Impfung gegen
Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

Krankheitsbild

Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) verursacht besonders bei Säuglingen und Kleinkindern verschiedene schwere Krankheiten. Zu ihnen gehören Lungenentzündung (Pneumonie), Hirnhautentzündung (Meningitis) und Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) sowie Blutvergiftung (Sepsis) und Entzündungen von Knochenmark (Osteomyelitis) und Gelenken (Arthritis).

Übertragung und Vorkommen

Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, vor allem beim Niesen und Husten, sowie durch direkten Kontakt mit Sekreten aus den Atemwegen. Infektionen mit Hib treten weltweit auf.

Vorbeugung

Gegen Hib stehen Schutzimpfungen zur Verfügung. Bei engem Kontakt zu Erkrankten können vorbeugend Antibiotika sinnvoll sein.

Impfstoff

Kombinationsimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze)

Impfempfehlung

Impfung für alle Kinder ab einem Alter von zwei Monaten. Nachholimpfungen sollten baldmöglichst und vor dem fünften Geburtstag erfolgen.

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Säugling auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz. Am besten schauen Sie gleich mal in seinen Impfpass!

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild Hib-Infektion

Symptome und Verlauf

Haemophilus influenzae sind Bakterien, die als unbekapselte sowie bekapselte Stämme auftreten. Die bekapselten Stämme werden in sechs Typen (a bis f) eingeteilt. Darunter ist Kapseltyp b, für den eine Impfung zur Verfügung steht, der für den Menschen wichtigste Krankheitserreger. Gefährdet, an einer Haemophilus influenzae-Infektion zu erkranken, sind vor allem Kinder unter fünf Jahren.

Haemophilus influenzae Typ b (Hib) kann den Nasen-Rachen-Raum besiedeln, ohne dass Krankheitszeichen auftreten. Auch die Scheide kann von Haemophilus influenzae besiedelt sein.

Der Erreger kann sich vermehren und zu einer eitrigen Infektion der Atemwege bis hin zur Lungenentzündung (Pneumonie) führen. Augen (Konjunktivitis) und Ohren (Otitis media) können ebenfalls betroffen sein. Verbreitet sich das Bakterium im Körper, kann es zu schweren (invasiven) Erkrankungen wie Hirnhautentzündung (Meningitis), Kehldeckelentzündung (Epiglottitis), Blutvergiftung (Sepsis) sowie unter anderem zu Entzündungen von Gelenken (Arthritis), Knochenmark (Osteomyelitis) oder der Haut (Phlegmone), zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) kommen.

Eine Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) beginnt plötzlich mit Fieber, Schluckbeschwerden und Atemnot. Durch das extrem starke und schnelle Anschwellen der oberen Atemwege kann es innerhalb kürzester Zeit zu einer lebensbedrohlichen Atemnot bis hin zum Ersticken kommen.

Symptome der Hirnhautentzündung (Meningitis) sind Fieber, Erbrechen, Lethargie und Nackensteife, bei Säuglingen ist oft die Fontanelle vorgewölbt. In schweren Fällen kann es zu Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma kommen. Es besteht ein hohes Risiko für Folgeschäden: Bis zu 25 Prozent entwickeln einen dauerhaften Hörverlust oder neurologische Langzeitschäden. In Industrieländern sterben etwa fünf Prozent der Betroffenen

 

Erkennung und Behandlung

Bei Verdacht auf eine Hib-Infektion kann das Bakterium zum Beispiel im Nasen- oder Rachenabstrich, im Blut oder in Nervenwasser (Liquor) nachgewiesen werden.

Eine Hib-Erkrankung muss frühzeitig mit Antibiotika behandelt werden. Ab 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.

 

Übertragung und Vorkommen

Haemophilus influenzae wird durch Erkrankte, aber auch durch gesunde Träger vor allem durch Tröpfcheninfektion oder auch durch direkten Kontakt mit Atemwegssekreten von Mensch zu Mensch übertragen. Während der Geburt kann eine Übertragung auf das Neugeborene im Geburtskanal erfolgen.

Haemophilus influenzae kommt weltweit vor. Nach Angaben des European Center for Disease Control (ECDC) erkrankten vor Einführung der Impfung gegen Hib jährlich von 100.000 Kindern unter fünf Jahren in Europa durchschnittlich 41, in den USA 88, in Lateinamerika 60 und in Asien 40 an einer invasiven Hib-Infektion. Die Impfung hat die Rate invasiver Hib-Erkrankungen dramatisch gesenkt.

