Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert: „Kitas müssen kindgerechter werden! Monitorfunktion für frühkindliche Entwicklung muss gestärkt werden!“

Kleine Gruppen, genügend Personal mit hoher Qualifikation – so wäre eine gute pädagogische Arbeit in den Kitas möglich. Zugleich hätten dann Kinder mit Entwicklungsschwächen mehr Chancen, dass diese frühzeitig entdeckt und ausgeglichen werden – oft ohne Logopädie und Ergotherapie. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte: „Die Kitas kehren zurück in den Regelbetrieb. Defizite treten nun wieder deutlich zutage – die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung benennt sie und weist auf die negativen Folgen für die frühkindliche Bildung hin. Aus unserer, also der kinder- und jugendärztlichen Sicht haben die Defizite aber auch noch eine weitere negative Folge: Eventuelle Entwicklungsverzögerungen und -schwächen können so seltener rechtzeitig entdeckt und mit pädagogischen Mitteln behoben werden.

In einer personell gut ausgestatteten Kita haben die Erzieherinnen genug Zeit und fachliche Kompetenzen, um Sprachentwicklungsstörungen oder motorische Schwächen zu erkennen und auch gegenzusteuern. Sind die Gruppen zu groß, fehlt es an gut ausgebildetem Personal und ist die Personalfluktuation hoch, fallen Entwicklungsrückstände seltener auf. Erst recht ist es dann nicht möglich, diese frühzeitig gezielt und individuell auszugleichen, die Eltern anzuleiten, wie sie ihre Kinder zu Hause besser fördern können oder ihnen auch anzuraten, die Probleme mit ihrem Kinder- und Jugendarzt oder ihrer -ärztin zu besprechen.
Erfahrungsgemäß leiden vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien unter Entwicklungsrückständen. Ihre Eltern können sie häufig zu Hause nicht ausreichend fördern. Oft verfestigen sich dann Entwicklungsrückstände. Am Ende sollen die ursprünglich pädagogischen Probleme mithilfe einer medizinischen Therapie behoben werden.

Was wir also brauchen: mehr kompensatorische Förderung in den Kitas, damit wir kein Kind verlieren. Wenn laut aktueller Bertelsmann-Studie bundesweit 54 Prozent aller Kita-Gruppen zu groß sind, wenn statt ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern überforderte und überlastete Kinderpflegerinnen und Praktikanten in den Gruppen arbeiten, dann kann eine gute Förderung nicht gelingen, dann verlieren vor allem Kinder aus sozial prekären Verhältnissen. Wir wissen heute, dass fehlende frühkindliche Entwicklungschancen den gesamten weiteren Lebensweg negativ beeinflussen können. Wir brauchen daher dringend eine Gesamtstrategie, die alle Kitas in Deutschland verbessert. Wir brauchen vor allem attraktivere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher und berufsbegleitend Unterstützung- und Beratungsstrukturen. Erzieherinnen und Erzieher müssen Bindungen zu den Kindern aufbauen können, sie kompensatorisch fördern und ihre Monitorfunktion wahrnehmen können. Letztere ist auch unverzichtbar für unsere Arbeit.“
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25.09.2020 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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