Impfung gegen Windpocken (Varizellen)

Krankheitsbild

Windpocken sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die mit juckenden Papeln und Bläschen sowie Fieber einhergeht. Besonders gefährlich ist eine Windpocken-Erkrankung in der Schwangerschaft sowie bei Neugeborenen.

Übertragung und Vorkommen

Die Windpocken werden durch Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten und Sprechen oder beim direkten Kontakt mit Erkrankten übertragen.
Windpocken sind weltweit verbreitet.

Vorbeugung

Nur die Impfung schützt.

Impfstoff

Lebendimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze)

Impfempfehlung

Grundimmunisierung in der Regel ab dem Alter von elf Monaten durch zwei Teilimpfungen;
Impfung für ungeschützte Frauen mit Kinderwunsch sowie weitere ungeschützte Erwachsene bei erhöhtem Risiko

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Kind auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz gegen Windpocken durch zwei Impfungen.

Waren Sie selbst noch nie an Windpocken erkrankt, berät Sie Ihr Arzt/Ihre Ärztin oder Gesundheitsamt, ob Sie selbst zu einer Risikogruppe gehören, die geimpft sein sollte.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild Windpocken (Varizellen)

Symptome und Verlauf

Die Zeit zwischen Ansteckung mit dem Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus) und Ausbruch der Erkrankung liegt bei acht bis 21 Tagen, in der Regel bei 14 bis 16 Tagen.

Charakteristisch für die Windpocken (Varizellen) sind juckende Papeln und Bläschen, die später Krusten bilden und abheilen. Verschiedene Stadien der Hautveränderungen können gleichzeitig vorhanden sein.

Bei ansonsten gesunden Kindern verlaufen die Windpocken meist unkompliziert und sind nach ein bis zwei Wochen überstanden. Durch starkes Kratzen oder eine zusätzliche bakterielle Infektion können aber Narben zurück bleiben. Bei Erwachsenen verlaufen Varizellen in der Regel ausgeprägter und es können im Vergleich zum Kindesalter häufiger Komplikationen wie Lungenentzündungen auftreten. Weitere, seltenere Komplikationen sind Hirnhautentzündung (aseptische Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis) und andere Erkrankungen des Nervensystems. In Einzelfällen kann es zu Entzündungen des Herzmuskels, der Nieren, Gelenke oder Leber kommen.

Besonders gefährlich sind Windpocken während der Schwangerschaft. Nicht nur die Schwangere selbst hat ein erhöhtes Komplikationsrisiko. Bei einer Varizellen-Infektion in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln kann sich beim ungeborenen Kind ein Varizellensyndrom unter anderem mit Hautdefekten, neurologischen Erkrankungen und Schädigungen des Gehirns, der Augen und des Skeletts entwickeln. Eine Infektion in der zeitlichen Nähe des Geburtstermins kann zu einer sehr schweren Erkrankung des Neugeborenen führen, die bei fast einem Drittel tödlich verläuft.

Bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr kann es ebenfalls zu lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen kommen.

Eine durchgemachte Erkrankung führt zu lebenslanger Immunität gegen Windpocken. Es verbleiben jedoch Varizella-Zoster-Viren in Nervenzellen, die auch Jahrzehnte später wieder aktiv werden können. Dann kann sich ein Herpes Zoster (Gürtelrose) entwickeln, der mit Bläschen im Versorgungsbereich des Nervs einhergeht und zu starken Schmerzen führen kann. Auch beim Herpes Zoster können verschiedene Komplikationen auftreten.

 

Erkennung und Behandlung

Ärztinnen und Ärzte können die Windpocken anhand der typischen Hautveränderungen mit hoher Sicherheit erkennen. In seltenen, unklaren Fällen wird die Diagnose mittels einer Laboruntersuchung bestätigt.

Bei unkomplizierten Verläufen werden nur die Beschwerden zum Beispiel mit juckreizlindernden Medikamenten behandelt. Bei abwehrgeschwächten Personen oder bei sehr schweren Verläufen werden Medikamente gegen die Virusvermehrung gegeben. Diese werden auch bei Patienten mit Gürtelrose angewandt.

 

Übertragung und Vorkommen

Die Windpocken sind zwei Tage vor Auftreten des Hautausschlags bis zum vollständigen Verkrusten aller Bläschen ansteckend.

Die hochansteckende Erkrankung wird durch Tröpfcheninfektion über die Luft beim Atmen oder Husten übertragen. Eine Ansteckung ist in einem Umkreis von mehreren Metern möglich. Eine Übertragung kann auch durch direkten Kontakt mit Speichel oder virushaltigem Bläscheninhalt erfolgen.

Bei einer Infektion der Mutter in der Schwangerschaft kann es zu einer Übertragung auf das ungeborene Kind kommen. Eine mütterliche Erkrankung zwischen der 5. und 24. Schwangerschaftswoche führt in 1 bis 2 Prozent der Fälle zu einem Varizellensyndrom (siehe oben) beim Ungeborenen.

Windpocken-Viren sind auf der ganzen Welt verbreitet.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts waren in Deutschland vor der allgemeinen Impfempfehlung durchschnittlich etwa 750.000 Windpocken-Erkrankungen pro Jahr zu erwarten. Die Häufigkeit stieg im Kleinkindalter stark an, so dass ein Großteil der Schulkinder die Windpocken durchgemacht hatte. Doch bei bis zu fünf Prozent bestanden noch im Erwachsenenalter Immunitätslücken. Seit 2004 wird die Varizellen-Impfung für alle Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten empfohlen, seit 2009 eine zweite Impfdosis. Bereits bis zum Jahr 2012 wurde ein Rückgang der Erkrankungshäufigkeit um etwa 85 Prozent beobachtet. Am stärksten war dieser Rückgang bei Kindern unter 10 Jahren.

