Impfung gegen Hepatitis B
(Virusinfektion der Leber)

Krankheitsbild

Die Hepatitis B ist eine Virusinfektion der Leber, die akut oder chronisch verlaufen kann. Eine Infektion kann ganz unbemerkt bleiben oder mit Symptomen wie Fieber, Gelenkschmerzen, Gelbsucht und langfristig mit schwersten Leberschäden verbunden sein.  

Übertragung und Vorkommen

Hepatitis-B-Viren werden durch engen (Sexual-)Kontakt, auf dem Blutweg oder während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen.

Die Hepatitis B ist weltweit verbreitet.

Vorbeugung

Den sichersten Schutz vor Hepatitis B bietet die Impfung.

Impfstoff

Einzel- und Kombinationsimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze)

Impfempfehlung

Grundimmunisierung für alle Kinder ab einem Alter von zwei Monaten (bevorzugt mit Sechsfach-Impfstoff), ggf. Nachholimpfung bis zum Alter von 17 Jahren;
Impfung für Erwachsene bei erhöhtem Risiko

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei allen Familienmitgliedern im Kindes- und Jugendalter auf einen vollständigen Impfschutz. Am besten schauen Sie gleich mal in Ihre Impfpässe! Ihr Arzt/Ihre Ärztin oder Ihr Gesundheitsamt beraten Sie, ob Sie selbst zu einer Risikogruppe gehören, die ebenfalls geimpft sein sollte. Vor Fernreisen erkundigen Sie sich, ob eine Hepatitis-B-Impfung ratsam ist.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

>> Kostenerstattung für Impfungen außerhalb des Impfkalenders

Krankheitsbild Hepatitis-B-Infektion

Symptome und Verlauf

Nach der Ansteckung mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) vergehen im Durchschnitt zwei bis vier Monate (30 bis 180 Tage), bis eine akute Erkrankung ausbricht.

Rund ein Drittel der infizierten Erwachsenen bemerkt nichts von der Infektion. Etwa die Hälfte derer, die leicht bis schwer erkranken, entwickelt eine Gelbsucht. In bis zu einem Prozent der Fälle verläuft die Hepatitis B sehr schwer und kann zu einem akuten Leberversagen führen.

Die Frühphase einer akuten Hepatitis B beginnt mit allgemeinen Symptomen wie Appetitlosigkeit, Gelenkbeschwerden, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Kommt es zur Gelbsucht, nimmt die Haut eine hell- bis dunkelgelbe Farbe an und der Harn färbt sich dunkel. Eine vollständig ausgeheilte akute Hepatitis B führt zu lebenslanger Immunität. Es können jedoch kleine Mengen des Virus bzw. Virus-DNA im Körper verbleiben und bei einer Unterdrückung der Immunabwehr, zum Beispiel bei einer Stammzelltransplantation oder Chemotherapie, kann die Hepatitis wieder aufflammen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO entwickeln bis zu fünf von 100 HBV-infizierten Erwachsenen eine chronische Hepatitis B, häufig ohne dass eine akute Erkrankung bemerkt wurde. Die Gefahr einer chronischen Verlaufsform ist bei Kindern besonders hoch. Bei rund 90 Prozent der infizierten Neugeborenen und bei 30 bis 50 Prozent der Kinder unter sechs Jahren wird die Hepatitis B chronisch.

Eine chronische Hepatitis B kann zu Schädigungen der Leber bis hin zur Leberzirrhose führen. Das Risiko für Leberkrebs ist um das Hundertfache erhöht.

 

Erkennung und Behandlung

Aufgrund des Krankheitsbildes wird der Arzt/die Ärztin eine Lebererkrankung vermuten und eine Blutprobe zur Untersuchung ins Labor schicken.

Eine akute Hepatitis B wird in der Regel nicht mit antiviralen Medikamenten behandelt, es werden nur die Beschwerden gelindert.

