Typhus

Krankheitsbild

Typhus ist eine fieberhafte Infektionskrankheit mit typischem, lang anhaltendem, hohem Fieber und Kopfschmerzen. Im fortgeschrittenen Stadium wird die Krankheit von Durchfällen begleitet. Am Bauch kann ein Hautausschlag mit kleinen roten Flecken auftreten. Bei frühzeitiger Behandlung sind Todesfälle selten.
Erkennung und Behandlung Typhus kann sicher mit Hilfe von Laboruntersuchungen nachgewiesen werden. Zur Behandlung werden Antibiotika eingesetzt, in Risikogebieten nimmt deren Wirksamkeit jedoch ab.
Übertragung und Vorkommen Auslöser der Krankheit sind Salmonellen des Typs Salmonella Typhi oder Salmonella Paratyphi. Die Erreger werden mit verunreinigtem Trinkwasser und Nahrungsmitteln aufgenommen. Sie sind weltweit verbreitet. Infektionen kommen aber vor allem in Gegenden mit schlechten hygienischen Verhältnissen vor.
Vorbeugung

Die Impfung bietet einen Schutz vor der Krankheit. Außerdem sollten Fernreisende Hygieneregeln streng einhalten: Nur abgekochtes Wasser trinken und nur frisch geschältes Obst oder Gemüse essen. Auf rohe Salate sollte verzichtet werden. Außerdem möglichst oft und gründlich Hände waschen.

Impfstoff Es gibt verschiedene Impfstoffe, entweder zur Injektion (in der Spritze) oder als Schluckimpfung.

 

Unser Rat für Sie:

Vor Fernreisen, aber auch vor Reisen in den Mittelmeerraum, erkundigen Sie sich, ob eine Typhus-Impfung für Sie ratsam ist.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild

Symptome und Verlauf

Ein bis zwei Wochen, manchmal auch drei bis 60 Tage, nachdem der Erreger in den Körper gelangte, beginnt die Krankheit mit allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Anschließend kommt es zu Fieber, das länger als zwei Wochen andauern kann und von starken Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Bauchschmerzen begleitet wird. Die Zunge ist belegt und am Bauch bilden sich kleine rote Flecken. Der Herzschlag verlangsamt sich. Anfänglich kann es zu Verstopfung kommen, später sind Durchfälle häufig. Als Komplikationen können Darmblutungen oder Darmgeschwüre auftreten.

Bricht der Darm, so dass Darmbakterien in die Bauchhöhle gelangen, kommt es zu einer Infektion des Bauchfells. Breiten sich die Typhus-Bakterien im Körper aus, kann es daneben zu einer Herzinnenhautentzündung, Hirnhautentzündung und Beteiligung weiter Organe kommen.

Bis zum Verschwinden des Fiebers vergehen zwei bis fünf Wochen. Die Krankheit heilt bei mehr als 80 Prozent der Erkrankten vollständig aus. Wird rechtzeitig mit Antibiotika behandelt, sterben weniger als ein Prozent der Erkrankten. Nach überstandener Erkrankung scheiden zwei bis fünf Prozent dauerhaft Typhus-Bakterien aus und können diese so weiter verbreiten.

Paratyphus verläuft ähnlich wie Typhus, meist jedoch milder.

Erkennung und Behandlung

Aufgrund des Verlaufs der Krankheit und einem Aufenthalt des Patienten in einem Typhus-Gebiet kann ein Arzt/eine Ärztin bereits Typhus vermuten. Allerdings besteht große Verwechslungsgefahr mit grippalen Infekten oder - wenn ein Tropenurlaub vorausging - mit Malaria. Endgültige Klarheit bringen Laboruntersuchungen. Typhus kann sicher mit Hilfe von Laboruntersuchungen nachgewiesen werden.

Zur Behandlung werden Antibiotika eingesetzt, die gegen die Bakterien Salmonella Typhi oder Salmonella Paratyphi wirksam sind. Wichtig ist, dass schnell richtig behandelt wird. Problematisch ist, dass in den Risikogebieten Antibiotika-Resistenzen zunehmen.

 

Übertragung und Vorkommen

Die Erreger kommen weltweit vor, vor allem aber in Gebieten mit niedrigem Hygienestandard und unzulänglichen sanitären Einrichtungen. Jedes Jahr erkranken schätzungsweise 22 Millionen Menschen an Typhus und mindestens 200.000 sterben daran.

Typhus tritt nur beim Menschen auf. Das Bakterium wird meist über Wasser und Lebensmittel weitergegeben, die durch Fäkalien oder Urin verunreinigt wurden. Kopfgedüngter Salat, der roh verzehrt wird, Drinks mit Eis aus unzureichend aufbereitetem Trinkwasser oder Muscheln aus Meeresgebieten, in die Abwässer ungeklärt eingeleitet werden, sind typische Infektionsquellen. Seltener ist eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch.

Häufigste Ansteckungsquelle sind Menschen, die die Erreger nach Erkrankung weiterhin ausscheiden. Man bezeichnet sie als Dauerausscheider. Die Verbreitung des Erregers ist stark abhängig von den hygienischen und sanitären Verhältnissen. Es besteht ein deutliches Nord-Südgefälle bzw. Gefälle zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern.

