Röteln-Impfung

Krankheitsbild

Die Röteln sind durch einen kleinfleckigen Hautausschlag gekennzeichnet, häufig begleitet von erhöhter Temperatur, Lymphknotenschwellungen und Anzeichen einer Atemwegsentzündung. Besonders gefürchtet ist eine Röteln-Infektion in der Schwangerschaft, da es zu schweren Schäden des ungeborenen Kindes kommen kann.

Übertragung und Vorkommen

Das Röteln-Virus wird durch Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Niesen und Husten übertragen. Röteln kommen weltweit vor.

Vorbeugung

Gegen Röteln steht eine Impfung zur Verfügung.

Impfstoff

Lebendimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze) stehen als Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung.

Impfempfehlung

Grundimmunisierung in der Regel ab dem Alter von elf Monaten durch zwei Teilimpfungen (als MMR- bzw. MMRV-Kombinationsimpfung);
Frauen im gebärfähigen Alter sowie nach 1970 geborene Erwachsene, die im medizinischen Bereich, in der Pflege oder mit Kontakt zu möglicherweise infektiösem Material arbeiten oder in Gemeinschaftseinrichtungen oder in Fach-, Berufs- und Hochschulen tätig sind, sollten ebenfalls geimpft sein

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Kind auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz mit zwei Impfungen. Am besten schauen Sie gleich mal in seinen Impfpass!

Sind Sie selbst eine Frau im gebärfähigen Alter oder sind Sie nach 1970 geboren und arbeiten in bestimmten Tätigkeitsfeldern wie Gemeinschaftseinrichtungen oder im medizinischen Bereich, sollten Sie Ihren Impfschutz gegen Röteln ebenfalls überprüfen.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild Röteln

Symptome und Verlauf

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Röteln vergehen zwei bis drei Wochen.

Die Erkrankung ist durch einen kleinfleckigen Hautausschlag gekennzeichnet, der im Gesicht beginnt, sich über Rumpf und Gliedmaßen ausbreitet und nach ein bis drei Tagen wieder verschwindet. Dem können Schwellungen der Lymphknoten insbesondere im Nacken und hinter den Ohren, Kopfschmerzen, erhöhte Temperatur, ein Katarrh der oberen Atemwege sowie eine Bindehautentzündung vorangehen. Kinder weisen häufig nur einen Hautausschlag auf. Etwa die Hälfe der Röteln-Infektionen verläuft ohne Krankheitszeichen.

Seltene Komplikationen, die mit zunehmendem Erkrankungsalter jedoch häufiger werden, sind Bronchitis, Mittelohrentzündung, Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung, Blutgerinnungsstörungen oder eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis).

Besonders gefürchtet ist eine Rötelninfektion (auch eine unbemerkte) in der Schwangerschaft, die zu schweren Schädigungen des Kindes (konnatales Röteln-Syndrom, konnatale Rötelnembryofetopathie) führen kann. Bei einer Infektion in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen kommt es bei bis zu 90 Prozent zu einer Schädigung. Ab der 20. Schwangerschaftswoche treten Schädigungen des Kindes nur in Ausnahmefällen auf.

Charakteristisch für ein konnatales Röteln-Syndrom sind Schäden an Herz, Augen (Linsentrübung) und Ohren (Innenohrtaubheit). Weitere mögliche Folgen sind unter anderem geringes Geburtsgewicht, eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), Fehlbildungen des Kopfes (Mikrozephalie), Leberentzündung und vieles mehr. Bei einer Rötelninfektion in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten kann es darüber hinaus zu einer Fehl- oder Frühgeburt kommen. Die Sterblichkeit beim konnatalen Röteln-Syndrom liegt bei 15 bis 20 Prozent.

 

Erkennung und Behandlung

Da Röteln oft ohne Symptome verlaufen, wird die Infektion häufig nicht erkannt. Auch eine Diagnose aufgrund der Krankheitszeichen ist unzuverlässig, denn ein ähnlicher Hautausschlag kann zum Beispiel auch bei anderen fieberhaften Erkrankungen auftreten. Um eine sichere Diagnose zu stellen, sollte deshalb eine Laboruntersuchung durchgeführt werden.

