Früher Herzinfarkt in der Familie: Kinder sollten auf Risikofaktoren hin untersucht werden

Laut einer Studie unter der Leitung von Forschern der Queen Mary Universität in London (QMUL), die mehr als 10.000 Kinder umfasste, können erbliche Risikofaktoren für Herzinfarkte innerhalb von Familien erfolgreich nachgewiesen werden, wenn ein- bis zweijährige Kinder bei ihren Impfungen routinemäßig daraufhin untersucht würden.

Frühe Herzinfarkte bzw. Herzerkrankungen beruhen oft auf einer familiären Hypercholesterinämie (FH), einer genetischen Störung, die mit einem hohen Cholesterinspiegel einhergeht. Ohne Behandlung haben junge FH-Erwachsene vor dem 40. Lebensjahr ein etwa um das Zehnfache erhöhte Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. 

In der bisher größten Studie zu Cholesterin- und FH-Mutationen bei Kindern wurde festgestellt, dass die Prävalenz von FH-Mutationen bei Kindern bei etwa 1 zu 270 liegt - fast doppelt so hoch, wie bisher angenommen (1 von 500).
Wenn bei einem Kind die Störung diagnostiziert wird, ist vermutlich auch ein Elternteil davon betroffen. Deshalb sollten zwei Generationen gleichzeitig auf dieses Risiko hin getestet werden (Eltern-Kind-Screening), empfehlen die Autoren. Die Studie wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Sobald ein FH-positives Kind gefunden wurde, kontaktierten die britischen Experten die Eltern und forderten sie zu einer Untersuchung auf. So konnte zugleich ein FH-positiver Elternteil ermittelt werden. Rechnerisch diagnostizieren sie pro 125 getesteten Personen einen Patienten mit einem hohen Risiko für einen frühen Herzinfarkt.

Auf diese Weise konnten sowohl Kinder als auch Elternteile mit dieser gefährlichen Erbanlage frühzeitig erkannt werden, und es konnten rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. FH-Patienten sollten Medikamente wie Statine einnehmen und auch auf die Ernährung achten. Jugendliche und Erwachsene mit FH sollten zudem auf das Rauchen verzichten.

Professor Wald fügte hinzu: "Dies ist ein Beispiel für eine wirksame Screening-Strategie, die mit der routinemäßigen Impfung kombiniert werden kann und die klare Vorteile hat. Es sind keine zusätzlichen Klinikbesuche erforderlich, und Eltern machen gerne mit, da sie bereits die Gesundheit ihres Kindes und ihrer Familie bei dem Arztbesuch im Auge haben. Dieser einmalige Service bei einem Kinder- und Jugendarztbesuch erfordert keine neue klinische Infrastruktur und ist einfach und kostengünstig zu implementieren."

Quelle: Medical News Today, New England Journal of Medicine



15.12.2016 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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