In Deutschland werden jährlich zwischen 50 und 100 Erkrankungen durch Salmonella Typhi und etwas weniger durch Salmonella Paratyphi gemeldet. Die Patienten hatten sich überwiegend im Ausland angesteckt.

 

Vorbeugung

Vor Typhus schützt die Impfung. Daneben sollten persönliche und allgemeine Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

Impfung

Impfstoff

Der Schluckimpfstoff enthält lebende, abgeschwächte Salmonella-Typhi-Bakterien, die keine krankmachenden Eigenschaften besitzen. Die Impfstoffe in der Spritze enthalten ausgewählte Teile (Vi-Polysaccharide) aus der Bakterienhülle. Die Kombinationsimpfstoffe enthalten außerdem abgetötete Hepatitis-A-Viren.

Anwendung des Impfstoffs

Kinder, Jugendliche und Erwachsene können gegen Typhus geimpft werden. Den Schluckimpfstoff dürfen Kinder ab dem vollendeten fünften Lebensjahr erhalten. Die Impfstoffe in der Spritze sind für Kinder ab einem Alter von zwei Jahren geeignet. Die Kombinationsimpfstoffe dürfen frühestens ab einem Alter von 16 Jahren gegeben werden. Für einen verlässlichen Schutz vom ersten Tag an sollte die Schluckimpfung spätestens zehn Tage vor Abreise abgeschlossen sein, die Impfungen mit der Spritze sollten spätestens zwei Wochen vor Abreise erfolgen.

Der Lebendimpfstoff wird in Form von magensaftresistenten Kapseln geschluckt.

Zur Grundimmunisierung sind drei Dosen im Abstand von jeweils zwei Tagen notwendig. Die Auffrischimpfung erfolgt jährlich nach gleichem Schema. Wer sich ständig in einem Risikogebiet aufhält, muss die Impfung eventuell erst nach drei Jahren wiederholen. Die Kapseln mit dem Lebendimpfstoff müssen im Ganzen geschluckt werden und sollen nicht zusammen mit Abführmitteln eingenommen werden. Antibiotika, Sulfonamide oder Malariamittel dürfen frühestens drei Tage nach der letzten Impfstoffgabe eingenommen werden.

Die Polysaccharid-Impfstoffe werden in der Regel in den Muskel gespritzt.

Falls erforderlich, können einige der Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden. Zur Grundimmunisierung reicht eine einzelne Impfung aus. Falls erforderlich, wird eine Auffrischimpfung nach drei Jahren durchgeführt.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Studien, die in Typhus-gefährdeten Gebieten gemacht wurden, ergaben für den Lebendimpfstoff eine Wirksamkeit von 50 Prozent über einen Zeitraum von drei Jahren. Wenn der Geimpfte nicht wiederholt in Kontakt mit dem Erreger kommt, könnte der Zeitraum möglicherweise auch kürzer sein.

Der Impfstoff scheint auch eine gewisse Immunität gegen Paratyphus (S. paratyphi B) mit sich zu bringen.

Die Wirksamkeit der Impfung mit Polysaccharid-Impfstoff beginnt im ersten Jahr mit fast 70 Prozent und sinkt dann langsam ab.

Nach drei Jahren liegt der Schutz durch Impfung unabhängig vom verwendeten Impfstoff bei etwas über 50 Prozent. Die Schutzwirkung des kombinierten Totimpfstoffs Hepatitis A/Typhus gegen Typhus ist vergleichbar dem Einzelimpfstoff. Im Vergleich dazu hinterlässt eine überstandene Typhus- oder Paratyphus-Erkrankung Immunität für nur ein Jahr. Zudem kann die Immunität durchbrochen werden, wenn viele Erreger auf einmal eindringen.

 

Wer geimpft sein sollte

Impfen lassen sollten sich Reisende, die sich in Risikogebieten aufhalten. Je länger sich ein Reisender in einem Land mit unzureichenden sanitären Verhältnissen aufhält und je unsicherer die hygienischen Verhältnisse während der Reise sind, umso größer ist der Nutzen durch die Impfung.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden. Der Lebendimpfstoff darf nicht bei gestörtem Immunsystem verabreicht werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Lebendimpfstoff: Häufig kommt es zu Fieber, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall) und Hautausschlag.

Polysaccharid-Impfstoff: Häufig ist die Impfstelle gerötet und schwillt an. Nach einer erneuten Impfung (normalerweise nach drei Jahren) kann dies häufiger auftreten. Häufig kommt es auch zu Fieber, Kopfschmerzen sowie Übelkeit.

Kombinationsimpfstoff: Die Impfstelle ist bei mindestens jedem zehnten Geimpften für mehrere Tage gerötet, schwillt an und schmerzt. Es kann zu Allgemeinsymptomen wie z.B. Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Übelkeit und auch zu Erbrechen und Durchfall kommen. Juckreiz tritt ebenfalls auf.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Wie bei vielen Impfstoffen ist in sehr seltenen Einzelfällen eine anaphylaktoide Sofortreaktion möglich.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

24.04.2017 / MK
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