Ein Verdacht auf eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft muss unbedingt durch Labotests abgeklärt werden, ggf. umfasst dies auch Untersuchungen beim Ungeborenen.  

Eine ursächlich gegen das Röteln-Virus gerichtete Therapie gibt es nicht, es können nur die Beschwerden gelindert werden.

 

Übertragung und Vorkommen

Röteln-Infektionen sind bereits eine Woche vor Auftreten des Hautausschlags ansteckend und bleiben dies bis zu einer Woche danach. Kinder mit einem konnatalen Röteln-Syndrom können das Virus bis zu einem Jahr ausscheiden. Auch mit Röteln-Viren Infizierte, die selbst keine Krankheitszeichen entwickeln, sind ansteckend.

Das Röteln-Virus wird durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen und Sprechen übertragen. Bei einer Infektion in der Schwangerschaft kann eine Übertragung von Röteln-Viren auf das ungeborene Kind erfolgen.

Dank intensiver Impfprogramme sank die Zahl der gemeldeten Röteln-Fälle der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge weltweit von rund 670.000 Fällen im Jahr 2000 auf etwa 14.600 Fälle im Jahr 2018. Im Jahr 2019 wurden die meisten Fälle in Ländern der Westpazifischen bzw. der Südostasiatischen WHO-Region sowie in afrikanischen Ländern beobachtet. Die höchsten Raten konnataler Röteln finden sich in den WHO-Regionen Afrika sowie Südostasien, in denen die Impfraten gegen Röteln am niedrigsten sind.

In der WHO-Region Amerika gelten seit 2015 die Röteln wie auch das konnatale Röteln-Syndrom offiziell als eliminiert. In der WHO-Region Europa konnten für das Jahr 2018 bereits 42 (von 53) Mitgliedsstaaten eine Unterbrechung der endemischen Übertragung belegen. Im Jahr 2015 wurden in der Europäischen WHO-Region noch 7 Kinder mit konnatalem Röteln-Syndrom geboren.

In Deutschland gelten die Röteln seit Dezember 2020 als eliminiert, das heißt, dass die endemische Übertragung in den vergangenen drei Jahren unterbrochen wurde. Es werden nur noch vereinzelte Röteln-Fälle in Deutschland gemeldet. Im Jahr 2019 waren es 18 Fälle, konnatale Röteln-Infektionen traten nicht auf

Um die Röteln langfristig zu eliminieren und damit auch das konnatale Röteln-Syndrom sicher zu verhindern, sollte eine Immunität von mindestens 95 Prozent in allen Altersgruppen erreicht und aufrechterhalten werden.

 

Vorbeugung

Zum Schutz gegen Röteln stehen Impfungen zur Verfügung.

Impfung gegen Röteln

Impfstoff

Die Impfstoffe gegen Röteln enthalten abgeschwächte, lebende Röteln-Viren (Lebendimpfstoff). Röteln-Impfstoff wird in Kombination mit anderen Impfstoffen verabreicht: Hierfür stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die außer gegen Röteln auch gegen Masern und Mumps (MMR-Impfstoff) bzw. gegen Masern, Mumps und Windpocken (Varizellen) (MMRV-Impfstoff) schützen.

Ein Einzelimpfstoff gegen Röteln steht nicht zur Verfügung.

 

Anwendung des Impfstoffs

Die Impfstoffe werden unter die Haut gespritzt oder in den Muskel.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt zur Grundimmunisierung gegen Röteln im Kindesalter zwei Teilimpfungen, die im Abstand von mindestens vier Wochen im Alter von elf bis 14 Monaten sowie im Alter von 15 bis 23 Monaten erfolgen sollten.

Die STIKO empfiehlt, für die erste Impfung bevorzugt MMR-Impfstoff zu verwenden, gleichzeitig kann an einer anderen Körperstelle Varizellen-Einzelimpfstoff gegeben werden. Bei der Erstimpfung mit MMRV-Impfstoff ist das Risiko für Fieberkrämpfe demgegenüber leicht erhöht. Für die zweite Impfung ist auch MMRV-Impfstoff geeignet.

Unter bestimmten Umständen, beispielsweise vor Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung, kann die MMR-Impfung bereits im Alter von neun bis zehn Monaten erfolgen. Dann sollte die zweite Impfung zu Beginn des zweiten Lebensjahres gegeben werden.

