Amerikanischer Teenager löste Masernausbruch in zwei Gemeinden mit geringem Impfschutz aus

Eine aktuelle Studie beschreibt, wie ein ungeimpfter Teenager im Jahr 2013 in zwei orthodoxen jüdischen Gemeinden in Brooklyn, New York, einen Masernausbruch auslöste. Er hatte die hoch ansteckende Krankheit von einer Reise nach London mit nach Hause gebracht.

Bevor der Masernausbruch zu Ende war, steckten sich 58 Menschen mit Masern an. Die Experten ermittelten mehr als 3.300 exponierten Kontakte. Dies war der größte Masernausbruch in New York City seit 1992, so der Bericht.
Es gab keine Todesfälle. Ein Kind musste mit einer Lungenentzündung in der Folge der Masernerkrankung ins Krankenhaus, und eine ungeimpfte schwangere Frau erlitt eine Fehlgeburt.

Ungeimpfte Großfamilien besonders betroffen

Der Bericht zeige, welches Risiko damit verbunden ist, wenn Menschen auf Impfungen zu verzichten, insbesondere innerhalb einer eng verbundenen Gemeinschaft, erklärte die leitende Forscherin Dr. Jane Zucker, Assistant Commissioner des New York City Department of Health and Mental Hygiene. "Wir stellten fest, dass 71% der Masernfälle Mitglieder von acht Großfamilien waren", so Zucker. "Masern sind eine der ansteckendsten Infektionen, die wir haben. Dies sollte uns daran erinnern, wie wichtig Impfungen sind, um Krankheiten vorzubeugen."

Die Veröffentlichung verdeutliche auch, wie wirksam ein gutes Impfprogramm sein kann, betonte Jason Schwartz, Assistant Professor an der Yale School of Public Health.

In New York City liegt die Impfquote für Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) bei knapp 97%, erklärte Schwartz. Dies begrenzte den Ausbruch.
"Sogar in der größten Stadt der Welt, in den dicht besiedelten Vierteln in Brooklyn, blieben geimpfte Personen in der Nähe des Ausbruchs unversehrt", sagte Schwartz.
Der mit Masern infizierte Teenager kehrte am 13. März 2013 aus London zurück. Masern seien in Großbritannien seit 2008 endemisch, „dank“ eines Rückgangs der Impfraten auf etwa 80 Prozent, ergänzte Zucker.

Die USA wurden im Jahr 2000 als masernfrei erklärt. Allerdings sind ungeimpfte Amerikaner bei einem Ausbruch immer noch anfällig, insbesondere wenn jemand die Masern aus einem anderen Teil der Welt importiert.
Alle diese Ausbrüche würden durch Reisende aus dem Ausland in die USA importiert, bemerkte Zucker.

Masern können in Räumen für bis zu zwei Stunden infektiös bleiben

Innerhalb einer Woche nach der Rückkehr des Teenagers erhielten Gesundheitsbeamte in New York City von Ärzten Berichte über Masernfälle. Daraufhin versuchten die Beamten, alle bekannten Masernexpositionen zu verfolgen. Masern können für bis zu zwei Stunden infektiös bleiben, nachdem eine Person einen Raum verlassen hat, warnte Zucker.

Die meisten identifizierten Fälle konnten die Gesundheitsbeamten nicht sofort isolieren. Als Folge davon waren Patienten in 11 Gesundheitseinrichtungen Masern ausgesetzt. Andere Kontakte mit Infizierten traten in Schulen, auf einer Fluglinie, in Wohnräumen und bei einer Hochzeit auf, berichteten die Gesundheitsbeamten.

Die Gesundheitsbehörden sammelten detaillierte Daten über die während des Expositionszeitraums an diesen Standorten anwesenden Personen und verglichen die Liste mit einem Immunisierungsregister, das von New York City geführt wird, um diejenigen Personen zu ermitteln, bei denen ein Infektionsrisiko bestand bzw. die keinen Impfschutz besaßen.

Jemanden, der Kontakt mit Masernviren hatte, muss innerhalb von 72 Stunden geimpft werden. Bei einem Ausbruch muss also schnell gehandelt werden.
Insgesamt wurden 3.351 exponierte Kontakte von einem Team von 87 Gesundheitsbeamten identifiziert. Zwei Drittel der Exponierten waren vollständig immunisiert und deshalb geschützt, weitere 11% hatten mindestens eine Masernimpfung erhalten.

Die Beamten fanden 335 Menschen, die exponiert waren und keinen Impfschutz besaßen. Etwa 114 ungeimpfte Kinder und Erwachsene, die Masern ausgesetzt waren, erhielten einen MMR-Impfstoff, um die Infektion abzuwehren, hieß es in dem Bericht. Es gab 77 Säuglinge, die zu jung für eine Impfung waren, sie erhielten Masern-Antikörper. Diese Impfungen nach der Exposition bewahrten New York City vor noch mehr Infektionen und dass die Zahlen in die Höhe schnellten, sagte Zucker.

58 identifizierten Masernfälle waren orthodoxe Juden, die aus religiösen Gründen keinen Impfschutz hatten. Etwa die Hälfte der Infektionen war auf Ansteckungen zwischen Verwandten zurückzuführen.
Der Ausbruch dauerte von März bis Juni 2013, und es gibt Hinweise darauf, dass es sechs Übertragungswellen gab.

Von den 58 bestätigten Masernerkrankungen traten 45 bei Kindern und Erwachsenen auf, die nicht geimpft waren, entweder weil sie bzw. ihre Eltern die Impfung ablehnten oder weil geplante Impfungen absichtlich verzögert wurden, ergänzten die Forscher. Weitere 12 Fälle waren Säuglinge, die zu jung für Routineimpfungen waren.

"Dies veranschaulicht das Risiko, das von einzelnen für ungeimpfte Bevölkerungsgruppen ausgeht", betonte Schwartz. "Dieser Ausbruch war ausschließlich Folge der Entscheidung einzelner, auf Impfungen verzichteten, und das hat Konsequenzen."

Quelle: HealthDay, JAMA Pediatrics (1, 2)





23.08.2018 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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