Bei jedem fünften Kind mit Zöliakie bringt glutenfreie Diät anscheinend nicht den gewünschten Erfolg

Fast jedes fünfte Kind mit Zöliakie zeigt trotz einer glutenfreien Ernährung noch entzündliche Prozesse an der Dünndarmschleimhaut. Weder Beschwerden noch Laborergebnisse geben einen Hinweis darauf, welche Kinder trotz einer glutenfreien Diät weiterhin Schäden an der Dünndarmschleimhaut erleiden. Dr. Maureen Leonard von MassGeneral Hospital for Children, Boston, Erst-Autorin erklärte. "Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Überwachung und Betreuung von Kindern mit Zöliakie evtl. überdacht werden muss.“

Studie wirft neue Fragen auf

Die amerikanischen und kanadischen Forscher überprüften die medizinischen Daten von 103 Kindern und Jugendlichen mit Zöliakie, die in zwei medizinischen Zentren betreut wurden. Patienten mit Zöliakie haben typische Darmschäden, die durch die Exposition gegenüber Gluten verursacht werden. Gluten oder Klebereiweiß ist in Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste enthalten.

Die wichtigste Maßnahme bei Zöliakie ist es, auf Gluten in der Ernährung zu verzichten. Die Kinder der Studie hatten durchschnittlich 2,4 Jahre lang eine glutenfreie Diät befolgt. Etwa 90% der jungen Patienten ernährten sich vorbildlich nach den ärztlichen Empfehlungen, so die Einschätzung der Experten. 

Die Teilnehmer hatten sich mindestens zweimal einer Darmendoskopie mit Biopsie (Probenentnahme von Darmgewebe) unterzogen: einmal zum Zeitpunkt der Diagnose von Zöliakie und nach mindestens einem Jahr glutenfreier Ernährung. Die Wiederholung der Biopsie wurde vorwiegend dann vorgenommen, wenn neuen Symptome auftraten oder alte Symptome anhielten, oder ungewöhnliche Laborergebnisse vorlagen.
Die Zöliakiebehandlung orientiert sich gemäß den aktuellen Leitlinien derzeit auf Labortests, die die Heilung beurteilen sollen, und nicht an wiederholten Biopsien.

Die Ergebnisse der neuen Darmbiopsie zeigten bei 19% der Kinder eine anhaltende Zöliakie-Enteropathie. Das Vorhandensein der Enteropathie konnte nicht durch Symptome oder durch Konzentrationen von bestimmten Antikörpern (Gewebs-
Transglutaminase-IgA-Antikörper [tTG-IgA-Ak] oder die Endomysium-IgAAntikörper [EmA-IgA-Ak]) vorhergesagt werden – die zur Zeit hauptsächlich für die Überwachung des Krankheitsverlaufs verwendet werden. Nur wenn Kinder nicht auf die Diät ansprechen, wird zur Zeit evtl. eine weitere Biopsie angeraten.

Demnach war 1 von 5 Kindern mit Zöliakie weiter von Darmschädigungen betroffen ist, obwohl es die empfohlene Gluten-freie Ernährung einhielt. Dr. Leonard und Kollegen schreiben: "Während die langfristigen Auswirkungen nicht bekannt sind, kann ein Weiterbestehen der Darmprobleme zu künftigen Komplikationen führen und das Wachstum des Kindes beeinträchtigen."
Aktuelle Richtlinien empfehlen normalerweise keine Wiederholung einer Biopsie, aber Dr. Leonard und Kollegen geben zu bedenken, dass dies die einzige Möglichkeit sei, um zu bestätigen, dass keine Veränderungen der Darmschleimhaut mehr stattfinden.

Weitere Studien müssten ihre Resultate allerdings bestätigen, und die unterschiedlichen Reaktionen auf eine glutenfreie Ernährung müssten erklärt werden, um Behandlungsmöglichkeiten bewerten zu können.

Quelle: newswise, Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, S2k-Leitlinie Zöliakie




18.01.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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