Hepatitis B
(infektiöse Leberentzündung)

Krankheitsbild

Die Virushepatitis "B" ist eine Krankheit der Leber, die akut oder chronisch verlaufen kann. Eine Infektion kann ganz unbemerkt bleiben oder mit Symptomen wie Fieber, Gelenkschmerzen, Gelbsucht und langfristig mit schwersten Leberschäden verbunden sein.

Erkennung und Behandlung

Eine Blutuntersuchung sichert bei Vorliegen entsprechender Krankheitszeichen die Diagnose. Bei einer akuten Hepatitis B werden meist nur die Symptome behandelt. Die chronische Hepatitis B kann durch eine aufwändige und langfristige Behandlung günstig beeinflusst werden.

Übertragung und Vorkommen

Die Viren werden durch engen (Sexual-)Kontakt oder auf dem Blutweg übertragen.

Die Hepatitis B ist weltweit verbreitet.

Vorbeugung

Nur die Impfung gibt einen Schutz vor Krankheit.

Impfstoff

Impfstoff zur Injektion (in der Spritze)

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei allen Familienmitgliedern unter 18 auf einen vollständigen Impfschutz. Am besten schauen Sie gleich mal in Ihre Impfpässe! Ihr Arzt/Ihre Ärztin oder Ihr Gesundheitsamt beraten Sie, ob Sie selbst zu einer Risikogruppe gehören, die ebenfalls geimpft sein sollte. Vor Fernreisen erkundigen Sie sich, ob eine Hepatitis-B-Impfung ratsam ist.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

>> Kostenerstattung für Impfungen außerhalb des Impfkalenders

Krankheitsbild

Symptome und Verlauf

Nach der Ansteckung vergehen ein bis sechs Monate, bis die Krankheit ausbricht. Rund ein Drittel der infizierten Erwachsenen bemerkt nichts von der Infektion. Etwa die Hälfte derer, die leicht bis schwer erkranken, entwickelt eine Gelbsucht.

In der Frühphase einer akuten Hepatitis B kommt es zu Abgeschlagenheit und einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Fieber, Appetitlosigkeit, gelegentlichen Gelenkbeschwerden und Schmerzen im rechten Oberbauch. Kommt es zur Gelbsucht, nimmt die Haut eine hell- bis dunkelgelbe Farbe an, der Harn färbt sich dunkelbraun, der Stuhl ist dagegen heller als normal. Die Oberbauchbeschwerden halten an.

In bis zu einem Prozent der Fälle kann die Hepatitis B sehr schwer verlaufen und dann auch zum Tod führen. Bis zu zehn von 100 Infizierten behalten eine chronische Hepatitis-B-Infektion zurück.

Vor allem bei Neugeborenen (über 90 Prozent) und Kleinkindern (rund 30 Prozent) kann die Krankheit chronisch werden. Eine chronische Hepatitis B kann sich sehr unterschiedlich äußern. Im günstigsten Fall kommt es zu keinen oder nur geringen Leberveränderungen, in ungünstigen Fällen verschlechtert sich der Zustand und führt nach Jahren bis Jahrzehnten zur Leberzirrhose. Alle chronisch an Hepatitis B Erkrankten besitzen ein um das Hundertfache erhöhtes Risiko für Leberkrebs.

 

Erkennung und Behandlung

Aufgrund des Krankheitsbildes wird der Arzt/die Ärztin eine Lebererkrankung vermuten und eine Blutprobe zur Untersuchung ins Labor schicken. Spezifische Antikörper und Virusbestandteile, die für das Hepatitis-B-Virus typisch sind, geben entscheidende Hinweise auf eine akute oder chronische Hepatitis-B-Infektion.

Eine akute Hepatitis B wird in der Regel nicht mit antiviralen Medikamenten behandelt. Für die chronische Hepatitis-B-Erkrankung stehen verschiedene antivirale Medikamente zur Verfügung.

