Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

Krankheitsbild

Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) verursacht besonders bei Säuglingen und Kleinkindern verschiedene schwere Krankheiten. Zu ihnen gehört die Hirnhautentzündung (Meningitis), die Kehldeckelentzündung (Epiglottitis), die Lungenentzündung (Pneumonie), die Blutvergiftung (Sepsis) sowie die Entzündung von Knochenmark (Osteomyelitis) und Gelenken (Arthritis).

Erkennung und Behandlung

Eine Infektion mit Hib wird durch Labortests nachgewiesen. Behandelt wird mit Antibiotika.

Übertragung und Vorkommen

Das Bakterium wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, vor allem beim Niesen und Husten sowie durch direkten Kontakt, seltener auch durch Gegenstände, auf denen sich das Bakterium befindet. Drei bis fünf Prozent aller gesunden Menschen tragen den Erreger unbemerkt im Nasen-Rachen-Raum. Infektionen mit Hib treten weltweit auf.

Vorbeugung

Die Impfung bietet Schutz vor der Krankheit. Hatten Ungeimpfte engen Kontakt zu Erkrankten, können vorbeugend Antibiotika gegeben werden.

Impfstoff

Impfstoff zur Injektion (in der Spritze)

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Säugling auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz. Am besten schauen Sie gleich mal in seinen Impfpass!

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild

Symptome und Verlauf

Hib kann verschiedene Krankheitsbilder verursachen. Am häufigsten ist die eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis) und die Kehldeckelentzündung (Epiglottitis). Hib-Bakterien können auch ins Blut gelangen und sich in den Knochen und Gelenken ansiedeln. Häufig besiedeln Hib-Bakterien (Haemophilus influenzae Typ b) den Nasen-Rachenraum, ohne dass es zu einer Erkrankung kommt. Vor allem wenn der Organismus durch eine andere Infektion, zum Beispiel eine Virusinfektion der Atemwege, geschwächt ist, kann es zum Ausbruch einer Erkrankung kommen.

Kehldeckelentzündung: Eine Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) beginnt plötzlich mit Fieber, Halsschmerzen und Atemnot. Durch das extrem starke und schnelle Anschwellen der oberen Atemwege kann es innerhalb kürzester Zeit zur lebensbedrohlichen Luftnot bis hin zum Ersticken kommen. Die Sterblichkeit liegt bei bis fünf bis zehn Prozent.

Hirnhautentzündung: Symptome der Hirnhautentzündung (Meningitis) sind Fieber, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen. Im weiteren Verlauf wird das ganze Zentralnervensystem von der Krankheit erfasst. Ein eindeutiges, aber spätes Zeichen für eine Hirnhautentzündung ist die Nackensteife. Selbst mit moderner antibiotischer Therapie treten Todesfälle (ca. fünf Prozent) auf und es kann zu bleibenden Schäden wie Hörverlust oder epileptischen Anfällen kommen.

Gelenkentzündung: In seltenen Fällen können Gelenke, insbesondere Knie- oder Hüftgelenke, von Hib-Bakterien infiziert werden. Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen eines Gelenkes deuten auf eine Entzündung hin.

 

Erkennung und Behandlung

Bei Verdacht auf eine Hib-Infektion kann das Bakterium im Wund-, Nasen- oder Rachenabstrich nachgewiesen oder im Labor direkt aus dem Nervenwasser (Liquor), der Gelenkflüssigkeit oder auch aus dem Blut angezüchtet werden.
Schwere Hib-Infektionen werden mit Antibiotika behandelt.

 

Übertragung und Vorkommen

Man unterscheidet sechs Kapseltypen von Haemophilus influenzae (a-f) und unbekapselte Typen. Kapseln sind Hüllen aus Zucker (Polysacchariden), mit denen sich die Bakterien umgeben. Typ b war für mehr als 90 Prozent aller schweren Infektionen verantwortlich, heute sind es bedeutend weniger (im Jahr 2014 waren es 7 Prozent der Fälle, in denen dieser Erregertyp bestimmt wurde ). Hib lässt sich bei drei bis fünf Prozent aller gesunden (!) Menschen im Nasen-Rachen-Raum nachweisen. Hib wird durch Erkrankte, aber auch durch gesunde Träger vor allem durch Tröpfcheninfektion oder auch durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, seltener über kontaminierte Gegenstände.