In Deutschland sind invasive Hib-Erkrankungen nach der Einführung der Impfung 1990 mit 10 bis 35 Fällen pro Jahr selten geworden. Im Jahr 2019 wurden 954 Fälle von invasiven Infektionen mit Haemophilus influenzae gemeldet, darunter 27 Fälle, in denen Haemophilus influenzae Typ b als Erreger spezifiziert wurde.

 

Vorbeugung

Die Impfung schützt vor Erkrankungen an Haemophilus influenzae Typ b, nicht jedoch gegen andere Haemophilus influenzae-Stämme. 

Bei engem Kontakt zu Personen, die an Hib erkrankt sind, können vorbeugend Antibiotika sinnvoll sein, ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder bis vier Jahren sollten zudem nachgeimpft werden.

Impfung gegen Hib (Haemophilus influenzae Typ b)

Impfstoff

Zur Impfung gegen Hib stehen verschiedene Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung. Die Hib-Komponente enthält Bestandteile (Polysaccharide) der Kapsel des Bakteriums Haemophilus influenzae Typ b, die an ein Eiweiß gekoppelt wurden (Konjugatimpfstoff).

 

Anwendung des Impfstoffs

Die Kombinationsimpfstoffe werden in den Muskel gespritzt.

Zur Grundimmunisierung im Säuglings- und Kleinkindalter wird bevorzugt Sechsfach-Kombinationsimpfstoff eingesetzt, mit dem außer gegen Hib auch gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Polio) und Hepatitis B geimpft wird. Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt hierfür bei reifgeborenen Säuglingen drei Impfungen (2+1-Schema): Die ersten beiden Impfungen sollen im Alter von 2 und von 4 Monaten in einem Abstand von 2 Monaten gegeben werden. Die dritte Impfung soll im Alter von 11 Monaten mit einem Abstand von mindestens 6 Monaten zur vorherigen Impfung erfolgen.

Frühgeborene, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren sind, sollen nach dem 3+1-Impfschema mit vier Impfstoffdosen geimpft werden, und zwar im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten. Zwischen den ersten drei Impfstoffdosen soll jeweils ein Mindestabstand von 4 Wochen liegen; zwischen der dritten und vierten Impfstoffdosis ist ein Mindestabstand von 6 Monaten einzuhalten.

Auffrischimpfungen gegen Hib sind nicht vorgesehen.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Die Hib-Impfung schützt zuverlässig vor Infektionen. Mehr als 98 Prozent der Geimpften bilden schützende Antikörper.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Hib-Impfung ist eine von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder im Alter von 2 Monaten bis 4 Jahren. Bei Ungeimpften oder unvollständig Geimpften sollten baldmöglichst und vor dem 5. Geburtstag Nachholimpfungen erfolgen.

Ab dem Alter von 5 Jahren ist eine Hib-Impfung in der Regel nicht mehr vorgesehen. Ausnahmen sind Personen, denen die für das Immunsystem wichtige Milz von Geburt an fehlt oder bei einer Operation entfernt werden muss bzw. deren Milz nicht funktionsfähig ist.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.

Weitere Gegenanzeigen, bei denen die Impfstoffe nicht angewendet werden dürfen, sind der Packungsbeilage zu entnehmen.

Bei einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung und Fieber ist die Impfung zu verschieben.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Hib zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Sehr häufige Impfreaktionen aufgrund der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff sind Schwellungen, Rötungen und Schmerzhaftigkeit an der Impfstelle. Lymphknoten in der Nähe können ebenfalls anschwellen. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit kommen. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall sind möglich. Außerdem kann es zu ungewöhnlichem Schreien, Unruhe und Reizbarkeit kommen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend und klingen in der Regel rasch und folgenlos ab.

Mögliche Komplikationen

Wie bei den meisten Impfstoffen ist eine allergische Reaktion möglich.

Bei Kombinationsimpfstoffen mit Keuchhusten-Komponente kann es in einzelnen Fällen im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf kommen. Dieser bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Ebenfalls in Einzelfällen kann eine hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE) auftreten. Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind in der Packungsbeilage aufgeführt.

Weitere Informationen finden Sie auch unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird Sie individuell beraten und vor der Impfung ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter „Information vor der Impfung“.

01.09.2021 / Redaktion Gesundes-Kind.de
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