Bunte Waschmittel-Kapseln können Augen verletzen

Mehr als 17.000 Kinder wurden von Waschmittel-Kapseln und -Tabs von 2012 bis 2013 in den USA vergiftet. Die Augenverletzungen stellen jedoch aufgrund der Chemie des flüssigen Waschmittels eine besondere Gefahr dar.

Kinder haben Erwachsene bei den chemischen Augenverletzungen abgelöst
Bei der Recherche zu derzeitigem Vorkommen und Ursachen von chemischen Augenverletzungen in den USA zeigte sich - entgegen der Annahme der Experten -, dass nicht Erwachsene, die in der Chemieindustrie arbeiten, die meisten Augenverletzungen haben, sondern kleine Kindern. Bei ihnen waren 50% mehr chemische Augenverbrennungen gemeldet als bei Erwachsenen.
Dies veranlasste die Wissenschaftler tiefer zu graben. Sie werteten dafür die Daten des National Electronic Injury Surveillance System (NEISS) aus, das Berichte der Notaufnahmen von rund 100 Krankenhäusern im ganzen Land sammelt. In den letzten 30 Jahren hat das System als Barometer für die Verletzungsprävalenz den USA gedient. Seit den sechziger Jahren gibt es in den USA konzentrierte Waschmitteltabs, aber Dr. Richard Sterling Haring von der John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore und sein Team untersuchten nur die letzten Jahre. Denn die neue Version der Flüssigkapseln wurde erst seit 2012 beliebt. Der Umsatz der Flüssigwaschmittelkapseln stieg zwischen 2012 und 2015 um 150%, so die Angaben des Wall Street Journals.

2012 bis 2015 rasanter Anstieg der Augenverletzungen durch Flüssigwaschmittel in Kapseln

Ungefähr 1.500 Kinder im Vorschulalter (im Alter von 3 bis 4 Jahren) mussten in den Jahren 2010 und 2011 aufgrund von chemischen Augenverbrennungen in die Notfallaufnahme, dabei waren aber keine Fälle, die durch Waschmittel verursacht wurden. Im Jahr 2012 gab es 12 Fälle und im folgenden Jahr bereits 262. Dann im Jahr 2015 (im letzten Jahr mit verfügbaren NEISS-Daten) stieg die Zahl auf 480 kleine Kinder, die wegen Augenverletzungen durch Waschmittel in der Notaufnahme behandelt werden mussten. Haring vermutet, dass dieser Trend sich im Jahr 2016 fortgesetzt hat, obwohl das American Cleaning Institute behauptet, dass eine Änderung im Dezember 2015 sichergestellt hätte, dass die Kapselhülle der Greifkraft eines Kindes standhalten könne.

Bonbon-Farben erhöhen Gefahr

Da die Kapseln bunt sind und wie Bonbons aussehen, ziehen sie kleine Kinder an und können Haut-, Augen und auch innere Verletzungen verursachen, wenn die Mittel geschluckt werden. Mehr als 17.000 Kinder erlitten in den USA zwischen 2012 und 2013 Vergiftungen aufgrund solcher Kapseln. Doch die Augenverletzungen durch die Laugen-haltigen Mittel sind besonders schlimm, da sie das Gewebe schnell quasi verflüssigen und absterben lassen. Dies kann sehr schmerzhaft sein. Die Unfälle ereignen sich, wenn das Kind mit der Kapsel spielt, die Hülle platzt und etwas ins Auge spritzt oder wenn das Kind laugenhaltige Flüssigkeit an den Händen hat und ins Auge greift.

Sofort Augen ausspülen

Die Experten raten Eltern dazu, als erste Maßnahme bei solchen Unfällen die Augen des Kindes für 20 Minuten mit kaltem Wasser auszuspülen. Sind Eltern zu zweit kann der andere Elternteil schon den Notruf tätigen.
Je länger die Flüssigkeit auf das Auge einwirken kann, desto größer ist die Verletzung.

Vorbeugen ist besser

Am besten sollten Eltern diese Unfälle im Vorfeld vermeiden und die Kapsel unzulänglich für Kinder aufbewahren oder andere Formen von Waschmittel benutzen.

Quellen: PBS NewsHour, JAMA Ophthalmology

16.03.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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