Bei chronischer Hepatitis-B-Erkrankung werden verschiedene antiviral wirkende Medikamente eingesetzt, um das Fortschreiten der Zirrhose zu verlangsamen, das Risiko für Leberkrebs zu reduzieren und die Lebenserwartung des Patienten zu verbessern. Eine Heilung der Hepatitis-B-Infektion ist durch die zur Verfügung stehenden Medikamente meist nicht möglich, in der Regel wird nur die Vermehrung der Viren gehemmt. Die Therapie ist langwierig und muss zum Teil lebenslang fortgeführt werden.

 

Übertragung und Vorkommen

Eine Hepatitis-B-Infektion ist sehr ansteckend. Schon kleinste Mengen infektiösen Blutes, die in eine Hautverletzung oder auf die Schleimhaut gelangen, reichen aus, das Virus zu übertragen. Das Virus kann außerdem in geringerer Konzentration in Tränenflüssigkeit, Speichel, Sperma, Vaginalsekret, Menstrualblut und Colostrum (Vormilch) enthalten sein.

Außerhalb des menschlichen Körpers kann das Hepatitis-B-Virus mindestens 7 Tage überleben und eine Infektion verursachen, wenn es in den Körper gelangt.

Wichtige Übertragungswege für das Hepatitis-B-Virus sind:

  • sexuelle Kontakte,
  • intravenöser Drogenkonsum, insbesondere bei gemeinsam benutzten Spritzen oder Kanülen,
  • beruflicher Kontakt bei Beschäftigten im Gesundheitswesen,
  • von einer infizierten Mutter auf ihr Kind während der Geburt,
  • Tätowierungen und Piercings bei unzureichender Hygiene.

Die Übertragung durch Blut und Blutprodukte bei einer Transfusion ist seit der Einführung entsprechender Tests extrem selten geworden.

Eine Ansteckung ist auch im häuslichen Umfeld über Gegenstände denkbar, die mit Blut eines Infizierten in Kontakt gekommen sind, beispielsweise wenn Rasierapparate gemeinsam genutzt werden und es dabei zu Hautverletzungen kommt, oder in Pflegeeinrichtungen, wenn beispielsweise Zubehör für Blutzuckermessungen bei Diabetikern unsachgemäß verwendet wird.

Bereits während der Wochen bis Monate zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit kann ein Infizierter das Hepatitis-B-Virus weitergeben, ohne es zu wissen. Auch chronisch Infizierte, die kaum oder keine Symptome zeigen, sind ansteckend. Deshalb bleiben häufig der Übertragungsweg und die Ansteckungsquelle einer Hepatitis-B-Infektion unbekannt.

Hepatitis B kommt weltweit vor. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO haben weltweit etwa 2 Milliarden Menschen eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht oder haben aktuell eine Infektion. Schätzungsweise 257 Millionen tragen derzeit das Hepatitis-B-Virus. Im Jahr 2015 starben der WHO zufolge 887.000 Menschen an den Folgen einer Hepatitis B wie Leberzirrhose und Leberkrebs.

Am häufigsten tritt die Hepatitis B in der WHO-Region Afrika und im Westpazifischen Raum auf, wo mehr als 6 Prozent der erwachsenen Bevölkerung infiziert sind. In der östlichen Mittelmeerregion sind 3,3 Prozent, in Südostasien 2 Prozent, in der WHO-Region Europa 1,6 Prozent und in der Region Amerika 0,7 Prozent der Allgemeinbevölkerung HBV-infiziert.

Die Verbreitung in Europa ist regional sehr unterschiedlich. In einer Bundesgesundheitsuntersuchung des Robert Koch-Instituts, die in den Jahren 2008 bis 2011 durchgeführt wurde, wiesen 5,1 Prozent der Erwachsenen eine ausgeheilte oder eine aktive Hepatitis-B-Infektion auf. Aktuell hatten 0,3 Prozent eine akute oder chronische HBV-Infektion. Diese im Vergleich zu früheren Untersuchungen rückläufigen Raten weisen auf Erfolge der empfohlenen Impfung gegen Hepatitis B hin.

