Auch normalgewichtige Jugendliche können unter Magersucht leiden

„Das Gefährliche an dieser Form der Essstörung ist, dass sie schwer erkannt wird, da Eltern mit Magersucht nur auffällig magere Heranwachsende verbinden. Bei der atypischen Anorexie zeigen Betroffene bis auf das Untergewicht die gleichen Probleme wie Magersüchtige: Sie haben ein gestörtes Körperbild, d.h. sie erkennen nicht, dass sie nicht mehr übergewichtig sind und fühlen sich in ihrem Körper unwohl, sie haben starke Angst davor zuzunehmen und versuchen zwanghaft, nicht zu viele Kalorien zu verzehren“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Auch körperliche Symptome sind bei Jugendlichen mit atypischer Anorexie ähnlich wie bei Magersüchtigen. Bei ihnen lässt sich ein erniedrigter Ruhepuls feststellen, ein niedriger Blutdruck und eine erniedrigte Körpertemperatur und sie frieren leicht. Bei Mädchen kann die Periode ausbleiben. „Jede extreme Gewichtsabnahme oder jeder rasche Gewichtsverlust ohne ärztliche Kontrolle kann der Gesundheit schaden, und dies umso mehr bei einem noch im Wachstum befindlichen Körper. Eltern sollten deshalb aufmerksam sein, wenn ihr Kind das Essen stark einschränkt, plötzlich übermäßig Sport treibt, sich mehrfach insbesondere nach einer Mahlzeit übergibt und/oder Abführmittel zu sich nimmt, um das Gewicht zu kontrollieren, und sich immer mehr zurückzieht. Ein Gespräch mit dem Kinder- und Jugendarzt und weiterführende Untersuchungen können klären, ob der Verdacht begründet ist und weitere Maßnahmen, wie z.B. eine Psychotherapie, erforderlich sind“, rät Dr. Fegeler.
Einer amerikanischen Studie zufolge sind die meisten Jugendlichen mit einer atypischen Magersucht zwischen 14 und 16 Jahren alt und haben im Verlauf von 13,3 Monaten durchschnittlich 17,6 Kilogramm abgenommen. In Deutschland ermittelte eine Befragung unter 1.654 Schülern der 7. und 8. Klasse, dass für 3,6% der Jugendlichen – vorwiegend Mädchen – die Kriterien einer atypischen Anorexie zutrafen.

Mit unsinnigen „Schönheitswettbewerben“ im Internet wie um das am stärksten hervortretende Schlüsselbein („Collarbone Challenge“), in dessen Beuge viele Münzen Platz finden, oder eine super schmale Taille, die kleiner als ein DIN-A4-Blatt sein sollte („DIN-A4-Challenge“), setzen sich insbesondere junge Frauen extreme Figurziele.

Quellen:
Pediatrics, BMJ open, MMW Fortschritte der Medzin, Springer Medizin
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10.04.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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