Impfung gegen Affenpocken

 

Krankheitsbild

Die Affenpocken sind eine seltene Viruserkrankung, die zu charakteristischen, teilweise schmerzhaften Hautveränderungen führt und mit allgemeinen Beschwerden wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie Abgeschlagenheit einhergehen kann.  

Übertragung und Vorkommen

Die Affenpocken sind in West- und Zentralafrika insbesondere bei Nagetieren verbreitet. Auch Affen können betroffen sein. Menschen können sich ebenfalls anstecken. Auch in Ländern außerhalb Afrikas kommen Fälle vor. In Gebieten, in denen Affenpocken verbreitet (endemisch) sind, kann es zu einer Übertragung auf den Menschen durch infizierte Tiere kommen. Eine Übertragung der Affenpocken von Mensch zu Mensch ist bei engem Kontakt möglich.

Vorbeugung

Um andere vor einer Ansteckung mit den Affenpocken zu schützen, sollten Erkrankte enge Kontakte vermeiden, bis die Krankheitszeichen abgeklungen sind. Eine Impfung gegen Affenpocken ist möglich.  

Impfstoff

Lebendimpfstoff, der ab dem Alter von 18 Jahren zugelassen ist

Impfempfehlung

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Impfung gegen Affenpocken als Postexpositionsprophylaxe (PEP) für Personen ohne Krankheitszeichen nach engem Kontakt zu einer erkrankten Person oder nach Kontakt zum Erreger bei Tätigkeiten in einem Labor. Eine vorbeugende Impfung wird für Männer empfohlen, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit häufig wechselnden Partnern haben. Auch für Mitarbeitende in Speziallaboren besteht eine Impfempfehlung.

Eine generelle Impfung gegen Affenpocken wird nicht empfohlen.

 

Unser Rat für Sie:

Wenn Sie Kontakt zu einer erkrankten Person hatten oder zu einer Personengruppe gehören, die ein erhöhtes Ansteckungsrisiko hat, kann eine Impfung für Sie infrage kommen. Wo Sie sich impfen lassen können, erfahren Sie beim örtlichen Gesundheitsamt.

Bei allgemeinen Fragen rund um die Impfung können Sie sich auch an die Experten der Universitätsklinik Mainz wenden.

Krankheitsbild Affenpocken

Symptome und Verlauf der Affenpocken

Die Affenpocken werden durch das Affenpockenvirus Orthopoxvirus simiae (Monkeypox virus, MPXV) hervorgerufen. Dies ist mit dem Virus verwandt, das die Menschenpocken (Variola, Smallpox) verursacht, sowie mit dem Kuhpockenvirus. Im Gegensatz zu den Menschenpocken, die als ausgerottet gelten, verlaufen die Affenpocken in der Regel deutlich milder. Schwere Verläufe sind jedoch möglich, insbesondere bei Kindern und bei Menschen mit Immunschwäche.

Nach der Ansteckung dauert es zwischen drei und 21 Tagen, bis Krankheitszeichen auftreten. Im aktuellen Ausbruch werden auch kürzere Inkubationszeiten beobachtet; der Median liegt bei sieben Tagen.

Es kann zu allgemeinen Symptomen wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollenen Lymphknoten und Abgeschlagenheit kommen. Charakteristisch ist ein teilweise sehr schmerzhafter Hautausschlag mit Bläschen und Pusteln (Pocken), auf denen sich Schorf bildet, der schließlich abfällt. Der Ausschlag kann im Genital- oder Analbereich, aber auch an anderen Stellen wie an den Händen, den Füßen, der Brust oder dem Gesicht auftreten. Haut- und Schleimhautveränderungen sind auch im Mund und an den Augen möglich.

Die Hautveränderungen heilen in der Regel nach zwei bis vier Wochen ohne Behandlung von selbst ab. Es können jedoch Narben zurückbleiben.

Insbesondere in Ländern, in denen die Affenpocken dauerhaft verbreitet (endemisch) sind, werden als mögliche Komplikationen Hirnentzündung, bakterielle Hautinfektionen, Flüssigkeitsverlust, Bindehaut-, Hornhaut- und Lungenentzündung beobachtet. Die Erkrankung kann zu entstellenden Narben, bleibenden Hornhautschäden und Sehverlust führen oder auch tödlich verlaufen.

 

Erkennung und Behandlung der Affenpocken

Die Affenpocken werden über einen Abstrich, zum Beispiel von nässenden Hautveränderungen, festgestellt, die der Arzt oder die Ärztin im Labor untersuchen lässt.

Die meisten Menschen erholen sich innerhalb von mehreren Wochen von selbst von einer Erkrankung an den Affenpocken. Falls erforderlich, werden die Beschwerden durch unterstützende Maßnahmen gelindert. Zur gezielten Behandlung der Affenpocken ist ein spezielles Medikament zugelassen.

