Typhus-Impfung

Krankheitsbild

Typhus ist eine fieberhafte Infektionskrankheit mit typischerweise lang anhaltendem, hohem Fieber und Kopfschmerzen. Nach anfänglicher Verstopfung kann es im weiteren Verlauf zu Durchfall kommen. Am Bauch kann ein Hautausschlag mit kleinen roten Flecken auftreten. Bei frühzeitiger Behandlung sind Todesfälle selten.
Übertragung und Vorkommen Typhus-Bakterien werden mit verunreinigtem Trinkwasser und Nahrungsmitteln aufgenommen. Die Bakterien sind weltweit verbreitet. Infektionen kommen vor allem in Gegenden mit unzureichenden hygienischen Bedingungen vor.
Vorbeugung

Gegen Typhus stehen Schutzimpfungen zur Verfügung. Außerdem sollten Fernreisende eine gute Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene einhalten.

Impfstoff

Totimpfstoff zur Injektion (in der Spritze) sowie Lebendimpfstoff zur Schluckimpfung

Impfempfehlung

Reiseimpfung bei Aufenthalt unter ungünstigen hygienischen Verhältnissen in Gebieten, in denen Typhus auftritt 

 

Unser Rat für Sie:

Erkundigen Sie sich vor Reisen, insbesondere nach Asien, Südamerika oder Afrika, ob eine Typhus-Impfung ratsam ist.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild Typhus

Symptome und Verlauf

Typhus (Typhus abdominalis) wird durch das Bakterium Salmonella Typhi hervorgerufen. Etwa 1 bis 2 Wochen, manchmal auch schon 3 oder bis zu bis 60 Tage, nachdem der Erreger in den Körper gelangte, beginnt die Krankheit mit Kopf- und Gliederschmerzen sowie erhöhter Temperatur. Über die nächsten Tage kommt es zu hohem Fieber, das bis zu 3 Wochen andauern kann, ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Benommenheit und Bauchschmerzen. Anfänglich ist Verstopfung, später Durchfall häufig. Ein Hautausschlag (Roseolen), meist am Bauch, kann auftreten. Häufig verlangsamt sich der Herzschlag.

Mögliche Komplikationen sind unter anderem Darmblutungen oder Darmgeschwüre, Bauchfellentzündung, Herzinnenhautentzündung und Hirnhautentzündung.  

Wird rechtzeitig mit Antibiotika behandelt, sind Komplikationen selten und weniger als ein Prozent der Erkrankten sterben. Nach überstandener Erkrankung scheiden 2 bis 5 Prozent dauerhaft Typhus-Bakterien aus und können diese so weiter verbreiten.

Paratyphus, hervorgerufen durch Salmonella Paratyphi, verläuft ähnlich wie Typhus, meist jedoch milder.

 

Erkennung und Behandlung

Aufgrund des Verlaufs der Krankheit und einem Aufenthalt des Patienten in einem Risikogebiet kann ein Arzt/eine Ärztin bereits Typhus vermuten. Allerdings besteht große Verwechslungsgefahr mit grippalen Infekten oder - wenn ein Tropenurlaub vorausging - mit Malaria. Typhus kann sicher mit Hilfe von Laboruntersuchungen nachgewiesen werden.

An Typhus oder Paratyphus Erkrankte sollten mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt werden. Die Therapie ist vor allem im frühen Stadium der Erkrankung sehr erfolgreich. Problematisch ist allerdings, dass in den Risikogebieten Antibiotika-Resistenzen zunehmen.

 

Übertragung und Vorkommen

Typhus-Bakterien kommen weltweit vor. Jedes Jahr erkranken schätzungsweise 22 Millionen Menschen an Typhus und mindestens 200.000 sterben daran. Hohe Erkrankungszahlen treten vor allem in Regionen mit unzureichenden hygienischen Bedingungen auf, vor allem in Afrika, Südamerika und Südostasien.

Typhus-Bakterien werden meist über Trinkwasser und Lebensmittel übertragen, die durch Fäkalien verunreinigt wurden. Kopfgedüngter Salat, der roh verzehrt wird, Drinks mit Eis aus unzureichend aufbereitetem Trinkwasser oder Muscheln aus Meeresgebieten, in die Abwässer ungeklärt eingeleitet werden, sind typische Infektionsquellen. Seltener ist eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch.

In Deutschland wurden in den letzten Jahren zwischen 58 und 90 Typhus-Fälle gemeldet. Die Patienten hatten sich überwiegend im Ausland angesteckt.

 

Vorbeugung

Gegen Typhus stehen Schutzimpfungen zur Verfügung.

Außerdem sollte bei Reisen in Typhus-Risikogebiete auf eine gute Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene geachtet werden nach dem Prinzip „Peel it, cook it, or forget it!“. Trinkwasser sollte nur korrekt aufbereitet verwendet werden. Obst sowie Gemüse sollten geschält werden. Speisen sollten frisch zubereitet und ausreichend erhitzt verzehrt werden. Auf rohe Salate oder Meeresfrüchte sollte verzichtet werden. Außerdem sollten die Hände regelmäßig und gründlich gewaschen werden. 

