Zusätzlich gegen Meningokokken B impfen?

4. November 2019

Sehr geehrte Damen und Herren

Mein Sohn ist nach dem stiko Impfplan geimpft. Nun habe ich durch einen Zufall gelesen das die meningokokken b viel gefährlicher sind aber von der stiko als Impfung nicht empfohlen wird. Mein Kinderarzt hat mich über meningokokken b auch nicht aufgeklärt. Jetzt bin ich total verunsichert und würde gerne wissen was sie zu der meningokokken b Impfung sagen.

Liebe Grüße

Wie Sie schreiben, zählt nur die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C, nicht aber die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B zu den von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlenen Standardimpfungen. Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung aber bei erhöhtem Risiko: Insbesondere gesundheitlich gefährdete Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigung des Immunsystems sollten gegen Meningokokken B sowie mit Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y geimpft werden. Gefährdetes Laborpersonal sollte ebenfalls geimpft sein. Auch auf Reisen kann eine Impfung gegen Meningokokken B und/oder ACWY sinnvoll sein. Nach engem Kontakt mit Personen, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt sind, sollte eine postexpositionelle Impfung gegen die ursächliche Serogruppe erfolgen.

Meningokokken sind Bakterien, die schwere, lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie eine bakterielle Hirnhautentzündung oder eine Blutvergiftung verursachen können (weitere Infos unter gesundes-kind.de/…/). Infektionen mit Meningokokken B machen in Deutschland den größten Anteil aller invasiven Meningokokken-Erkrankungen aus (58,6 Prozent im Jahr 2018 / 139 von den 237 gemeldeten Fällen, bei denen Angaben zur Serogruppe vorlagen), während Meningokokken C dank der allgemeinen Impfempfehlung nur noch für einen kleinen Teil verantwortlich sind (im Jahr 2018 für 13,1 Prozent / 31 von 237 Fällen). Weitere Erkrankungen werden durch Meningokokken Y (14,3 Prozent im Jahr 2018) und W (12,7 Prozent im Jahr 2018) hervorgerufen. Invasive Infektionen mit Meningokokken C gingen in Deutschland zwischen 2006 und 2018 in der Altersgruppe der ein- bis elfjährigen Kinder um 98 Prozent zurück, invasive Meningokokken-B-Infektionen um 67 Prozent.

Insgesamt ist nach Einschätzung der STIKO das Risiko auch für invasive Meningokokken-B-Erkrankungen in Deutschland sehr niedrig. In den Jahren 2013 bis 2016 traten jährlich weniger als drei Erkrankungen pro einer Million Einwohner auf; am höchsten war das Risiko bei Säuglingen mit 46 Erkrankungen pro einer Million und bei Kleinkindern mit 16 pro einer Million.

Nach Angaben der STIKO ist grundsätzlich anzunehmen, dass eine Meningokokken-B-Impfung vor invasiven Erkrankungen durch einen Großteil der in Deutschland zirkulierenden Meningokokken-B-Stämme schützen kann. Für eine Empfehlung als Standardimpfung fehlen der STIKO zufolge jedoch noch wichtige Daten, insbesondere zur klinischen Impfeffektivität nach vollständiger Grundimmunisierung und zur längerfristigen Impfwirksamkeit. Außerdem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit Meningokokken B schützt; dies wäre für den Gemeinschaftsschutz wichtig. Angesichts der niedrigen und rückläufigen Erkrankungszahlen an invasiven Meningokokken-B-Infektionen in Deutschland wird die STIKO die Entscheidung, ob eine Meningokokken-B-Impfung nicht nur Risikogruppen, sondern darüber hinaus als Standardimpfung empfohlen werden sollte, erst fällen, wenn weitere robuste Daten zu diesen Aspekten vorliegen.

Weitere (Fach-)Informationen zu Meningokokken können Sie auf den Seiten des Robert Koch-Instituts nachlesen unter rki.de/…/Meningokokken.html.
Antworten auf häufige Fragen zur Schutzimpfung gegen Meningokokken finden Sie unter rki.de/…/faq_ges.html?nn=2375548.

Da die Empfehlungen der STIKO in Deutschland als medizinischer Standard gelten, wird die Impfung gegen Meningokokken B bislang von Kinderärztinnen und -ärzten in der Regel nicht routinemäßig allen Kindern, sondern nur Risikogruppen angeboten. Eine fehlende STIKO-Empfehlung hindert den Arzt / die Ärztin im individuellen Fall aber nicht an einer begründeten Impfung auch von Personen, die nicht zu den oben genannten Risikogruppen zählen.

Sprechen Sie Ihren Kinderarzt daher am besten auf die Meningokokken-B-Impfung an und lassen Sie sich individuell beraten, ob die Impfung für Ihren Sohn sinnvoll ist.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.