Auffrischimpfungen gegen Röteln sind nicht vorgesehen.

Erwachsene erhalten bei Bedarf (siehe „Wer geimpft sein sollte“) zum Schutz vor Röteln MMR-Impfstoff oder falls erforderlich MMRV-Impfstoff.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Nach der Impfung bilden nahezu 100 Prozent der Geimpften gegen Röteln schützende Antikörper. Es wird von einer lebenslangen Immunität nach zweimaliger Impfung ausgegangen.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Impfung gegen Röteln ist eine von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von elf Monaten. Bislang ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder und Jugendliche sollten fehlende Impfungen baldmöglichst und vor dem 18. Geburtstag nachholen lassen.

Außerdem empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO für Frauen im gebärfähigen Alter, deren Impfstatus unklar ist oder die ungeimpft sind, die zweimalige Impfung gegen Röteln mit MMR-Impfstoff bzw. eine einmalige Impfung, wenn die Frau in der Vergangenheit nur einmal geimpft wurde.

Auch nach 1970 geborene Erwachsene in bestimmten Tätigkeitsbereichen sollten gegen Röteln geimpft sein. Dazu zählen Beschäftigte (einschließlich Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige) in medizinischen Einrichtungen, mit Kontakt zu möglicherweise infektiösem Material, in der Pflege, in Gemeinschaftseinrichtungen, in Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerberinnen und -bewerbern, Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern sowie in Fach-, Berufs- und Hochschulen. Frauen sollten zweimal gegen Röteln geimpft sein.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung und Fieber ist die Impfung zu verschieben.

Bei bestimmten Beeinträchtigungen des Immunsystems, während einer Schwangerschaft oder bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, wie beispielsweise gegen Neomycin, darf nicht geimpft werden. Bei einer Neomycin-Kontaktallergie muss jedoch nicht unbedingt auf die Impfung verzichtet werden.

Bei einer Allergie gegen Hühnereiweiß kann in der Regel geimpft werden, da MMR- bzw. MMRV-Impfstoffe nur geringste Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Kinder, die eine sehr schwere Hühnereiweißallergie mit starken Symptomen haben (z.B. anaphylaktischer Schock nach Genuss von geringsten Mengen von Hühnereiweiß) sollten unter besonderen Schutzmaßnahmen und anschließender Beobachtung (ggf. im Krankenhaus) geimpft werden.

Nach Impfung mit MMR- oder MMRV-Impfstoff soll eine Schwangerschaft für einen Monat verhütet werden.

Weitere Einzelheiten sind der Packungsbeilage zu entnehmen.

Weitere Informationen finden Sie auch unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Röteln zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Mögliche Impfreaktionen, die bei einem von 10 Geimpften aufgrund der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem MMR- oder MMRV-Impfstoff etwa 6 bis 12 Tage nach der Impfung auftreten, sind Rötung und Schwellung an der Impfstelle, Kopfschmerzen und Fieber für ein bis zwei Tage. Außerdem kann es zu einer leichten „Impfkrankheit“ kommen, die mit Hautausschlag und einer leichten Schwellung der Ohrspeicheldrüsen einhergeht und einer Erkrankung an Masern, Mumps, Röteln oder ggf. Windpocken ähnelt. Etwa 1 Prozent der Geimpften berichten nach der Impfung über Gelenkschmerzen. Nach der zweiten Impfung treten die beschriebenen Symptome seltener auf.

Mögliche Komplikationen

Nach MMR- oder MMRV-Impfung kann in seltenen Fällen ein Fieberkrampf auftreten. Dieser bleibt in der Regel ohne Folgen.

In einzelnen Fällen wurde nach der Impfung eine verringerte Anzahl von Blutplättchen beschrieben. Dies klingt in aller Regel rasch und folgenlos wieder ab.

Sehr selten kann es zu allergischen Reaktionen auf Impfstoffbestandteile kommen.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind in der Packungsbeilage aufgeführt.

Weitere Informationen finden Sie auch unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird Sie vor der Impfung individuell beraten und ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter "Information vor der Impfung“.

13.09.2021 / Redaktion Gesundes-Kind.de
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