Impfung gegen Typhus

Impfstoff

Gegen Typhus stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung:

  • Typhus-Schluckimpfstoff (Lebendimpfstoff) enthält abgeschwächte Salmonella-Typhi-Bakterien.
  • Typhus-Polysaccharid-Impfstoff zur Injektion in der Spritze (Totimpfstoff) enthält ausgewählte Teile (Vi-Kapselpolysaccharide) von Salmonella Typhi.
  • Hepatitis-A/Typhus-Kombinationsimpfstoff enthält neben Typhus-Polysaccharid-Impfstoff eine Komponente mit inaktivierten Hepatitis-A-Viren.

 

Anwendung des Impfstoffs

Typhus-Schluckimpfstoff: Der Lebendimpfstoff gegen Typhus ist ab einem Alter von 5 Jahren zugelassen. Zur Grundimmunisierung wird an Tag 1, 3 und 5 jeweils eine Kapsel mindestens eine Stunde vor einer Mahlzeit unzerkaut eingenommen. Abführmittel sollten während dieser Zeit nicht eingesetzt werden. Vor und nach einer Antibiotika- oder Sulfonamid-Behandlung sollten mindestens 3 Tage Abstand zur Impfung eingehalten werden. Malariamittel sollten frühestens 3 Tage nach der letzten Impfstoffgabe eingenommen werden. Die Schluckimpfung gegen Typhus sollte mindestens 10 Tage vor Reisebeginn abgeschlossen sein.

Bei erneuten Reisen in Typhus-Gebiete wird eine jährliche Wiederimpfung mit dem Schluckimpfstoff nach dem gleichen Schema empfohlen. Wer sich ständig in einem Risikogebiet aufhält, sollte alle 3 Jahre eine Auffrischimpfung bekommen.

Typhus-Polysaccharid-Impfstoff: Der Totimpfstoff gegen Typhus ist für Kinder ab einem Alter von 2 Jahren zugelassen. Zur Grundimmunisierung wird eine Dosis verabreicht. Die Impfung sollte mindestens 2 Wochen vor einem möglichen Infektionsrisiko erfolgen. Bei erneuten Reisen oder ständigem Aufenthalt in Typhus-Gebieten wird eine Wiederimpfung spätestens alle 3 Jahre empfohlen.  

Hepatitis-A-/Typhus-Kombinationsimpfstoff: Der Kombinationsimpfstoff ist ab einem Alter von 16 Jahren zugelassen. Ein Impfschutz ist 14 Tage nach Verabreichung einer Impfstoffdosis zu erwarten. Besteht weiterhin das Risiko einer Typhus-Infektion, sollte alle 3 Jahre eine Wiederimpfung mit einem Typhus-Polysaccharid-Impfstoff erfolgen. Zum Aufbau eines Langzeitschutzes gegen Hepatitis A wird eine zweite Dosis eines inaktivierten Hepatitis-A-Impfstoffs empfohlen. 

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Der Schluckimpfstoff führt bei etwa 60 Prozent der Geimpften zu einem Schutz gegen Typhus für mindestens ein Jahr.

Der Typhus-Polysaccharid-Impfstoff bietet etwa 60 Prozent der Geimpften einen Schutz für bis zu drei Jahren.  

Der Schluckimpfstoff scheint auch eine gewisse Schutzwirkung gegen Paratyphus (S. Paratyphi A und B) zu haben.  

 

Wer geimpft sein sollte

Eine Reiseimpfung gegen Typhus wird empfohlen bei Aufenthalt unter schlechten hygienischen Verhältnissen in Gebieten, in denen Typhus auftritt.  

Dazu zählen Reisen unter einfachen Bedingungen, zum Beispiel Trekkingtouren, oder auch Hilfseinsätze in Typhus-Gebieten mit niedrigem Hygienestandard, speziell bei aktuellen Ausbrüchen und Katastrophen.  

Reisende sollten die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für ihr Zielland beachten und sich bei einem reisemedizinisch tätigen Arzt/einer Ärztin beraten lassen.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.

Bei akuten, fieberhaften Erkrankungen sollte die Impfung verschoben werden.

Der Typhus-Schluckimpfstoff darf bei gestörter Funktion des Immunsystems (Immundefizienz) nicht verabreicht werden. Die Impfung mit Typhus-Polysaccharid-Impfstoff sollte bei einer Therapie, welche das Immunsystem unterdrückt, verschoben werden; bei chronischer Immunschwäche kann die Wirksamkeit eingeschränkt sein.

Weitere Informationen finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Typhus zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Typhus-Schluckimpfstoff: Häufig kommt es zu Fieber, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall) und Hautausschlag.

Typhus-Polysaccharid-Impfstoff: Sehr häufig kommt es an der Impfstelle zu Rötungen, Schmerzen oder Verhärtungen. Häufig tritt Fieber auf.  

Hepatitis-A-/Typhus-Kombinationsimpfstoff: Sehr häufig rötet sich die Impfstelle, schmerzt oder schwillt an. Es kann zu Allgemeinsymptomen wie z.B. Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Übelkeit und auch zu Erbrechen und Durchfall kommen. Gelegentlich tritt Juckreiz auf.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend und klingen in der Regel rasch und folgenlos ab.

Mögliche Komplikationen

Wie bei vielen Impfstoffen sind allergische Reaktionen möglich.

Weitere Informationen finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Der Arzt bzw. die Ärztin wird Sie individuell beraten, ob eine Impfung gegen Typhus für Ihre Reise empfehlenswert ist, und Sie vor einer Impfung ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter „Information vor der Impfung".

29.08.2018 / Redaktion Gesundes-Kind.de
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