Wie kommen Impfempfehlungen zustande?

13. Oktober 2019

Liebes Team,

Mich würde im Kontext Impfung imteressieren wieso die Impfempfehlung zwischen europäischen Ländern variieren. So wird z.B Tetanus/Polio/Diphterie in Deutschland im zweiten Lebensmonat empfohlen, in Island, meinem momentanen Lebensort, jedoch erst im dritten Lebensmonat. Warum werden diese Iþpfungen nicht schon bei der Geburt gegeben sondern später und warum werden unterschiedliche Empfehlungen ausgesprochen? Besteht ein Risiko beim Impfen, das mit zunehmendem Alter des Kindes abnimmt? Würde in diesem Zusammenhang ein späteres Impfen sinnvoll sein, die Impfempfehlung ergibt sich aber aus einem Abwägen der Krankheitsrisiken?

Vielen Dank für Ihre Antwort

In Deutschland wird die erste Impfung gegen Tetanus, Polio (Kinderlähmung) und Diphtherie – sowie gegen Pertussis (Keuchhusten), Hib und Hepatitis B – im Alter von zwei Monaten empfohlen (d.h. mit vollendetem zweiten Lebensmonat und damit bei Beginn des dritten Lebensmonats) (siehe Impfkalender rki.de/…/Impfkalender.pdf).

Wie Sie schreiben, gibt es in anderen europäischen Ländern davon abweichende Impfempfehlungen. Die Impfempfehlungen werden in den einzelnen Ländern von den zuständigen Gesundheitsbehörden und Expertengremien auf der Basis einer Vielzahl an Faktoren entwickelt. Diese können von Land zu Land variieren, beispielweise die Häufigkeit bestimmter Erreger, oder auch unterschiedlich bewertet werden. Auch praktische Erwägungen spielen eine Rolle, wie die Impfempfehlungen in der Bevölkerung des jeweiligen Landes möglichst gut angenommen und umgesetzt werden.

In Deutschland werden Impfempfehlungen von der Ständigen Impfkommission STIKO am Robert Koch-Institut entwickelt und regelmäßig aktualisiert. Die STIKO berücksichtigt dabei nicht nur den Nutzen für den einzelnen Geimpften, sondern auch für die gesamte Bevölkerung. Die STIKO analysiert dabei wissenschaftliche Erkenntnisse zu Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und pharmazeutischer Qualität, das Nutzen-Risiko-Verhältnis für den Einzelnen und auch epidemiologische Aspekte wie Häufigkeit des Erregers oder besonders betroffene Bevölkerungsgruppen und Effekte von Impfstrategien für den Gemeinschaftsschutz in der Bevölkerung (weitere Einzelheiten sind nachzulesen unter rki.de/…/methoden_node.html).

Für die von Ihnen genannten Impfungen gegen Tetanus, Polio (Kinderlähmung) und Diphtherie im Säuglingsalter stehen in Deutschland Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die außerdem Komponenten gegen Pertussis und Hib (Fünffach-Impfstoff) sowie zusätzlich Hepatitis B (Sechsfach-Impfstoff) enthalten. Die Impfempfehlung der STIKO zielt darauf ab, einen möglichst frühzeitigen Impfschutz aufzubauen. Diese Fünf- und Sechsfach-Kombinationsimpfstoffe sind (je nach Impfstoff) erst ab dem Alter von sechs Wochen oder zwei Monaten zugelassen bzw. wurden bei jüngeren Säuglingen nicht untersucht. Für diese Fünf- und Sechsfach-Kombinationsimpfstoffe sind keine gesundheitlichen Risiken bekannt, die bei Säuglingen, die älter sind, abnehmen würden. Eine spätere Impfung als von der STIKO empfohlen würde jedoch zu einem verzögerten Aufbau des Impfschutzes führen; gerade Keuchhusten oder Hib-Infektionen sind aber für Säuglinge besonders gefährlich.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus der Ferne nur allgemeine Hinweise geben können. Für eine individuelle Impfberatung wenden Sie sich bitte an Ihren Kinderarzt / Ihre Kinderärztin.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.