 

Vorbeugung

Einen gewissen Schutz vor einer Hepatitis-B-Infektion bieten Maßnahmen, die Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten Infizierter vermeiden (z.B. kein ungeschützter Sexualkontakt, keine gemeinsame Benutzung von Nagelscheren, Zahnbürsten oder Rasierapparaten, kein gemeinsamer Gebrauch von Nadeln bei Drogenabhängigen). Im medizinischen Bereich müssen besondere Hygienemaßnahmen eingehalten werden, für Blut und Blutprodukte werden sichere Test- und Herstellungsverfahren angewandt.

Den sichersten Schutz vor Ansteckung mit Hepatitis B bietet jedoch die vorbeugende Impfung.

Impfung gegen Hepatitis B

Impfstoff

Gegen Hepatitis B stehen Einzel- und Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung. Impfstoffe gegen Hepatitis B enthalten einen Teil der Virushülle, das Hepatitis-B-Oberflächenantigen (HBsAg).

Zur Grundimmunisierung gegen Hepatitis B im Säuglingsalter wird bevorzugt Sechsfach-Kombinationsimpfstoff eingesetzt, mit dem außer gegen Hepatitis B gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Kinderlähmung (Polio) und Keuchhusten (Pertussis) geimpft wird.

Außerdem stehen Einzelimpfstoffe und kombinierte Hepatitis-A/B-Impfstoffe in verschiedenen Dosierungen für Erwachsene und Kinder zur Verfügung.

 

Anwendung des Impfstoffs

In aller Regel wird der Impfstoff in den Muskel gespritzt. Falls erforderlich, können die meisten Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden.

Eine Impfung gegen Hepatitis B ist für alle Kinder und Jugendlichen ab einem Alter von zwei Monaten (bis spätestens zum 18. Geburtstag) sowie für Erwachsene mit erhöhtem Risiko vorgesehen (siehe „Wer geimpft sein sollte“).

Zur Grundimmunisierung im Säuglingsalter mit Sechsfach-Impfstoff empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO vier Teilimpfungen: Die ersten drei Impfungen erfolgen in mindestens vierwöchigen Abständen mit vollendetem zweiten, dritten und vierten Lebensmonat. Die vierte Impfung wird mindestens sechs Monate später im Alter von 11 bis 14 Monaten verabreicht.

Bei Einzelimpfstoff gegen Hepatitis B und Hepatitis A/B-Kombinationsimpfstoff besteht die Grundimmunisierung aus zwei Impfungen im Abstand von einem Monat und einer dritten Impfung sechs Monate nach der ersten Dosis.

Falls beispielsweise vor einer Reise erforderlich, kann mit einigen Impfstoffen auch eine Schnellimmunisierung gegen Hepatitis B mit Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21 durchgeführt werden. Für den Langzeitschutz sollte zwölf Monate nach der ersten Dosis ein viertes Mal geimpft werden.

Routinemäßige Auffrischimpfungen gegen Hepatitis B sind nicht vorgesehen. Bei besonders gefährdeten Personen kann eine Auffrischung ggf. sinnvoll sein (siehe „Wer geimpft sein sollte“).

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Bei etwa 95 Prozent der gesunden geimpften Personen führt die Impfung zu einem ausreichenden Schutz vor Hepatitis B. Mit zunehmendem Alter sowie bei Störungen des Immunsystems kann die Bildung schützender Antikörper jedoch beeinträchtigt sein.

Je nach Infektionsrisiko wird empfohlen, den Impferfolg zu testen und gegebenenfalls erneut zu impfen (siehe „Wer geimpft sein sollte“).

