Impfung gegen
Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

Krankheitsbild

Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) verursacht besonders bei Säuglingen und Kleinkindern verschiedene schwere Krankheiten. Zu ihnen gehören Lungenentzündung (Pneumonie), Hirnhautentzündung (Meningitis) und Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) sowie Blutvergiftung (Sepsis) und Entzündungen von Knochenmark (Osteomyelitis) und Gelenken (Arthritis).

Übertragung und Vorkommen

Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, vor allem beim Niesen und Husten, sowie durch direkten Kontakt mit Sekreten aus den Atemwegen. Infektionen mit Hib treten weltweit auf.

Vorbeugung

Die Impfung bietet Schutz vor der Krankheit. Hatten Ungeimpfte engen Kontakt zu Erkrankten, können vorbeugend Antibiotika gegeben werden.

Impfstoff

Kombinationsimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze)

Impfempfehlung

Impfung für alle Kinder ab einem Alter von zwei Monaten bis zu vier Jahren

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Säugling auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz. Am besten schauen Sie gleich mal in seinen Impfpass!

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild Hib-Infektion

Symptome und Verlauf

Haemophilus influenzae sind Bakterien, die als unbekapselte sowie bekapselte Stämme auftreten. Die bekapselten Stämme werden in sechs Typen (a bis f) eingeteilt. Darunter ist Kapseltyp b, für den eine Impfung zur Verfügung steht, der für den Menschen wichtigste Krankheitserreger. Gefährdet, an einer Hib-Infektion zu erkranken, sind vor allem Säuglinge und Kinder unter fünf Jahren.

Haemophilus influenzae Typ b (Hib) kann den Nasen-Rachen-Raum besiedeln, ohne dass Krankheitszeichen auftreten. Der Erreger kann sich jedoch auch vermehren und zu einer eitrigen Infektion der Atemwege bis hin zur Lungenentzündung (Pneumonie) führen. Verbreitet sich das Bakterium im Körper, kann es zu schweren (invasiven) Erkrankungen wie Hirnhautentzündung (Meningitis), Kehldeckelentzündung (Epiglottitis), Blutvergiftung (Sepsis) sowie zu Entzündungen von Gelenken (Arthritis), Knochenmark (Osteomyelitis) oder zu einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) kommen.

Eine Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) beginnt plötzlich mit Fieber, Schluckbeschwerden und Atemnot. Durch das extrem starke und schnelle Anschwellen der oberen Atemwege kann es innerhalb kürzester Zeit zu einer lebensbedrohlichen Atemnot bis hin zum Ersticken kommen. Die Sterblichkeit liegt bei fünf bis zehn Prozent.

Symptome der Hirnhautentzündung (Meningitis) sind Fieber, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen und Nackensteife, bei Säuglingen ist oft die Fontanelle vorgewölbt. In schweren Fällen kann es zu Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma kommen. Selbst mit moderner antibiotischer Therapie sterben noch etwa fünf Prozent der Betroffenen oder es können Hörverlust, Entwicklungsstörungen oder epileptische Anfälle zurückbleiben.

 

Erkennung und Behandlung

Bei Verdacht auf eine Hib-Infektion kann das Bakterium zum Beispiel im Nasen- oder Rachenabstrich, im Blut oder in Nervenwasser (Liquor) nachgewiesen werden.

Eine Hib-Erkrankung muss frühzeitig mit Antibiotika behandelt werden.

 

Übertragung und Vorkommen

Hib wird durch Erkrankte, aber auch durch gesunde Träger vor allem durch Tröpfcheninfektion oder auch durch direkten Kontakt mit Atemwegssekreten von Mensch zu Mensch übertragen.

Haemophilus influenzae kommt weltweit vor. Nach Angaben des European Center for Disease Control (ECDC) erkrankten vor Einführung der Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b jährlich in Europa durchschnittlich 41, in den USA 88, in Lateinamerika 60 und in Asien 41 von 100.000 Kindern unter fünf Jahren an einer invasiven Hib-Infektion. Die Impfung hat die Rate invasiver Hib-Erkrankungen dramatisch gesenkt.

In Deutschland sind invasive Hib-Erkrankungen dank der 1990 eingeführten Impfung sehr selten geworden. Im Jahr 2015 wurden noch 20 Fälle gemeldet, in denen Hib als Erreger spezifiziert wurde.

 

Vorbeugung

Die Impfung schützt vor Erkrankungen an Haemophilus influenzae Typ b, nicht jedoch gegen andere Haemophilus influenzae-Stämme. Hatten Ungeimpfte engen Kontakt zu Erkrankten, können vorbeugend Antibiotika gegeben werden.

Impfung gegen Hib (Haemophilus influenzae Typ b)

Impfstoff

Zur Impfung gegen Hib stehen verschiedene Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung. Die Hib-Komponente enthält Bestandteile (Polysaccharide) der Kapsel des Bakteriums Haemophilus influenzae Typ b, die an ein Eiweiß gekoppelt wurden (Konjugatimpfstoff). Für Kinder wird bevorzugt Sechsfach-Kombinationsimpfstoff eingesetzt, mit dem außer gegen Hib auch gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Polio) und Hepatitis B geimpft wird.

 

Anwendung des Impfstoffs

Die Kombinationsimpfstoffe werden in den Muskel gespritzt.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt zur Grundimmunisierung vier Teilimpfungen: Die ersten drei Impfungen erfolgen in mindestens vierwöchigen Abständen mit vollendetem zweiten, dritten und vierten Lebensmonat und die vierte Impfung mindestens sechs Monate später im Alter von 11 bis 14 Monaten.

Auffrischimpfungen gegen Hib sind nicht vorgesehen.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Die Hib-Impfung schützt zuverlässig vor Infektionen. Mehr als 98 Prozent der Geimpften bilden schützende Antikörper.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Hib-Impfung ist eine von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von zwei Monaten bis zu vier Jahren. Bei Ungeimpften oder unvollständig Geimpften bis zu einem Alter von vier Jahren sollten baldmöglichst Nachholimpfungen erfolgen.

Ab dem Alter von fünf Jahren ist eine Hib-Impfung in der Regel nicht mehr vorgesehen. Ausnahmen sind Personen, denen die für das Immunsystem wichtige Milz von Geburt an fehlt oder bei einer Operation entfernt werden muss bzw. deren Milz nicht funktionsfähig ist.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.

Bei einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung und Fieber ist die Impfung zu verschieben.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Sehr häufige Impfreaktionen aufgrund der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff sind Schwellungen, Rötungen und Schmerzhaftigkeit an der Impfstelle. Lymphknoten in der Nähe können ebenfalls anschwellen. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit kommen. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall sind möglich.

Bei Kombinationsimpfstoffen mit Keuchhusten-Komponente kann in seltenen Fällen die gesamte Gliedmaße anschwellen, in die geimpft wurde. Außerdem kann es zu ungewöhnlichem Schreien, Unruhe und Reizbarkeit kommen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend und klingen in der Regel rasch und folgenlos ab.

 

Mögliche Komplikationen

Wie bei den meisten Impfstoffen ist eine allergische Reaktion möglich.

Bei Kombinationsimpfstoffen mit Keuchhusten-Komponente kann es in einzelnen Fällen im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf kommen. Dieser bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Ebenfalls in Einzelfällen kann eine hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE) auftreten. Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück.

Weitere Informationen finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird Sie individuell beraten und vor der Impfung ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter „Information vor der Impfung“.

20.06.2017 / MK
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