Masern

Krankheitsbild

Die Masern sind eine hoch ansteckende Krankheit mit Entzündung der oberen Atemwege, einem typischen Ausschlag und häufig schweren Komplikationen.

Erkennung und Behandlung

Die Diagnose anhand der Krankheitszeichen allein ist nicht immer einfach. Gesichert wird die Diagnose durch eine Laboruntersuchung. Eine ursächliche Behandlung steht nicht zur Verfügung.

Übertragung und Vorkommen

Das Masern-Virus wird durch Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten und Sprechen oder beim direkten Kontakt mit Erkrankten übertragen.
Die Masern sind weltweit in Gebieten mit unzureichenden Impfraten verbreitet.

Vorbeugung

Nur die Impfung schützt.

Impfstoff

Lebendimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze) stehen als Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung.

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Kind auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz durch zwei Impfungen ab einem Alter von elf Monaten. Wurden Sie nach 1970 geboren, sollten Sie Ihren eigenen Masernschutz ebenfalls überprüfen lassen.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild

Symptome und Verlauf

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit vergehen meist acht bis zwölf Tage.

Die Krankheit beginnt mit Fieber, Husten, Schnupfen und Bindehautentzündung. Auf der Wangenschleimhaut bilden sich für kurze Zeit kleine, weißliche Flecken. Nach zwei bis drei Tagen kommt es zu einem Ausschlag, der hinter den Ohren beginnt und sich über Hals, Gesicht, Schultern, Rumpf und die Extremitäten ausbreitet. Weitere drei bis vier Tage später klingt der Ausschlag ab und das Fieber lässt nach.

Nach überstandener Masernerkrankung besteht ein lebenslanger Schutz.

Die Masern führen zu einer vorübergehenden Schwächung des Immunsystems, die mindestens sechs Wochen andauert. Häufig kommt es zu Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung.

Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die Gehirnentzündung (Enzephalitis). Sie tritt bei etwa einem von 1.000 Masernfällen auf. 10 bis 20 Prozent der Betroffenen sterben daran. Wenn die Masernenzephalitis überstanden ist, bleiben bei etwa 20 bis 30 Prozent Folgeschäden wie geistige Behinderung oder Lähmungen zurück.

Eine sehr seltene Spätkomplikation, die sechs bis acht Jahre nach einer Masern-Infektion auftreten kann, ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Diese fortschreitende Entzündung des Gehirns endet immer tödlich. Zu einer SSPE kommt es durchschnittlich in vier bis elf, bei Kindern unter fünf Jahren in 20 bis 60 Fällen pro 100.000 Masernerkrankungen.

 

Erkennung und Behandlung

Ärztinnen und Ärzte vermuten Masern aufgrund des Hautausschlages und der weißen Flecken im Mund. Zum sicheren Nachweis erfolgt eine Laboruntersuchung. Bereits der Verdacht auf eine Masernerkrankung ist namentlich meldepflichtig und führt zum Verbot des Besuches von Gemeinschaftseinrichtungen.

Eine wirksame, ursächliche Behandlung der Masern gibt es nicht. Behandelt werden nur die Krankheitszeichen wie z.B. Fieber. Bei bakteriellen Superinfektionen wie beispielsweise einer Lungenentzündung werden Antibiotika gegeben.

 

Übertragung und Vorkommen

Erkrankte sind etwa drei bis fünf Tage vor und vier Tage nach Auftreten des Ausschlags ansteckend.

Das Masern-Virus wird durch Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten und Sprechen oder beim direkten Kontakt mit Erkrankten übertragen. Die Masern sind hoch ansteckend. Eine Übertragung ist auch über mehrere Meter Entfernung hinweg möglich. In der Regel erkranken alle Personen, die Kontakt zu einem Erkrankten hatten, wenn sie nicht geimpft bzw. durch eine durchgemachte Masernerkrankung geschützt sind.

Die Masern kommen weltweit in Gebieten mit unzureichenden Impfraten vor.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern weltweit auszurotten. Aufgrund breit angelegter Impfkampagnen sank die Anzahl der Maserntoten weltweit von 873.000 im Jahr 1999 auf rund 134.000 im Jahr 2015. Dank intensiver Impfprogramme konnten Nord- und Südamerika im Jahr 2016 für Masern-frei erklärt werden. Auch in vielen Ländern Europas gelten die Masern für eliminiert. Nach Angaben der WHO vom März 2017 sind die Masern jedoch noch in 14 Ländern der europäischen Region heimisch, dazu zählt auch Deutschland.

Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr mehrere Hundert bis wenige Tausend Menschen an Masern. Im Jahr 2015 wurden fast 2.500 Masernfälle gemeldet. Betroffen sind besonders Säuglinge im ersten Lebensjahr, aber auch Jugendliche und junge Erwachsene. Auch Todesfälle treten auf.

Eine Elimination der Masern kann erreicht werden, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung über eine ausreichende Immunität gegen Masern verfügen. In Deutschland sind die Impfquoten noch ungenügend. Die Einführung der Masernimpfung hat zwar zu einem Rückgang der Masernerkrankungen in Deutschland geführt, die Impfquoten sind jedoch nicht ausreichend hoch, um einen zuverlässigen Herdenschutz auszubilden, so dass auch beispielsweise junge Säuglinge, die selbst noch nicht geimpft werden können, geschützt sind.

 

Vorbeugung

Zum längerfristigen Schutz stehen Impfungen zur Verfügung.

