Gewichtsverlust bis zur Volljährigkeit verringert Diabetes-Risiko als Erwachsener

"Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die nachteiligen gesundheitlichen Auswirkungen auf den Stoffwechsel durch Übergewicht in der Kindheit wieder rückgängig gemacht werden können. Und dies unterstreicht die potenziellen positiven Auswirkungen von Behandlungsinterventionen bei übergewichtigen Jugendlichen", so Dr. Lise Geisler Bjerregaard vom Krankenhaus Bispebjerg und Frederiksberg in Kopenhagen, Dänemark. Die Forschungsarbeit wurde bei den Scientific Sessions der American Diabetes Association (ADA) 2017 vorgestellt.
Es sei sehr ermutigend, dass ein erfolgreicher Gewichtsverlust tatsächlich das Risiko für Typ-2-Diabetes senken könne, sagte Dr. Bjerregaard in einem Interview mit Medscape Medical News.

Da bisherige Daten darauf hingewiesen haben, dass fettleibige Kinder ihr Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes als Erwachsene vervierfachen können, ist diese Arbeit von entscheidender Bedeutung. Sie weist darauf hin, dass sich durch Interventionsmaßnahmen, die bei übergewichtigen Kindern einsetzen, noch bevor diese fettleibig werden, das Diabetesrisiko normalisieren kann.
Dies bedeute aber nicht, dass nicht weiter versucht werden müsse, Übergewicht und Fettleibigkeit zu verhindern, so die Experten.
Die Ergebnisse würden wahrscheinlich für Frauen und Mädchen gelten, ergänzte Dr. Bjerregaard.

Dr. Bjerregaard und Kollegen analysierten die Daten des Kopenhagen School Health Records Register von 62.565 Männern, die in Dänemark zwischen 1939 und 1959 geboren worden waren. Gewicht und Größe waren gemessen worden, als sie 7 Jahre alt waren.

Die Männer hatten im Rahmen ihres Wehrdienstes auch an der obligatorischen Gesundheitsuntersuchung im Alter von 18 Jahren (Alter 17 bis 26 Jahre) teilgenommen. Informationen darüber wurden in der dänischen Datenbank dokumentiert. Diese Gesundheitsuntersuchung sei für Männer obligatorisch, aber nicht für Frauen, erklärte Dr. Bjerregaard.

Die Forscher definierten Übergewicht im Alter von 7 Jahren als einen BMI> 17,38 kg/m2, basierend auf der amerikanischen Einteilung der Centers of Disease Control and Prevention (CDC). Junge Männer wurden als fettleibig erfasst, wenn sie einen BMI> 25 kg/m2 im Alter von 18 Jahren aufwiesen, basierend auf den Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Demnach waren 5,4% der Kinder im Alter von 7 Jahren übergewichtig und 8,2% der jungen Männer im Alter von 18 Jahren.

"Also insgesamt eine relativ schlanke Bevölkerung", erklärte Dr. Bjerregaard. Anhand des Dänischen Nationalen Patientenregisters ermittelten die Forscher, dass während einer durchschnittlichen Verlaufszeit von 31,5 Jahren 6.710 Männer (10,7%) Typ 2-Diabetes im Alter von 30 oder älter entwickelt hatten.
Von den Männern, die in der Kindheit übergewichtig waren, waren nur 40% im Erwachsenenalter übergewichtig und der Rest hatte normales Gewicht.
Männer, die als Jungen übergewichtig waren, aber bis zum junge Erwachsenenalter ein normales Gewicht erreichten, hatten ein ähnliches Risiko für Typ-2-Diabetes wie Männer, die nie übergewichtig waren.

Männer, die dauernd übergewichtig waren oder als junge Erwachsene übergewichtig wurden, hatten ein dreimal so hohes Risiko Typ-2-Diabetes zu entwickeln – im Vergleich zu Männern, die immer ein normales Gewicht besaßen oder nur übergewichtig waren, als sie 7 Jahre alt waren.

Bjerregaard zufolge müsse nun herausgefunden werden, ob diese Ergebnisse für andere nichtübertragbare, mit Fettleibigkeit verbundene Krankheiten wie Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zuträfen und ob sie auch für Frauen gälten.

Quelle: Medscape, American Diabetes Association


09.08.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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