Bereits Vierjährige glauben daran, dass Gutes denjenigen passiert, die Gutes tun

Konika Banerjee und Paul Bloom von der Yale University zeigten anhand von drei Experimenten, dass Kinder frühzeitig in ihrer Entwicklung erwarten, dass die Ereignisse im Leben nicht rein geschehen, sondern dass sie aus einem bestimmten Grund passieren, wie zum Beispiel als Belohnung für gute Taten. Darüber berichten sie in einer aktuellen Veröffentlichung der Fachzeitschrift „Developmental Science“.

In einem ersten Experiment sagten Versuchsleiter 20 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren, dass sie ein begehrtes Spielzeug erhalten würden, wenn eine in die Luft geworfene Münze auf eine bestimmte Seite fallen würde. Dann erhielten sie einige Sticker als Dankeschön für ihre Teilnahme. Bevor die Münze in die Luft geworfen wurde, wurde ihnen von zwei anderen Kindern erzählt, die auch dem Glücksspiel teilnehmen sollten. Eines dieser Kinder hätte – so berichteten die Versuchsleiter den Kindern - seine Sticker an bedürftigen Kinder weitergegeben, weil er dachte, dies würde seine Chancen erhöhen, das Spielzeug zu gewinnen; das andere Kind hätte seine Sticker in den Abfalleimer geworfen, weil es dachte, dass dies seine Gewinnchancen erhöhen würde. Jeder Teilnehmer wurde nach der Geschichte gefragt, welches der beiden Kinder aus der Erzählung sich seiner Meinung richtig verhielt. Dann konnten die teilnehmenden Kinder selbst entscheiden, ob sie sich ähnlich verhalten wollten (Sticker in die Spendenbox oder in einen Abfalleimer).

Insgesamt glaubte die überwiegende Mehrheit der teilnehmenden Kinder an die karmische Strategie (wenn sie die Sticker bedürftigen Kindern geben würden, würden sie ihre eigenen Chancen erhöhten, das Spielzeug zu gewinnen), und nicht die „Verzicht- bzw. Müllstrategie“. Unter den Kindern, die eine Strategie ausprobierten, versuchten alle bis auf ein Kind mit der „Karma-Strategie“ zu gewinnen.

In einem zweiten Experiment wurden 40 weitere Kinder (im Alter von fünf bis sechs Jahren) Comicbilder von Kindern gezeigt, die versuchten, etwas zu erreichen (z.B. ein Mädchen, das versucht, ihren verlorenen Welpen zu finden). Die Erwachsenen beschrieben zudem, wer von den Figuren welche Strategie verwendet hat, um ihr Ziel zu erreichen. Dargestellt wurden zwei Methoden: entweder „karmisches Verhandeln“ (z.B. ein Kind war zu einem neuen Mädchen in der Schule nett) oder eine nicht-karmische Strategie (z.B. ein anderes Kind ließ sich die Haare abschneiden).

Jedes Bild kommentierten zwei fiktionale Charaktere mit unterschiedlichen Haltungen gegenüber karmischen Strategie. Zum Beispiel sagte ein Charakter, dass es bei der Welpensuche helfen würde, freundlich zu einem neuen Mädchen in der Schule zu sein. Denn wer etwas Gutes tut, der erfährt auch Gutes. Der andere Charakter war skeptisch, er äußerte die Meinung, dass es ja schön sei, etwas Gutes für jemanden anderen zu tun, aber dass es nicht helfen würde, etwas zu erreichen, was damit nichts zu tun hat.

Als die teilnehmenden Kinder gefragt wurden, welcher Charakter ihrer Ansicht nach richtiglag, entschieden sie sich viel häufiger für den „Karma-Anhänger“.
Der letzte Studienversuch mit vier- bis sechsjährigen Kindern zeigte schließlich, dass junge Kinder dazu neigen, eine ziemlich "diffuse" Vorstellung von Karma zu haben – d.h., sie glauben nicht nur, dass ihnen etwas Gutes passiert, wenn sie selbst etwas Gutes tun, sondern auch, wenn jemand anderer etwas Gutes tut.

Banerjee und Bloom denken, dass der Glaube der kleinen Kinder an ein kosmisches Karma wahrscheinlich eine Erweiterung ihres frühen Glaubens an soziales Karma ist - die allgemein richtige Annahme, dass, wenn man jemanden einen Gefallen tun, sie zu gegebener Zeit Gleiches von ihm erwarten können. Mit anderen Worten, es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Menschen „Schlussfolgerungen und Erwartungen aus dem sozialen Bereich in den nicht-sozialen Bereich" übertragen (ähnlich wie Menschen der unbelebten Welt gerne Bedeutung und absichtsvolles Handeln zuschreiben, wie das Denken, dass Bäume Sauerstoff bilden, damit die Tiere atmen können).

Die Forscher fassten zusammen, dass ihre Erkenntnisse bestätigten, dass Vorstellungen von Karma so kulturübergreifend erfolgreich sein könnten, weil sie eine erfolgreiche Grundregel unserer sozialen Beziehungen bestärkten, sodass sie schon früh in der Entwicklung eines Kindes allgegenwärtig sind.

Quelle: BSP Research Digest, Developmental Science





31.10.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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