Wie groß der Nutzen der Hib-Impfung ist, wird an den folgenden Zahlen deutlich: Bevor 1990 in Deutschland die Hib-Impfung für alle Kinder im Alter von zwei Monaten bis zum 5. Lebensjahr eingeführt wurde, gab es geschätzt ca. 1.600 gemeldete Haemophilus influenzae Fälle jährlich. Bereits 1992 ist die Zahl bereits stark gesunken. 2014 wurden 19 Fälle Haemophilus influenze Typ b gemeldet. Die Fälle ereignen sich hauptsächlich bei Kindern die noch nicht geimpft werden können, bzw. nicht vollständig und zeitgereicht geimpft wurden.

In den letzten Jahren kam es in Deutschland nur noch vereinzelt zu Todesfällen. Patienten mit bestimmten schweren Störungen des Immunsystems haben ein erhöhtes Risiko.

 

Vorbeugung

Die Impfung schützt vor der Krankheit und ihren schweren Folgeschäden. Hatten Ungeimpfte engen Kontakt zu Erkrankten, werden vorbeugend Antibiotika gegeben.

Impfung

Impfstoff

Es gibt eine Reihe von Kombinationsimpfstoffen. Sie alle enthalten Zuckermoleküle der Kapsel des Erregers Hib, die an ein Eiweiß gekoppelt wurden. Für Kinder wird heute bevorzugt Sechsfach-Kombinationsimpfstoff eingesetzt, mit dem auch gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung (Polio) und Hepatitis B geimpft werden kann.
Dazu, wie Kinder ab einem Alter von 36 Monaten sowie Jugendliche und Erwachsene geschützt werden können, berät Sie Ihr Impfarzt/Ihre Impfärztin.

Anwendung des Impfstoffs

Die Kombinationsimpfstoffe werden in den Muskel gespritzt. Die Grundimmunisierung besteht aus vier Teilimpfungen. Die ersten drei finden laut Empfehlung in mindestens vierwöchigen Abständen mit vollendetem zweiten, dritten und vierten Lebensmonat und die vierte mindestens sechs Monate später im Alter von vollendeten 11. bis 14. Lebensmonat statt.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Hib-Kombinationsimpfstoffe schützen zuverlässig vor Infektionen. Mehr als 98 Prozent der Geimpften bilden schützende Antikörper.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Hib-Impfung ist eine von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von zwei Monaten bis zu vier Jahren. Ungeimpfte oder unvollständig Geimpfte bis zu einem Alter von vier Jahren sollten die Impfung baldmöglichst nachholen. Weitere Auffrischimpfungen mit Hib sind nicht vorgesehen. Ab fünf Jahren ist eine Hib-Impfung nur noch in Ausnahmefällen notwendig, z. B. wenn die für das Immunsystem wichtige Milz von Geburt an fehlt oder bei einer Operation entfernt werden musste oder bei bestimmten anderen schweren Immundefekten.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Bei vielen Geimpften schmerzt die Impfstelle, schwillt an und rötet sich; gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe mit an. Gelegentlich kann es zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit kommen. Auch Magen-Darm-Beschwerden (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) können auftreten. Zudem kann selten die gesamte Gliedmaße anschwellen, in die geimpft wurde, und bei sehr jungen Kindern wurde nach der Impfung länger anhaltendes schrilles Schreien beobachtet. Fieber von 38 °C und mehr wird häufig beobachtet.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Wie bei vielen Impfstoffen ist eine allergische Reaktion möglich. In einzelnen Fällen kann es im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf kommen. Er bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Ebenfalls in Einzelfällen kam es zu einer hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE). Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück. Auch diese Kinder sollten vollständig geimpft werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

24.04.2017 / MK
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