eine Rotaviren-Impfung auf die er stark reagierte (Nahrungsverweigerung, Gewichtsverlust, krampfartiges Geschrei, erhöhte Temperatur und Blut im Stuhl), so dass wir zwei Nächte im Krankenhaus verbrachten. Er hat seitdem immer mal wieder Blut im Stuhl. Daraufhin setzten wir alle weiteren Impfungen erst einmal aus. Bei der u5 in zwei Wochen soll er nun die erste Grundimmunisierung bekommen und ich möchte gerne wissen, ob ich ihn darauf vorbereiten kann, wie lange mögliche Nebenwirkungen andauern können oder womit ich sonst noch rechnen sollte, denn offenbar ist er ein eher empfindliches Kind. Oder macht es vielleicht Sinn die Impfungen noch aufzuschieben bis er abgestillt ist?

Ich danke Ihnen vielmals für die Ihre Zeit und Mühe!! Es ist wirklich eine große Hilfe hier jemanden fragen zu können.

Viele Grüße!
Astrid G.

Sehr geehrte Astrid,

bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus der Ferne, ohne alle Umstände zu kennen und Ihren Sohn untersucht zu haben, keine individuelle Beratung anbieten können.

Grundsätzlich sind verschiedene Aspekte zu bedenken:
Wenn bereits die abgeschwächten Impfviren bei Ihrem Sohn eine derart starke Reaktion auslösten, wie wäre eine erste Konfrontation mit den Wildviren verlaufen?

Der Nestschutz ist keineswegs undurchdringlich und lässt zudem bereits ab einem Alter von einem halben Jahr deutlich nach. Stillen ist insgesamt ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit, dabei werden aber wesentlich weniger Antikörper übertragen als vor der Geburt und diese richten sich im Wesentlichen nur gegen Magen-Darm-Infektionen. Gegen bekapselte Bakterien wie Keuchhusten, Pneumokokken oder Haemophilus influenzae Typ b entwickelt das Immunsystem eines Kindes, auch eines Stillkindes, erst etwa ab dem zweiten Geburtstag Abwehrstoffe.

Aus diesen und anderen Gründen werden Säuglinge möglichst so früh geimpft, dass sie bis zum Alter von 6 Monaten eine eigene Immunabwehr gegen diese Krankheiten aufgebaut haben.

Mit den ersten Impfungen bis zum Abstillen zu warten, würde Ihren Sohn eine lange Zeit ohne verlässlichen Schutz gegen zum Teil lebensbedrohliche Infektionen lassen.

Einige Menschen entwickeln bei einer Infektion sehr schnell Fieber, andere nicht. Der Körper reagiert auf Infektionen und Impfstoffe fast identisch, da abgesehen vom Infektionsweg/der Impfstelle identische Bereiche des Immunsystems angesprochen werden. Insofern ist es im Bereich des Möglichen, dass Ihr Sohn wieder erhöhte Temperatur entwickelt.
Aber jeder Impfstoff ist anders aufgebaut. Moderne Totimpfstoffe enthalten nur noch ausgewählte Bruckstücke der jeweiligen Erreger. Ein Kind, dass auf einen Impfstoff stärker reagiert, muss damit nicht automatisch auch auf andere reagieren.
Zudem ist erhöhte Temperatur im Vergleich zu Hirnentzündung, Atemnot durch Kehlkopfentzündung oder bleibender Hörschädigung eher harmlos.

Anders als bei einer zufälligen Infektion können wir bei einer Impfung den Zeitpunkt auswählen. Harmlose Erkältungen sprechen jedoch nicht gegen eine Impfung. Krankheitserreger stellen sich auch nicht in der Schlange an, sondern kommen häufig während noch ein anderer aktiv ist.
Zudem würden Säuglinge sonst in den Wintermonaten lange ohne wichtigen Schutz bleiben. Kombinationsimpfstoffe verringern die Anzahl der Injektionen und damit die Anzahl der Ereignisse, zu denen Impfreaktionen auftreten könnten. Bei Kindern, die zu Fieberkrämpfen neigen, wird in manchen Fällen vorsorglich ein fiebersenkendes Mittel zusammen mit der Impfung verabreicht. Aber auch diese sollte man wie alle anderen Medikamente nicht ohne guten Grund einsetzen.
Man kann eine Impfstelle auch vorsorglich äußerlich kühlen.

Da es viele Impfstoffe gibt, der jeder sein eigenes Reaktionsmuster hat, würde es den Rahmen einer solchen Antwort sprengen, auf diese alle einzugehen. Auf unserer Website finden Sie bei der jeweiligen Krankheit unter "Impfung" mögliche Nebenwirkungen aufgeführt. In der Regel ist bei Totimpfstoffen außer einer geschwollenen und schmerzenden Impfstelle, Abgeschlagenheit sowie eventuell erhöhter Temperatur in den ersten drei Tagen nach einer Impfung, keine weitere Reaktion zu erwarten. Die möglichen schweren Nebenwirkungen sind bei JEDER Impfung - wenn überhaupt vorhanden - dann um Größenordnungen seltener als bei der Krankheit, die die Impfung verhütet.

Letztendlich ist Impfen Vertrauenssache. Wem vertrauen Sie in anderen Gesundheitsfragen? Freunden, Zeitungsberichten, Internetforen oder Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin?

Bitte besprechen Sie Ihre Fragen auch mit Ihrer Kinderärztin/Ihrem Kinderarzt.

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Unser Expertenrat um Prof. Dr. med. Markus Knuf vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.