Röteln-Impfung

Krankheitsbild

Die Röteln sind durch einen kleinfleckigen Hautausschlag gekennzeichnet, häufig begleitet von erhöhter Temperatur, Lymphknotenschwellungen und Anzeichen einer Atemwegsentzündung. Besonders gefürchtet ist eine Röteln-Infektion in der Schwangerschaft, da es zu schweren Schäden des ungeborenen Kindes kommen kann.

Übertragung und Vorkommen

Das Röteln-Virus wird durch Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Niesen und Husten übertragen. Röteln kommen weltweit vor.

Vorbeugung

Nur die Impfung schützt.

Impfstoff

Lebendimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze) stehen als Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung.

Impfempfehlung

Grundimmunisierung in der Regel ab dem Alter von elf Monaten durch zwei Teilimpfungen (als MMR- bzw. MMRV-Kombinationsimpfung);
zweimalige Impfung (mit MMR-Impfstoff) für Frauen im gebärfähigen Alter, deren Impfstatus unklar ist oder die ungeimpft sind bzw. einmalige Impfung bei nur einer Impfung in der Vergangenheit; einmalige Impfung für Beschäftige in Einrichtungen der Pädiatrie, der Geburtshilfe, der Schwangerenbetreuung oder in Gemeinschaftseinrichtungen, die ungeimpft sind oder deren Impfstatus unklar ist

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Kind auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz mit zwei Impfungen. Am besten schauen Sie gleich mal in seinen Impfpass!

Sind Sie selbst eine Frau in gebärfähigem Alter, dann sollten in Ihrem Impfpass zwei Impfungen gegen Röteln dokumentiert sein. Falls dies nicht der Fall ist, lassen Sie Ihren Impfschutz vervollständigen!

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild Röteln

Symptome und Verlauf

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Röteln vergehen zwei bis drei Wochen.

Die Erkrankung ist durch einen kleinfleckigen Hautausschlag gekennzeichnet, der im Gesicht beginnt, sich über Rumpf und Gliedmaßen ausbreitet und nach ein bis drei Tagen wieder verschwindet. Gleichzeitig schwellen die Lymphknoten vor allem im Nacken und hinter den Ohren an. Kopfschmerzen, erhöhte Temperatur, Anzeichen einer Entzündung der Atemwege und Bindehautentzündung können hinzu kommen. Etwa die Hälfe der Röteln-Infektionen im Kindesalter verläuft jedoch ohne Krankheitszeichen.

Mögliche Komplikationen einer Röteln-Erkrankung sind Gelenkbeschwerden, die vor allem bei Frauen häufig sind. In seltenen Fällen kann es zu Blutgerinnungsstörungen oder einer Entzündung des Gehirns kommen.

Besonders gefürchtet ist eine Rötelninfektion (auch eine unbemerkte) in der Schwangerschaft: In den ersten vier Schwangerschaftsmonaten kann eine Rötelninfektion der Mutter zu schweren Schädigungen des Kindes (kongenitales Rötelnsyndrom, Rötelnembryopathie), einer Fehlgeburt oder einer Frühgeburt führen. Je früher sich die Mutter während der Schwangerschaft infiziert, desto größer ist das Risiko für das Ungeborene. Bei einer Infektion in den ersten acht Schwangerschaftswochen kommt es bei bis zu 90 Prozent zu einer Schädigung.

Folgen der im Mutterleib erworbenen Röteln können Augenschäden (z. B. Linsentrübung), Taubheit, Herzfehler, Fehlbildungen des Kopfes (Mikrozephalie) und viele andere Organschäden sein. Noch nach der Geburt können aufgrund einer Rötelninfektion im Mutterleib Gedeihstörungen, geistige und körperliche Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten auftreten, auch das Risiko, später an Diabetes zu erkranken, ist erhöht.

 

Erkennung und Behandlung

Da Röteln oft ohne Symptome verlaufen, wird die Infektion häufig nicht erkannt. Auch eine Diagnose aufgrund der Krankheitszeichen ist unzuverlässig, denn ein ähnlicher Hautausschlag kann zum Beispiel auch bei anderen fieberhaften Erkrankungen auftreten. Um eine sichere Diagnose zu stellen, wird daher meist eine Blutuntersuchung durchgeführt.

Bei einer Rötelninfektion in der Schwangerschaft kann durch verschiedene Verfahren eine mögliche Ansteckung des ungeborenen Kindes abgeklärt werden.

Eine ursächlich gegen das Röteln-Virus gerichtete Therapie gibt es nicht, es können nur die Beschwerden gelindert werden.

 

Übertragung und Vorkommen

Röteln-Infizierte sind bereits eine Woche vor Auftreten des Hautausschlags ansteckend und bleiben dies bis zu einer Woche danach. Auch mit Röteln-Viren Infizierte, die selbst keine Krankheitszeichen entwickeln, sind ansteckend.

Das Röteln-Virus wird durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen und Sprechen übertragen. Bei einer Infektion in der Schwangerschaft kann eine Übertragung von Röteln-Viren auf das ungeborene Kind erfolgen.

Röteln-Viren sind weltweit verbreitet. Sie kommen nur beim Menschen vor. Dank intensiver Impfprogramme sank die Zahl der Rötelninfektionen in den vergangenen Jahren in vielen Ländern. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden jährlich jedoch noch rund 100.000 Kinder geboren, die Schäden bedingt durch eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft aufweisen. Die höchsten Raten finden sich in afrikanischen und südostasiatischen Regionen, in denen die Impfraten gegen Röteln am niedrigsten sind.

