Allgemeinnarkose hat bei Kleinkindern keinen Einfluss auf Entwicklung

Kinder, die bis zum Alter von 2 Jahren eine Allgemeinnarkose bekommen hatten, schneiden bei entwicklungsbezogenen Testergebnissen im Kindergarten vergleichbar mit ihren Altersgenossen ab, die keine Narkose erhalten hatten. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die in der Oktober-Ausgabe in der offiziellen Fachzeitschrift der Amerikanische Gesellschaft der Anästhesisten (ASA: American Society of Anesthesiologists), Anesthesiology, veröffentlicht wurde.

Die Resultate können Eltern beruhigen, denn demnach ist eine Vollnarkose bei Kleinkindern nicht mit signifikanten langfristigen Auswirkungen auf das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns verbunden, so die Forscher. Es gab einige Bedenken, denn aufgrund von Tierversuchen bestand der Verdacht, dass Anästhetika einen negativen Einfluss auf das sich noch entwickelnde Gehirn haben könnten. Doch für menschliche Gehirne gilt dies den aktuellen Ergebnissen zufolge nicht. Allerdings deutete die Analyse vergangener Untersuchungen bei Menschen darauf hin, dass zwar eine einzelne Narkose sicher zu sein scheint, aber dass mehrere Expositionen mit einem erhöhten Risiko verbunden sein könnten. Dem wollten die Autoren nachgehen.
Sie verglichen die Ergebnisse der Entwicklungstests bei mehr als 4.000 Kindern im Kindergartenalter, die jünger als vier Jahre alt waren, als sie eine Narkose erhalten hatten, mit mehr als 13.000 Kindern, die bis dahin keine Allgemeinanästhesie erlebt hatten.

Kein Unterschied zwischen einer und mehreren Narkosen

Die Forscher fanden heraus, dass sich die Ergebnisse der Entwicklungstests bei Kindern mit Einzelnarkose bis zu zwei Jahren nicht von denen mit Mehrfachnarkose in dieser Zeit unterschieden. Die Spanne von der Geburt bis zu 2 Jahren gilt als eine besonders empfindliche Phase der Gehirnentwicklung. Kinder, die von 2 bis 4 Jahren einmal eine Narkose brauchten, zeigten überraschenderweise geringe Defizite bei Sprach- und Gedächtnistests. Mehrfachnarkosen bei Kindern im Alter von 2 bis 4 Jahren waren jedoch nicht mit einem höheren Risiko verbunden. Diese neuen Ergebnisse werden durch eine weitere große Beobachtungsstudie, die in der Zeitschrift „Anesthesiology“ veröffentlicht wurde, bestätigt. Sie widersprechen der Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit eines langfristigen Risikos für die Entwicklung des Gehirns umso größer ist, je früher und öfter bei einem Kind Allgemeinanästhesie durchgeführt wird.

"Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die auf Tierversuchen basierenden Bedenken nicht direkt auf Kinder anwendbar sind", erklärte Erstautorin Dr. Ruth Graham von der Universität in Manitoba in Winnipeg, Kanada. "Vielmehr kann die Kombination von gesundheitlichen und sozialen Faktoren, die eine Operation und Anästhesie erforderlich machen, die kleinen Defizite der Entwicklung im Kindergarten bei den 2- bis 4-Jährigen mit erklären."
"Obwohl weitere Untersuchungen erforderlich sind, um die spezifischen Faktoren, die für die Befunde bei 2- bis 4-jährigen Kindern verantwortlich sind, aufzuklären, ist diese Studie ein weiterer Beweis, dass eine Vollnarkose bei sehr kleinen Kindern kein Grund zur Sorge ist", lautet das Fazit von Dr. Graham.

Quelle: Newswise, ASA, Anesthesiology



03.01.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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