 

Wer geimpft sein sollte

Die Hepatitis-B-Impfung ist

  • eine allgemeine, von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für Kinder und Jugendliche ab einem Alter von zwei Monaten. Wurde die Grundimmunisierung im Kleinkindalter versäumt, sollte diese möglichst noch vor der Pubertät, spätestens aber bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt eine Hepatitis-B-Impfung darüber hinaus besonders gefährdeten Erwachsenen. Dazu zählen:

  • Personen, bei denen aufgrund einer Immundefizienz bzw. Immunsuppression oder wegen einer anderen Erkrankung ein schwerer Verlauf für eine Hepatitis-B-Erkrankung zu erwarten wäre, wie z.B. Dialysepatienten, HIV-Positive oder Hepatitis-C-Positive,
  • Personen mit erhöhtem nichtberuflichen Ansteckungsrisiko, z.B. bei Kontakt zu Hepatitis-B-Virus-Trägern in der Familie oder Wohngemeinschaft, bei Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko oder bei intravenösem Drogenkonsum,
  • Personen mit erhöhtem beruflichen Ansteckungsrisiko (einschließlich Auszubildende, Praktikanten, Studierende) und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Ansteckungsrisiko , z. B. Personal in medizinischen Einrichtungen (einschließlich Labor- und Reinigungspersonal), Ersthelfer, Polizisten, Personal in Gefängnissen, Asylbewerberheimen, Behinderteneinrichtungen usw.,
  • Reisende je nach individueller Gefährdung (bitte beachten Sie die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Ihr Reiseziel).

Bei besonders gefährdeten Menschen sollte vier bis acht Wochen nach Abschluss der Impfserie der Impferfolg mittels einer Blutuntersuchung überprüft und ggf. nachgeimpft werden. War die Impfung erfolgreich, ist in der Regel keine Auffrischimpfung erforderlich. Bei Menschen mit Immunschwäche sollten jedoch jährlich und bei Menschen mit besonders hohem Ansteckungsrisiko alle 10 Jahre die Antikörperspiegel überprüft werden und ggf. eine Auffrischimpfung erfolgen.

 

Impfung nach möglicher Ansteckung mit Hepatitis B

Bei unzureichendem Immunschutz erfolgt nach einer möglichen Ansteckung mit Hepatitis B eine postexpositionelle Impfung (aktive Immunisierung) und zusätzlich werden spezifische Antikörper (Immungobuline) gegeben (passive Immunisierung). Zum Beispiel werden alle Neugeborenen infizierter Mütter sowie Personen ohne ausreichenden Impfschutz, die sich mit Gegenständen verletzt haben, die möglicherweise mit Hepatitis-B-Viren kontaminiert sind, aktiv und passiv immunisiert.

Weitere Informationen siehe: "Impfungen nach einer möglichen Ansteckung".

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.

Bei einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung und Fieber ist die Impfung zu verschieben.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Hepatitis B zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal− und Allgemeinreaktionen

Sehr häufige Impfreaktionen aufgrund der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff sind Schwellungen, Rötungen und Schmerzhaftigkeit an der Impfstelle. Gelegentlich schwellen die Lymphknoten in der Nähe ebenfalls an. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit kommen. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall sind möglich. Bei der Impfung mit Sechsfach-Impfstoff kann es außerdem zu ungewöhnlichem Schreien, Unruhe und Reizbarkeit kommen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend und klingen in der Regel rasch und folgenlos ab.

Mögliche Komplikationen

Wie bei den meisten Impfstoffen können in seltenen Fällen allergische Reaktionen auftreten.

Bei der Sechsfach-Impfung kann in einzelnen Fällen im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind ein Fieberkrampf auftreten. Dieser bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Ebenfalls in Einzelfällen kann es nach dieser Impfung zu einer hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE) kommen. Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück.

Weitere Informationen finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird Sie individuell beraten und vor der Impfung ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter „Information vor der Impfung“.

01.09.2017 / MK
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