Die chronische Hepatitis B kann oft medikamentös durch eine aufwändige und langfristige Behandlung günstig beeinflusst werden. Trotz beachtlicher Fortschritte ist jedoch eine sicher zur Heilung führende Therapie nicht bekannt. Bei Leberzirrhose wird auch eine Lebertransplantation erwogen.

 

Übertragung und Vorkommen

Die Hepatitis-B-Infektion ist sehr ansteckend. Schon kleinste Mengen infektiösen Blutes, die in eine Verletzung oder auf die Schleimhaut gelangen, reichen aus, das Virus zu übertragen. Das Virus kann außerdem in geringerer Konzentration in Tränenflüssigkeit, Speichel, Sperma, Vaginalsekret, Menstrualblut und Colostrum (Vormilch) enthalten sein.

Übertragungswege für das Hepatitis-B-Virus sind:

  • Sexuelle Kontakte
  • Intravenöser Drogenkonsum, insbesondere bei gemeinsam benutzten Spritzen oder Kanülen
  • Beruflicher Kontakt bei Beschäftigten im Gesundheitswesen
  • Von einer infizierten Mutter auf ihr Kind vor oder während der Geburt
  • Bei Tätowierungen und Piercings kann HBV unter Umständen ebenfalls übertragen werden, insbesondere wenn die Hygiene unzureichend ist.
  • Die Übertragung durch Blut und Blutprodukte bei einer Transfusion ist seit der Einführung entsprechender Tests extrem selten geworden.

Eine Ansteckung ist auch im häuslichen Umfeld über Gegenstände denkbar, die mit Blut eines Infizierten in Kontakt gekommen sind, beispielsweise wenn Nagelscheren oder Rasierapparate gemeinsam genutzt werden.

Während der vielen Wochen bis Monate zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit kann der Infizierte das Virus weitergeben, ohne es zu wissen. Deshalb bleiben auch häufig der Übertragungsweg und die Ansteckungsquelle unbekannt.

Hepatitis B kommt weltweit vor. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO haben etwa 2 Milliarden Menschen eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht oder haben aktuell eine Infektion. Schätzungsweise 240 Millionen Menschen haben eine chronische Hepatitis-B-Infektion. Pro Jahr sterben ungefähr 780.000 Menschen weltweit daran - 650.000 aufgrund einer durch die chronische Hepatitis-B-Infektion verursachten Zirrhose oder Leberkrebserkrankung und weitere 130.000 durch eine akute Hepatitis-B-Infektion.

Am häufigsten tritt sie in Afrika südlich der Sahara und in Ostasien auf, wo bis zu 10 Prozent der Bevölkerung eine chronische Infektion hat. Hohe Raten chronischer Infektionen sind auch im Amazonasgebiet und in den südlichen Regionen von Ost- und Zentraleuropa zu finden. In Westeuropa sowie Nordamerika sind weniger als ein Prozent der Bevölkerung chronisch infiziert. Auch in Deutschland liegt die Infektionsrate unter einem Prozent.

Deutschland traten im Jahr 2014 755 neue Hepatitis-B-Fälle auf. Die Dunkelziffer liegt aber höher.

 

Vorbeugung

Einen gewissen Schutz bieten Maßnahmen, die Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten Infizierter vermeiden (z.B. kein ungeschützter Sexualkontakt, kein gemeinsamer Gebrauch von Nadeln bei Drogenabhängigen). Im medizinischen Bereich müssen besondere Hygienemaßnahmen eingehalten werden, für Blut und Blutprodukte werden sichere Test- und Herstellungsverfahren angewandt.

Den sichersten Schutz bietet jedoch die vorbeugende Impfung.

Nach einer möglichen Infektion kann einer Krankheit vorgebeugt werden, indem sofort hochkonzentrierte spezifische Antikörper (Immunglobulin) gegen das Hepatitis-B-Virus gegeben werden (passive Immunisierung) und gleichzeitig aktiv geimpft wird. Zum Beispiel werden alle Neugeborenen infizierter Mütter sowie alle Personen, die sich mit Gegenständen verletzt haben, die möglicherweise mit Hepatitis-B-Viren kontaminiert sind, aktiv und passiv immunisiert.

