BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach appelliert an die Jamaika-Unterhändler: "Vergesst die Kinder nicht!"

Mit diesen Worten wandte sich BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach heute in Berlin an die Jamaika-Unterhändler und forderte sie auf, sich des dramatisch zunehmenden Kinder- und Jugendärztemangels endlich anzunehmen und für Abhilfe zu sorgen.

"Hebammen-Mangel und Pflege sind wichtige Themen. Aber wo bleibt das Thema der medizinischen Versorgung der Kinder? Immer mehr kommt es ans Licht: Die sogenannte Bedarfsplanung ist gescheitert und wir können nicht mehr alle Kinder in unserem Land medizinisch versorgen. Uns geht es um weitaus mehr als nur um die Behandlung von Magendarminfekte oder Schnupfen. Wir impfen Kinder vor potentiell tödlichen Krankheiten, wir stellen mit unseren Vorsorgen die Weichen für lebenslange Gesundheit, wir verhindern chronische Krankheiten und Behinderungen und wir sind die ersten Ansprechpartner bei Schul- und Familien-problemen. Ein weiteres umfängliches und zunehmendes Tätigkeitsfeld ist uns durch die sogenannten „Neuen Morbiditäten“ wie krankhaftes Übergewicht, Störungen des Sozialverhaltens sowie das System der Frühen Hilfen bei Kindeswohlgefährdung erwachsen. Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes, das am häufigsten ratifizierte internationale Menschenrechtsabkommen der Welt, sagt: Staaten sind ausdrücklich verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass das Recht eines jeden Kindes auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit gewährleistet wird. Dieses Recht wird durch die derzeitigen Zustände in den Kinder- und Jugendarztpraxen verletzt. Nur wenn es der neuen Regierung gelingt, die Missstände wirksam zu beheben, können wir unsere Arbeit tun und Kinder dabei unterstützen, gesund aufzuwachsen - insbesondere diejenigen, die aufgrund prekärer häuslicher Bedingungen von irreversiblen Entwicklungsstörungen bedroht sind. Dass es in der nächsten Legislaturperiode ein Weiterwursteln wie bisher gibt, dass sich nun während der Koalitionsverhandlungen alles um die Pflege, um die Digitalisierung etc. dreht und Kinder allenfalls am Rande vorkommen, das kann so nicht weitergehen. Die Bedarfsplanung muss endlich an den tatsächlichen Versorgungsbedarf angepasst werden, also zu einer Versorgungsplanung weiterentwickelt werden. Und sie muss flexibler werden. Kinder- und Jugendarztpraxen müssen dort sein, wo Eltern sie brauchen, vor allem in den dicht besiedelten Großstadtvierteln oder auch auf dem Land. Dazu müssen auch deutlich mehr junge Mediziner in unserem Fach ausgebildet werden. Pädiatrie muss als vertiefender Teil im „Masterplan Medizinstudium 2020“ berücksichtigt werden. Unsere Forderungen liegen schon längst auf dem Tisch. Sie sind nachzulesen unter www.bvkj.de.

https://www.kinderaerzte-im-netz.de/http://Wenn sich die Jamaika-Unterhändler in diesen Tagen an den Tisch setzen, um über die Zukunft unseres Gesundheitssystems zu debattieren, hoffen wir Kinder- und Jugendärzte, dass sie dabei eines im Sinn behalten: ihre Pflicht, jedem Kind in diesem Lande die bestmögliche medizinische Versorgung zu garantieren."

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15.11.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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