Im Jahr 2015 wurden 23.123 Windpocken-Fälle gemeldet. Die überwiegende Anzahl war nicht ausreichend geimpft. 929 Patienten mussten ins Krankenhaus eingewiesen werden, drei verstarben.

 

Vorbeugung

Gegen die Windpocken steht eine Schutzimpfung zur Verfügung.

Impfung gegen Windpocken (Varizellen)

Impfstoff

Der Impfstoff enthält eine abgeschwächte und ungefährliche Variante des Windpocken-Virus (Lebendimpfstoff). Es stehen Einzelimpfstoffe sowie Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die außer gegen Windpocken auch gegen Masern, Mumps und Röteln schützen (MMRV-Impfstoff).

Anwendung des Impfstoffs

Windpocken-Impfstoffe werden unter die Haut oder in den Muskel gespritzt.

Die Grundimmunisierung gegen Windpocken im Kindesalter erfolgt in zwei Teilimpfungen: Die erste Impfung wird im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten empfohlen. Unter bestimmten Umständen, beispielsweise vor Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung, kann bereits ab einem Alter von 9 Monaten geimpft werden.

Auffrischimpfungen sind nicht vorgesehen.

Erwachsene werden bei Bedarf (siehe „Wer geimpft sein sollte“) zum Schutz gegen Windpocken ebenfalls zweimalig geimpft.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Studiendaten zufolge beträgt die Schutzwirkung der zweimaligen Impfung gegen Windpocken (insbesondere gegen schwere Krankheitsverläufe) bis zu 100 Prozent.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Windpocken-Impfung ist eine von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von elf Monaten. Bislang ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 17 Jahren sollten fehlende Impfungen baldmöglichst nachholen lassen.

Außerdem empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO die zweimalige Impfung gegen Windpocken für bestimmte Risikogruppen im Erwachsenenalter. Dazu zählen ungeschützte Frauen mit Kinderwunsch. Auch Menschen mit schwerer Neurodermitis und Patienten, bei denen eine Behandlung ansteht, welche die Immunabwehr unterdrückt, sowie deren enge Kontaktpersonen sollten geimpft werden, wenn sie noch keinen Impfschutz haben bzw. keine Windpocken durchgemacht haben.

Ebenfalls geimpft werden sollten ungeschütztes Personal im Gesundheitsdienst (vor allem in der Kinderheilkunde, Gynäkologie und Geburtshilfe, Onkologie und Intensivmedizin sowie bei Kontakt mit Immungeschwächten) und neu eingestellte Beschäftigte in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder im Vorschulalter

Nach einer möglichen Ansteckung mit Windpocken sollten Menschen, die Kontakt zu besonders gefährdeten Personen haben, eine postexpositionelle Impfung erhalten.

Risikopatienten wie ungeschützten Schwangeren oder Neugeborenen, die sich möglicherweise angesteckt haben, können Antikörper (Immunglobulin) gegeben werden, um den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern oder zumindest abzuschwächen.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bestimmten Beeinträchtigungen des Immunsystems (siehe "Impfungen bei Immunschwäche"), während einer Schwangerschaft oder bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, wie beispielsweise gegen Neomycin, darf nicht gegen Varizellen geimpft werden. Bei einer Neomycin-Kontaktallergie muss jedoch nicht unbedingt auf die Impfung verzichtet werden.

Bei schwerer Allergie gegen Hühnereiweiß sollte der MMRV-Impfstoff nicht eingesetzt werden. Bei Kindern mit Hirnschäden oder mit Veranlagung zu Krampfanfällen sollte dessen Anwendung nur mit Vorsicht erfolgen.

Nach Impfung mit Windpocken-Einzelimpfstoff oder MMRV-Impfstoff soll eine Schwangerschaft für einen Monat verhütet werden.

Weitere Informationen finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Windpocken zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Mögliche Impfreaktionen aufgrund der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff sind Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle. Auch Fieber kann auftreten.

Ein Hautausschlag kann sich entwickeln. Gelegentlich kann es zu Symptomen einer leichten "Impfkrankheit" kommen, die den Varizellen ähnelt bzw. bei MMRV-Impfung auch einer Masern-, Mumps- oder Röteln-Erkrankung. Eine Übertragung der Varizella-Impfviren auf empfängliche Kontaktpersonen kann nicht ausgeschlossen werden, wurde jedoch nur in seltenen Einzelfällen beobachtet.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Wie bei den meisten Impfstoffen kann es in seltenen Fällen zu allergischen Reaktionen kommen.

Bei Personen, die gegen Varizellen geimpft wurden, kann ein Herpes Zoster auftreten, der jedoch in der Regel mild verläuft. Das Risiko, eine Gürtelrose zu bekommen, ist bei Geimpften deutlich geringer als bei einer Infektion mit dem Wildvirus.

Nach Verabreichung der ersten Dosis MMRV-Impfstoff ist das Risiko für Fieberkrämpfe im Vergleich zur gleichzeitigen Gabe von MMR-Impfstoff und Varizellen-Einzelimpfstoff erhöht. In einzelnen Fällen wurde nach der MMRV-Impfung auch eine verringerte Anzahl von Blutplättchen beschrieben. Diese klingt in aller Regel rasch und folgenlos wieder ab. Bei Patienten mit einer verringerten Anzahl von Blutplättchen oder bei denen es nach vorheriger Impfung dazu kam sollte der Impfstoff mit besonderer Vorsicht bzw. unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.

Weitere Informationen finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird Sie vor der Impfung individuell beraten und ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter "Information vor der Impfung“.

11.07.2017 / MK
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