Weitere Informationen siehe: "Impfungen nach möglicher Ansteckung".

Impfung

Impfstoff

Einzel- und Kombinationsimpfstoffe gegen Hepatitis B enthalten einen Teil der Virushülle, das Hepatitis-B-Oberflächenantigen (HBsAg). Dieser Teil wird in Hefezellen vermehrt.

Für Kinder wird heute bevorzugt Sechsfach-Kombinationsimpfstoff eingesetzt, mit dem gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, das Bakterium Hib, Kinderlähmung (Polio) und Hepatitis B geimpft werden kann.

Einzelimpfstoffe für Kinder bis einschließlich einem Alter von 15 Jahren enthalten weniger HBsAg als Impfstoffe für ältere Jugendliche und Erwachsene ab 16 Jahren. Für Dialysepatienten gibt es spezielle Impfempfehlungen und Impfstoffe.

Kombinierter Hepatitis-A/B-Impfstoff enthält zusätzlich abgetötetes Hepatitis-A-Virus.

 

Anwendung des Impfstoffs

In aller Regel wird der Impfstoff in den Muskel gespritzt. Falls erforderlich, können die meisten Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden.

Zur Grundimmunisierung im Kindesalter mit Sechsfach-Impfstoff sind vier Teilimpfungen vorgesehen. Die ersten drei finden in mindestens vierwöchigen Abständen mit vollendetem zweiten, dritten und vierten Lebensmonat und die vierte mindestens sechs Monate später im 11. bis 14. Lebensmonat statt. Wurde die Grundimmunisierung versäumt, sollte eine Nachholimpfung gegen Hepatitis B erfolgen (empfohlen bis zu einem Alter von 17 Jahren).

Für alle anderen Einzel- und Kombinationsimpfstoffe besteht die Grundimmunisierung aus zwei Impfungen im Abstand von einem Monat und einer dritten Impfung sechs Monate nach der ersten Dosis. Falls erforderlich kann mit einigen Impfstoffen auch eine Schnellimmunisierung durchgeführt werden: Drei Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21 oder drei Impfungen innerhalb von drei Monaten. Für den Langzeitschutz sollte dann aber sechs bis zwölf Monate nach der ersten Dosis ein viertes Mal geimpft werden.

Routinemäßige Auffrischimpfungen gegen Hepatitis B sind nicht vorgesehen. Bei Personen mit besonders hohem Ansteckungsrisiko kann eine Auffrischung ggf. sinnvoll sein.

Bei Menschen mit hohem Infektionsrisiko (z. B. medizinisches Personal und Risikopatienten) sollte der Impferfolg vier bis acht Wochen nach Abschluss der Grundimmunisierung überprüft werden. Durch die Untersuchung kann auch festgestellt werden, nach welcher Zeit eine Wiederimpfung notwendig wird. Einige wenige Personen sprechen zunächst nicht auf die Impfung an, bei einem Großteil dieser "Impfversager" kann durch weitere Impfungen doch noch ein Impfschutz aufgebaut werden.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Bei etwa 95 Prozent der gesunden geimpften Personen besteht Schutz vor der Krankheit.
Der Impfschutz hält mindestens zehn Jahre an und verhindert gleichzeitig auch eine Infektion mit Hepatitis D. Langzeitstudien weisen auf eine Schutzwirkung für mehr als 20 Jahre hin.

Manchen Personen − oft jenseits des 40. Lebensjahres oder bei Dialysepatienten − haben nach der Grundimmunisierung keinen ausreichenden Schutz. Je nach Infektionsrisiko wird dann empfohlen, den Impferfolg zu testen und gegebenenfalls erneut zu impfen.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Hepatitis-B-Impfung ist eine allgemeine, von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für Kinder und Jugendliche ab einem Alter von zwei Monaten. Bislang ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Jugendliche (bis 17 Jahren) sollten die Impfung baldmöglichst nachholen.