Nord- und Südamerika wurden im Jahr 2015 für frei von Röteln erklärt und auch in vielen anderen Industrieländern und in einigen Entwicklungsländern sind die Röteln so gut wie eliminiert.

In Deutschland treten die Röteln noch auf, im Jahr 2015 wurden 21 Fälle gemeldet. Noch bis zum Jahr 2013 waren auch vereinzelt Säuglinge von einer Rötelninfektion in der Schwangerschaft betroffen.

 

Vorbeugung

Zum Schutz gegen Röteln stehen Impfungen zur Verfügung.

Impfung gegen Röteln

Impfstoff

Die Impfstoffe gegen Röteln enthalten abgeschwächte, lebende Röteln-Viren (Lebendimpfstoff). Röteln-Impfstoff wird in Kombination mit anderen Impfstoffen verabreicht: Hierfür stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die außer gegen Röteln auch gegen Masern und Mumps (MMR-Impfstoff) bzw. gegen Masern, Mumps und Windpocken (Varizellen) (MMRV-Impfstoff) schützen.

Ein Einzelimpfstoff gegen Röteln steht nicht zur Verfügung.

 

Anwendung des Impfstoffs

Die Impfstoffe werden unter die Haut gespritzt oder in den Muskel.

Die Grundimmunisierung gegen Röteln im Kindesalter erfolgt durch zwei Teilimpfungen: Die erste Impfung wird im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten empfohlen. Unter bestimmten Umständen, beispielsweise vor Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung, kann bereits ab einem Alter von 9 Monaten geimpft werden.

Die Kombinationsimpfstoffe können zeitgleich mit den meisten anderen Kinderimpfstoffen verabreicht werden.

Auffrischimpfungen sind nicht vorgesehen.

Erwachsene erhalten bei Bedarf (siehe „Wer geimpft sein sollte“) zum Schutz vor Röteln MMR-Impfstoff.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Nach der Impfung bilden nahezu 100 Prozent der Geimpften gegen Röteln schützende Antikörper. Der Impfschutz hält wahrscheinlich lebenslang.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Impfung gegen Röteln ist eine von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von elf Monaten. Bislang ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder und Jugendliche bis zum Alter 17 Jahren sollten fehlende Impfungen baldmöglichst nachholen lassen.

Außerdem empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO die zweimalige Impfung gegen Röteln für Frauen im gebärfähigen Alter, deren Impfstatus unklar ist oder die ungeimpft sind, bzw. eine einmalige Impfung, wenn die Frau in der Vergangenheit nur einmal geimpft wurde. Beschäftige in Einrichtungen der Kinderheilkunde, der Geburtshilfe, der Schwangerenbetreuung oder in Gemeinschaftseinrichtungen, die nicht gegen Röteln geimpft sind oder deren Impfstatus unklar ist, sollten sich ebenfalls einmalig impfen lassen.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung und Fieber ist die Impfung zu verschieben.

Bei bestimmten Beeinträchtigungen des Immunsystems (siehe "Impfungen bei Immunschwäche"), während einer Schwangerschaft oder bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, wie beispielsweise gegen Neomycin, darf nicht geimpft werden. Bei einer Neomycin-Kontaktallergie muss jedoch nicht unbedingt auf die Impfung verzichtet werden.

Bei einer Allergie gegen Hühnereiweiß darf geimpft werden, da MMR- bzw. MMRV-Impfstoffe nur geringste Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Eine Ausnahme besteht jedoch, wenn nach Genuss von Hühnereiweiß schwerste allergische Reaktionen aufgetreten sind. Kinder mit klinisch sehr schwerer Hühnereiweißallergie (z.B. anaphylaktischer Schock nach Genuss von geringsten Mengen von Hühnereiweiß) sollten unter besonderen Schutzmaßnahmen und anschließender Beobachtung (ggf. im Krankenhaus) geimpft werden.

Nach Impfung mit MMR- oder MMRV-Impfstoff soll eine Schwangerschaft für einen Monat verhütet werden.

Weitere Informationen finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Röteln zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Mögliche Impfreaktionen aufgrund der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem MMR- oder MMRV-Impfstoff sind Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle. Gelegentlich schwellen die Lymphknoten in der Nähe mit an. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Mattigkeit und Unwohlsein kommen.

Hautausschlag kann auftreten. Gelegentlich wird nach der MMR- bzw. MMRV-Impfung eine leichte "Impfkrankheit" beobachtet, die einer Masern-, Mumps-, Röteln- oder ggf. Windpocken-Erkrankung ähnelt. Vor allem bei geimpften Frauen kann es nach der Impfung zu Gelenkbeschwerden kommen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Nach MMR- oder MMRV-Impfung kann in seltenen Fällen ein Fieberkrampf auftreten. Dieser bleibt in der Regel ohne Folgen. Die Impfstoffe sollten bei Kindern mit Hirnschäden oder mit Veranlagung zu Krampfanfällen nur mit Vorsicht angewandt werden.

In einzelnen Fällen wurde nach der Impfung eine verringerte Anzahl von Blutplättchen beschrieben. Dies klingt in aller Regel rasch und folgenlos wieder ab. Patienten mit einer verringerten Anzahl von Blutplättchen oder bei denen es nach vorheriger Impfung dazu kam sollten mit besonderer Vorsicht bzw. unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung geimpft werden.

Sehr selten kann es zu allergischen Reaktionen auf Impfstoffbestandteile kommen.

Weitere Informationen finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird Sie vor der Impfung individuell beraten und ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter "Information vor der Impfung“.

11.07.2017 / MK
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