Die Ärztin oder der Arzt wird im Einzelfall entscheiden, welche Behandlung sinnvoll ist.

 

Übertragung und Vorkommen der Affenpocken

Die Affenpocken sind in West- und Zentralafrika verbreitet (endemisch). Das Affenpockenvirus kommt dort vor allem bei Nagetieren vor. Affen können ebenfalls betroffen sein.

Auch Menschen können sich anstecken und erkranken. In endemischen Gebieten kann eine Übertragung auf den Menschen durch Kontakt zu infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen sowie durch das Fleisch infizierter Tiere erfolgen.

Eine Übertragung der Affenpocken von Mensch zu Mensch ist bei engen Kontakten möglich. Erkrankte sind ansteckend, wenn sie Symptome zeigen und so lange, bis die Haut- und Schleimhautveränderungen vollständig abgeheilt sind. Eine Ansteckung erfolgt vor allem durch den direkten Kontakt mit den Haut- oder Schleimhautveränderungen (Pockenläsionen). In den Pocken befinden sich besonders hohe Viruskonzentrationen. Sowohl Bläscheninhalt als auch Schorf sind infektiös. Auch durch Kontakt mit Geschwüren oder Wunden im Mund sowie durch Speicheltröpfchen ist eine Ansteckung möglich. Über Kleidung und Gegenstände von Infizierten kann das Affenpockenvirus ebenfalls weiterverbreitet werden. Ob Affenpocken durch Samenflüssigkeit oder Vaginalflüssigkeit übertragen werden können, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, scheint aber möglich.

Zu einer Ansteckung kann es kommen, wenn das Virus an die Schleimhäute von Auge, Mund, Nase, Genitalien oder Anus gelangt. Zudem kann das Virus über kleinste Hautverletzungen in den Körper eindringen. Möglicherweise sind auch die Atemwege eine Eintrittspforte. Schwangere können das Virus auf das ungeborene Kind übertragen.

Seit Mai 2022 wurden erstmals in verschiedenen Ländern Europas, darunter auch in Deutschland, Fälle bekannt, bei denen die Ansteckung nicht auf dem afrikanischen Kontinent stattgefunden hat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den aktuellen internationalen Affenpocken-Ausbruch zur "Gesundheitlichen Notlage mit internationaler Tragweite" (Public Health Emergency of International Concern, PHEIC) erklärt.

Die aktuellen Fallzahlen sowie eine Einschätzung der derzeitigen Situation in Deutschland sind beim Robert Koch-Institut (RKI) abrufbar. 

 

Vorbeugung

Für Menschen, die an Affenpocken erkrankt sind, gilt eine häusliche Isolierung, bis Schorf und Krusten abgefallen sind, jedoch für mindestens 21 Tage. Ausführliche Empfehlungen zur häuslichen Isolierung finden Sie in einem Flyer des Robert Koch-Instituts.

Wer engen Kontakt mit einer infizierten Person hatte, sollte sich an das örtliche Gesundheitsamt wenden. Kontakte zu anderen sollten gemieden werden. Es sollte zeitnah eine Impfung erwogen werden. Treten Anzeichen für eine Erkrankung mit Affenpocken auf, sollten diese ­­– nach telefonischer Voranmeldung – ärztlich abgeklärt werden.

Es gibt auch die Möglichkeit einer vorbeugenden Impfung gegen Affenpocken, die für Personengruppen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko (Indikationsimpfung) empfohlen wird (siehe Kapitel "Impfung gegen Affenpocken").

Umfassende Informationen zu den Affenpocken finden Sie beim Robert Koch-Institut (RKI) sowie bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Impfung gegen Affenpocken

Impfstoff

In der Europäischen Union (EU) und damit auch in Deutschland ist der Impfstoff Imvanex seit 2013 zum Schutz vor Pocken (Menschenpocken, Variola) und seit Juli 2022 auch zum Schutz gegen Affenpocken für Erwachsene zugelassen. In den USA ist der identische Impfstoff unter dem Namen Jynneos und in Kanada unter dem Namen Imvamune bereits seit mehreren Jahren gegen Affenpocken zugelassen.

Es handelt sich um einen Lebendimpfstoff, der auf einem abgeschwächten Kuhpockenvirus (modifiziertes Vaccinia-Virus Ankara, MVA-Impfstoff) beruht.

Da Imvanex noch nicht verfügbar ist, wird in Deutschland bis auf Weiteres der Impfstoff Jynneos angewendet.

 

Anwendung des Impfstoffs  

Die Impfung erfolgt in das Unterhautgewebe (subkutan).

Die Grundimmunisierung gegen das Affenpockenvirus besteht aus zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens 28 Tagen.