Eine Hepatitis-B-Impfung wird außerdem Erwachsenen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko empfohlen:

  • Personen, bei denen aufgrund einer vorliegenden oder zu erwartenden Immundefizienz bzw. Immunsuppression ein schwerer Verlauf für eine Hepatitis-B-Erkrankung zu erwarten ist, wie z.B. HIV-Positive, Dialysepatienten, Hepatitis-C-Positive.Personen mit erhöhtem nichtberuflichen Ansteckungsrisiko, z.B. bei Kontakt zu HBsAg-Trägern in Familie/Wohngemeinschaft, Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko, i.v. Drogenkonsumenten, Gefängnisinsassen, ggf. Patienten psychiatrischer Einrichtungen.
  • Personen mit erhöhtem beruflichen Ansteckungsrisiko, z. B. Personal in medizinischen Einrichtungen (einschließlich Auszubildender, Labor- und Reinigungspersonal), Ersthelfer, Polizisten, Personal in Gefängnissen, Asylbewerberheimen, Behinderteneinrichtungen u.s.w.
  • vor Reisen - je nach individuellem Risiko

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal− und Allgemeinreaktionen

Sechsfach-Impfung: Die Impfstelle ist sehr häufig gerötet, geschwollen und schmerzt. Gelegentlich schwellen die Lymphknoten in der Nähe ebenfalls an oder das gesamte Bein bzw. der gesamte Arm sind von einer Schwellung betroffen. Allgemeinsymptome wie leichtes bis mäßiges Fieber, grippeähnliche Symptome (Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Schläfrigkeit), Unruhe, Reizbarkeit, ungewöhnliches Schreien oder Magen-Darm-Beschwerden (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) können auftreten. Häufig werden nach der Impfung Fieber über 39 Grad Celsius, Virusinfektionen und Infektionen der oberen Atemwege (Bronchitis) beobachtet.

Einzelimpfstoff: Bei bis zu einem Zehntel der Geimpften schmerzt die Impfstelle, schwillt an und rötet sich; gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe mit an.
Selten kommt es zu Allgemeinsymptomen wie leichtem Fieber, Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit. In sehr seltenen Einzelfällen erhöhen sich die Leberenzymwerte in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung.

Wird Hepatitis-A/B-Kombinationsimpfstoff verwendet, können außerdem Allgemeinreaktionen wie Übelkeit, Erbrechen und Schwindel auftreten.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Sechsfach-Impfung: In einzelnen Fällen kann es im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf kommen. Er bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Allergische Reaktionen auf den Impfstoff sind möglich. Ebenfalls in Einzelfällen kam es nach dieser Impfung zu einer hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE). Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück. Auch diese Kinder sollten vollständig geimpft werden.

Einzelimpfstoff: Wie bei vielen Impfstoffen ist in sehr seltenen Einzelfällen eine anaphylaktische Sofortreaktion möglich. Ebenso in Einzelfällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen (Nesselsucht, niedriger Blutdruck, Gefäßentzündung).

Wird Hepatitis-A/B-Kombinationsimpfstoff verwendet, kann es ebenfalls sehr selten zu allergischen Reaktionen bis hin zum Schock oder zu einer akuten Unverträglichkeitsreaktion mit Nesselsucht, Gefäßentzündung und Juckreiz kommen.

In aktuellen Studien konnte kein ursächlicher Zusammenhang zwischen Hepatitis-B-Impfung und Multipler Sklerose (eine Krankheit des Nervensystems), Autismus (eine Krankheit die sich mit Abkapseln gegenüber der Umwelt, mit Angst vor Veränderungen und mit Entwicklungsverzögerungen darstellt), M. Crohn (eine Form einer chronisch-entzündlichen Darmkrankheit) oder anderen Krankheiten gefunden werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

24.04.2017 / MK
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