Impfung

Impfstoff

Die Impfstoffe enthalten abgeschwächte, lebende Masern-Viren (Lebendimpfstoff). Masernimpfstoff wird heute in Kombination mit anderen Impfstoffen verabreicht: Hierfür stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die außer gegen Masern auch gegen Mumps und Röteln (MMR-Impfstoff) und gegebenenfalls zusätzlich gegen Windpocken (Varizellen) (MMRV-Impfstoff) schützen.

 

Anwendung des Impfstoffs

Je nach verwendetem Impfstoff wird dieser unter die Haut gespritzt bzw. in den Muskel.

Die Grundimmunisierung gegen Masern im Kindesalter erfolgt in zwei Teilimpfungen: Die erste Impfung wird im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten empfohlen. Unter bestimmten Umständen, beispielsweise vor Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung, kann die Impfung bereits ab einem Alter von neun Monaten erfolgen. Die Kombinationsimpfstoffe können zeitgleich mit den meisten anderen Kinderimpfstoffen verabreicht werden.

Nach 1970 geborene Personen ab 18 Jahren mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit sollten eine einmalige Impfung mit MMR-Impfstoff erhalten.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Nach der ersten MMR- oder MMRV-Impfung bilden 85 bis 95 Prozent der Geimpften gegen Masern schützende Antikörper, nach der zweiten Dosis sind es nahezu 100 Prozent.

Der Impfschutz hält wahrscheinlich lebenslang an.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Masernimpfung ist eine allgemein, von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von elf Monaten und alle Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden.

Bislang ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 17 Jahren sollten die Impfung baldmöglichst nachholen lassen. Auch alle Erwachsenen sollten sich impfen lassen, wenn sie weder die Masern hatten noch dagegen geimpft sind. Besonders angesprochen sind alle, die nach 1970 geboren wurden und nicht nachweislich zwei Mal gegen Masern geimpft wurden, sowie alle im Gesundheitsdienst Tätigen und alle, die viel mit Kindern oder auch mit immungeschwächten Personen, wie z.B. an Krebs Erkrankten, zu tun haben.

Nach Kontakt zu Masernkranken sollten Ungeimpfte ab dem Alter von 9 Monaten bzw. Personen mit unklarem Impfstatus oder mit nur einer Impfung in der Kindheit möglichst innerhalb von drei Tagen eine Impfung (Postexpositionsprophylaxe) erhalten, um eine Erkrankung eventuell noch zu verhindern.

Weitere Informationen siehe: "Impfung nach einer möglichen Ansteckung".

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei schweren angeborenen Krankheiten des Immunsystems (siehe "Impfungen bei Immunschwäche"), während einer Schwangerschaft oder bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, wie beispielsweise gegen Neomycin, darf nicht geimpft werden. Bei einer Neomycin-Kontaktallergie muss jedoch nicht unbedingt auf die Impfung verzichtet werden.

Bei einer Allergie gegen Hühnereiweiß darf heutzutage geimpft werden, da der Impfstoff nur geringste Spuren von Hühnereiweiß enthält. Eine Ausnahme besteht jedoch, wenn nach Genuss von Hühnereiweiß schwerste allergische Reaktionen aufgetreten sind. Kinder mit klinisch sehr schwerer Hühnereiweißallergie (z.B. anaphylaktischer Schock nach Genuss von geringsten Mengen von Hühnereiweiß) sollten unter besonderen Schutzmaßnahmen und anschließender Beobachtung (ggf. im Krankenhaus) geimpft werden.

Nach der Impfung mit MMR- oder MMRV-Impfstoff soll eine Schwangerschaft für einen Monat verhütet werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Nach MMR- oder MMRV-Impfung kann die Impfstelle schmerzen, anschwellen und sich röten. Gelegentlich schwellen die Lymphknoten in der Nähe mit an. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie leichtem bis mäßigem Fieber, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Hautausschlag kann auftreten. In wenigen Fällen wurde nach der Impfung eine leichte "Impfkrankheit" beobachtet, die einer Masern- oder Mumps-Erkrankung ähnelt. Bei Jugendlichen und Erwachsenen (nur sehr selten bei Kindern) können die Gelenke schmerzen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Nach MMR- oder MMRV-Impfung sind bei einer entsprechenden Veranlagung in seltenen Fällen auch Fieberkrämpfe möglich. Sie bleiben in der Regel ohne Folgen. Dennoch sollte MMRV-Impfstoff bei Kindern mit Hirnschäden oder mit Veranlagung zu Krampfanfällen nur mit Vorsicht angewandt werden. Im Zusammenhang mit "natürlichen" Masern sind solche Fieberkrämpfe jedoch weitaus schlimmer bzw. häufiger. Das gilt ebenso für Hautblutungen aufgrund einer verringerten Anzahl von Blutplättchen. Nach Impfung wurden sie nur in einzelnen Fällen beschrieben und klingen in aller Regel rasch und folgenlos wieder ab. Patienten mit schwerer Immunschwäche können nach Maserninfektion an Masern-Einschlusskörperchen-Hirnentzündung erkranken. Nach Impfung wurde diese Komplikation weltweit nur in Einzelfällen beschrieben.

Sehr selten kann es zu allergischen Reaktionen auf den Impfstoff kommen. Ebenfalls sehr selten werden bei Jugendlichen und Erwachsenen länger anhaltende Gelenkentzündungen beobachtet.

Die Nebenwirkungen des MMRV-Impfstoffs entsprechen im Wesentlichen den Nebenwirkungen nach Windpocken-Einzelimpfung und nach MMR-Impfung.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

24.04.2017 / MK
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