Bei Personen, die in der Vergangenheit bereits gegen Pocken geimpft wurden, reicht eine Impfstoffdosis des MVA-Impfstoffs als Booster gegen Affenpocken aus. Immungeschwächte Personen, die zuvor bereits gegen Pocken geimpft wurden, sollen zwei Auffrischimpfungen in einem Abstand von mindestens 28 Tagen erhalten.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist davon auszugehen, dass ein guter Basisschutz gegenüber Affenpocken bereits ab 14 Tagen nach Verabreichung der ersten Impfstoffdosis besteht. Die zweite Dosis dient insbesondere dazu, die Dauer des Impfschutzes zu verlängern.

In einer Beobachtungsstudie aus Israel wurde eine Effektivität des Impfstoffs zur Verhinderung einer Affenpockeninfektion von 79 Prozent festgestellt. Daten aus den USA belegen, dass ungeimpfte Personen bei Exposition ein 14fach höheres Risiko haben, sich mit Affenpocken zu infizieren als Personen, die ihre erste Impfstoffdosis vor mehr als 14 Tagen erhalten haben.

 

Wer geimpft werden sollte

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Impfung gegen Affenpocken als Postexpositionsprophylaxe (PEP) für Erwachsene ohne Symptome nach Kontakt (Exposition) zu Personen, die an Affenpocken erkrankt sind oder nach Kontakt zum Erreger bei Tätigkeiten in einem Labor. Hierzu zählen

  • enger körperlicher Kontakt über nicht intakte Haut oder über Schleimhäute,
  • längerer ungeschützter Kontakt zum Beispiel in Gesprächssituationen mit einem Abstand unter einem Meter,
  • enger Kontakt zu einer erkrankten Person, ihren Körperflüssigkeiten oder zu möglicherweise verunreinigtem Material (zum Beispiel Kleidung oder Bettwäsche) in der medizinischen Versorgung ohne ausreichende persönliche Schutzausrüstung (Handschuhe, FFP2-Maske oder medizinischer Mund-Nasen-Schutz und Schutzkittel),
  • ungeschützter Kontakt zu Laborproben, die nicht inaktiviertes Affenpockenmaterial enthalten, insbesondere, wenn Virusanreicherungen in Zellkulturen vorgenommen werden.

Die postexpositionelle Impfung sollte möglichst frühzeitig in einem Zeitraum von bis zu 14 Tagen nach dem Kontakt verabreicht werden, aber nur solange noch keine Symptome aufgetreten sind. Bis zu vier Tage nach Kontakt kann durch die Impfung eine Infektion verhindert werden. Wird die erste Impfstoffdosis im Zeitraum von mehr als vier bis 14 Tagen nach Kontakt verabreicht, kann die Erkrankung zwar nicht verhindert, aber die Schwere der Symptomatik noch reduziert werden.

Außerdem wird eine vorbeugende Impfung für bestimmte Personengruppen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko (Indikationsimpfung) empfohlen. Dazu zählen:

  • Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte haben (Männer, die Sex mit Männern haben, MSM) und dabei häufig die Partner wechseln,
  • Mitarbeitende in Speziallaboren, die Tätigkeiten mit infektiösen Laborproben ausüben und als infektionsgefährdet eingestuft werden.

Eine generelle Impfung wird von der STIKO basierend auf der aktuellen Risiko-Nutzen-Bewertung als nicht notwendig erachtet und wird nicht empfohlen.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei akuten Erkrankungen und Fieber ist die Impfung zu verschieben.

Bei teilen Sie Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin mit, wenn Sie Allergien insbesondere gegen Hühnereiweiß, Benzonase, Ciprofloxacin oder Gentamicin haben. Bei früheren lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen gegen Bestandteile des Impfstoffs darf dieser nicht angewendet werden.

Weitere Hinweise sind der Fachinformation zu entnehmen.

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

 

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Sehr häufige Nebenwirkungen des Affenpocken-Impfstoffs (bei 10 Prozent oder mehr der Geimpften) sind Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzen, Rötung, Schwellung, Verhärtung und Juckreiz sowie Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelschmerzen und Müdigkeit. Zu den häufigen Nebenwirkungen (1 bis unter 10 Prozent der Geimpften) zählen Knötchen an der Einstichstelle, Muskelsteifheit, Frösteln, erhöhte Körpertemperatur oder Fieber, Appetitstörungen sowie Glieder- und Gelenkschmerzen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

 

Mögliche Komplikationen

Wie bei den meisten Impfstoffen können allergische Sofortreaktionen auftreten.

Weitere mögliche Nebenwirkungen können Sie der Packungsbeilage und den Fachinformationen sowie einem Aufklärungsmerkblatt entnehmen.

Weitere Informationen finden Sie auch unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Umfassende Informationen rund um die Impfung gegen Affenpocken bietet das Robert Koch-Institut (RKI).  

09.11.2022 / Redaktion Gesundes-Kind.de
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